Opel

Deutschland trägt Hauptlast der Sanierung

General Motors möchte die Hälfte aller Stellen in deutschen Standorten einsparen, knapp 5 000 Jobs könnten von den Sanierungsplänen betroffen sein. Die Pläne des Managements zeugen von harten Einschnitten und die Arbeitnehmer kündigen bereits Widerstand an. Was den deutschen Werken droht.
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Die Restrukturierung von Opel trifft vor allem die Mitarbeiter in Deutschland. Quelle: ap

Die Restrukturierung von Opel trifft vor allem die Mitarbeiter in Deutschland.

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RÜSSELSHEIM. Der Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) macht drei Wochen nach der Kehrtwende bei Opel nun Ernst mit der geplanten Restrukturierung: Nach Worten des neuen Opel-Interimschef Nick Reilly wollen die Amerikaner insgesamt rund 9 000 Stellen in Europa streichen, davon allein 50 bis 60 Prozent in Deutschland.

Finale Entscheidungen seien noch nicht getroffen, noch im Dezember sollen aber bereits Ergebnisse vorliegen. Opel-Gesamtbetriebsratchef Klaus Franz sprach davon, dass 7 230 Arbeitsplätze allein in Belgien und Deutschland gestrichen werden sollen - und kündigte den Widerstand der Arbeitnehmer gegen die Pläne an.

GM setzt damit bei der Restrukturierung deutlich andere Schwerpunkte als der abgewiesene Interessent Magna, der den Großteil der Opel-Arbeitsplätze im europäischen Ausland abbauen wollte. Großbritannien, Spanien und Polen kommen dagegen bei den internen GM-Plänen, die dem Handelsblatt in Teilen vorliegen, vergleichweise glimpflich davon.

GM greift damit bei der geplanten Restrukturierung des angeschlagenen Europageschäfts hart durch. Die Amerikaner setzen dabei den Rotstift mit gut 5 000 gefährdeten Stellen tiefer in Deutschland an als der von Bundesregierung und Arbeitnehmer bevorzugte Opel-Interessent Magna dies getan hätte. Laut Worten von Franz stehen im Stammwerk Rüsselsheim rund 2 500 Stellen in Produktion, Verwaltung und in der Entwicklung auf der Kippe.

Das Werk Bochum müsse um knapp 1 800 Stellen bangen und Eisenach und Kaiserslautern um jeweils etwa 300 Jobs. In Deutschland steht damit fast jeder fünfte Arbeitsplatz auf der Kippe. Reilly betonte aber, dass finale Entscheidungen noch nicht getroffen worden seien.

Das belgische Werk Antwerpen droht laut dem GM-Konzept wohl das Aus. GM wolle das Werk "theoretisch schließen", sagte Franz. In Belgien montieren derzeit rund 2 580 Beschäftigte den Opel Astra - 2 300 Jobs stehen jedoch auf der Streichliste. Die Arbeitnehmervertreter haben bereits einen Alternativplan für einen Erhalt von Antwerpen ausgearbeitet, mit dem eine Schließung des Werks noch verhindert werden soll, hieß es. In Großbritannien sollen dagegen laut Franz lediglich 350 Jobs im Werk Luton wegfallen und in Spanien rund 900 Arbeitsplätze, hieß es. Magna wollte dagegen nur 4 000 Stellen in Deutschland und rund 6 000 Jobs im europäischen Ausland kappen.

Die Zukunft der vier deutschen Opel-Werke ist damit gesichert, wie das Handelsblatt bereits vorab berichtet hatte. Anders als Magna setzt GM dabei den Rotstift auch bei den Ingenieuren im Rüsselsheimer Internationalen Entwicklungszentrum an, wo rund 550 Stellen gestrichen werden sollen.

Franz warnte, dies gefährde die Substanz der Entwicklungseinheit von Opel. Der neue Opel-Interimschef Nick Reilly hatte zuvor dem europäischen Betriebsrat von Opel seinen Restrukturierungsplan vorgelegt, nachdem er sich in den vergangenen zwei Tagen mit allen deutschen Ministerpräsidenten mit Opel-Standorten getroffen hatte. Reilly hatte dabei bereits Standortgarantien für Bochum und Kaiserslautern abgegeben. Noch im Juni hatte GM die Schließung der Fabriken in Antwerpen, Bochum und Eisenach geprüft.

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