Opel-Chef Neumann
Der Marathonmann

Opel-Chef Karl-Thomas Neumann hat turbulente Jahre bei dem Autobauer hinter sich. Doch seinem Ziel, schwarze Zahlen zu schreiben, kommt er immer näher. Was sein Beruf und ein Marathonlauf für Gemeinsamkeiten haben.

GenfGegen Ende eines Rennens erreichen Langläufer gelegentlich einen Zustand, in dem Euphorie den ganzen Körper durchströmt, und sie das Gefühl haben, nichts könne sie mehr stoppen. „Runner’s High“ nennen Marathonläufer diesen Zustand. Die Glückhormone lassen alle Schmerzen und Mühen der vorangegangenen Kilometer vergessen.

Auf dem Autosalon in Genf wirkt es fast, als habe Karl-Thomas Neumann diesen Zustand auch als Opel-Chef erreicht. Der begeisterte Marathonläufer strahlt, lächelt. Seit morgens sieben Uhr ist er bereits am Stand – vorne auf der Bühne, wo jeder ihn sehen kann. Stundenlang gibt er Interviews, zeigt stolz den neuen GT Concept – eine futuristische Neuauflage eines Opel-Klassikers. „Nur Fliegen ist schöner“, ein Slogan, der in diesem Moment auch für Neumann gelten könnte.

Mit Opel will Neumann dieses Jahr zum Schlussspurt ansetzen. Die Ziellinie ist die Gewinnschwelle – erstmals will Opel dieses Jahr wieder schwarze Zahlen schreiben. Die ersten Monate hat der Autobauer beim Absatz deutlich zugelegt. Die Zahlen werden mit Spannung erwartet.

Auf dem Autosalon in Genf feiert er auch ein Jubiläum, vor drei Jahren hatte er an gleicher Stelle seinen ersten großen Auftritt als Opel-Chef.

Damals dürften die wenigsten den 54-Jährigen um seinen Job beneidet haben. In Rüsselsheim wechselten die Chefs damals schneller als die Trainer beim HSV. Opel schrieb Verluste und steckte strategisch in der Zwickmühle: auf den international lukrativen Märkte durfte man nicht verkaufen und auf dem Heimatmarkt machte die Schwestermarke Chevrolet den Rüsselsheimern sogar noch Konkurrenz.

Die Handlungsoptionen für den neuen Opel-Chef scheinen begrenzt. Schon damals gibt der Mutterkonzern aus Detroit die unmissverständliche Ansage aus, dass spätestens im Jahr 2016 Gewinne geschrieben werden müssen. Und auch die meisten Modelle für die ersten Jahre sind längst geplant.

Neumann konzentriert sich auf die Probleme, die er lösen kann. „Die größte Baustelle ist die Marke“, erklärt er damals im Interview mit dem Handelsblatt. Nur drei Monate nach seinem Amtsantritt holt er Tina Müller nach Rüsselsheim – eine Branchenfremde. Die Marketingspezialistin hatte zuvor bei Henkel die Kosmetikmarke Schwarzkopf entstaubt, das gleiche Kunststück soll sie mit Opel wiederholen. Ihre Kampagnen schlagen ein. „Umparken im Kopf“ wird mehrfach ausgezeichnet. Die Imagewerte steigen. Müller positioniert Opel im Umfeld von Topmodels und Filmstars.

Auch in Rüsselsheim baut Neumann um – ganz wörtlich. Das Adam-Opel-Haus wird modernisiert. „Hier sah es vorher aus wie im Hochsicherheitsgefängnis“, erinnert sich ein ehemaliger Mitarbeiter. Neumann lässt eine Kaffeebar einrichten, öffnet das Foyer für Besucher. Die Autos, die dort ausgestellt werden, sind ab sofort nicht mehr verschlossen.

Und auch nach außen öffnet er Opel. Als erster Topmanager der deutschen Autobranche kommuniziert Neumann über die sozialen Medien. Für Youtube nimmt er eigene Videokolumnen auf, beantwortet Fragen auf seinem Twitter-Account. Wenn er durch Detroit joggt, lässt er seine Follower daran teilhaben.

Sein Einfluss im Konzern wächst. Dem Mutterkonzern in Detroit ringt Neumann im Jahr 2014 einen weitreichenden Kompromiss ab. Opel verzichtete auf globale Märkte, konzentriert sich allein auf Europa. Dafür zieht Detroit die Schwestermarke Chevrolet ab. Die neue Chefin Mary Barra scheint er von den Problemen der europäischen Tochter überzeugt zu haben.

Das zeigt Wirkung: neue Modelle wie der Adam und der Mokka verkaufen sich besser. Opel erreicht wieder Verkaufszahlen auf Vorkrisenniveau – auch wenn weiterhin deutliche Verluste gemacht werden.

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