Opel
BMW und VW nehmen Magna in Schwitzkasten

Der Traum von der Opel-Übernahme könnte für Magna zum Albtraum werden. Nachdem bereits Ford-Chef Bernhard Mattes nicht mit Kritik sparte, hat VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech die Jagd auf Magna offiziell eröffnet. Und prompt setzt BMW nach. Die Münchner wollen ihr Verhältnis zu dem Zulieferer überdenken.

HB DÜSSELDORF. Der Autobauer BMW will sein Verhältnis zum Zulieferer Magna mit dessen Griff nach Opel überdenken. "Wir hatten bisher eine sehr gute Zusammenarbeit mit Magna, aber da hat sich die Strategie geändert. Wir haben es jetzt mit einem Fahrzeughersteller zu tun", sagte BMW-Finanzchef Friedrich Eichiner am Dienstag auf der IAA in Frankfurt. "Insofern müssen wir schon darüber nachdenken, welche Technologie wollen wir in die Hände eines Konkurrenten geben. Das muss jetzt sicher überdacht werden." Entschieden sei aber noch nichts. Der österreichisch-kanadische Zulieferer produziert für BMW derzeit unter anderem den kleinen Geländewagen X3 und Komponenten.

Zuvor hatte bereits VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech nicht mit Kritik gespart: VW-Chef Martin Winterkorn bekräftigte am Montagabend in Frankfurt, Volkswagen werde sein Geschäftsmodell mit Magna überprüfen: "Wo laufen wir Gefahr, dass wir bestimmte Informationen an die Konkurrenz geben?" VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch sagte: "Wir als Konzern mögen es nicht, wenn aus unseren Zulieferern unsere Konkurrenten werden." VW gehört zu den großen Kunden von Magna.

Magna-Europa-Chef Siegfried Wolf hatte zuvor bestritten, dass VW oder andere Kunden gedroht hätten, die Zusammenarbeit mit Magna zu beenden. Jeder Kunde werde es sich gut überlegen, bevor er auf die wettbewerbsfähigen Produkte verzichtet. "Magna hat bis heute keinen einzigen Auftrag in einem Schönheitswettbewerb gewonnen, sondern weil wir im Thema Qualität, Technologie und Preis wettbewerbsfähig sind." Außerdem werde Magna das Komponentengeschäft strikt vom Autogeschäft trennen. "Es wird keine organisatorischen oder personellen Überschneidungen geben", versprach Wolf.

Zumindest Daimler-Chef Dieter Zetsche glaubt das offenbar. Die Übernahme von Opel durch den Automobilzulieferer und Auftragsfertiger Magna werde nichts an den guten Geschäftsbeziehungen zu Magna ändern. Der kanadisch-österreichische Konzern habe versprochen, beide Bereiche getrennt zu führen und darauf vertraue er. Magna baut unter anderem die Mercedes-Benz G-Klasse in Graz.

Bei Zetsches Kollegen von Ford sieht das anders aus. Ford-Chef Bernhard Mattes äußerte in einer Umfrage des Handelsblatts deutliche Kritik.Mattes sieht durch die Opel-Hilfen die Chancengleichheit in Gefahr. Für ihn höre die Wettbewerbsgleichheit auf, wenn einzelne Konkurrenten in eine bessere Position gebracht würden - "etwa durch eine Möglichkeit zur Refinanzierung, die für andere nicht gegeben ist, oder gar durch direkte Subventionen und Beteiligungen», sagte er der Zeitung. Porsche-Vorstandschef Macht sagte dagegen: «Bei Opel stehen Tausende von Arbeitsplätzen auf dem Spiel." Daher könne er gut nachvollziehen, dass der Staat hier eingreife. "Natürlich besteht bei staatlichen Transferleistungen immer die Gefahr der Wettbewerbsverzerrung", sagte er.

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