Opel
Fiat-Chef rollt in Rüsselsheim ein

D-Day in Rüsselsheim. Fiat-Chef Sergio Marchionne ist bei Opel vorgefahren, wie das Handelsblatt erfahren hat. Grund: Ein Geheimtreffen von Marchionne mit dem Opel-Management. Jetzt wird es ernst für Opel. Fiat kommt. Wobei nicht nur der italienische Autobauer auf Reisen in Sachen Opel ist.

hz/HB MÜNCHEN. Fiat-Chef Sergio Marchionne verstärkt kurz vor Ablauf der Bieterfrist das Werben um Opel. Nach einem Treffen mit dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers besuchte der Fiat-Boss heute laut Unternehmenskreisen erstmals die Opel-Zentrale in Rüsselsheim. Marchionne habe sich etwa zwei Stunden mit Vertretern des Managements von Opel und GM Europa besprochen, erfuhr das Handelsblatt. Auch GM-Europa-Chef Carl-Peter Forster habe an dem Treffen teilgenommen. Fiat geht damit im Werben um Opel offensiv auf die Beteiligten zu und sucht eine Vorentscheidung.

Marchionne hatte sich bereits am Sonntag mit dem Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen, Jürgen Rüttgers, getroffen. Sprecher von Fiat und Opel wollten die Informationen nicht kommentieren. Der Fiat-Boss hatte nach einem Treffen mit der Regierung schon Anfang Mai zwei anderen Entscheidungsträger mit Opel-Werken in ihren Ländern, Hessens Ministerpräsident Roland Koch und Rheinland-Pfalz Regierungschef Kurt Beck, einen Besuch abgestattet - war jedoch auf zurückhaltende Reaktionen gestoßen. Regierung und Opel-Mutterkonzern General Motors erwarten bis Mitte der Woche verbindliche Angebote von den Opel-Interessenten, zu denen neben Fiat in erster Linie der kanadisch-österreichische Zuliefererkonzern Magna zählt.

Wobei nicht nur Marchionne auf Reisen ist, oder kurz davor steht. Bundeswirtschaftsminister zu Guttenberg erwägt eine weitere USA-Reise zur Rettung von Opel. Er halte sich offen, möglicherweise noch einmal direkt in die Verhandlungen einzugreifen, sagte Guttenberg in München. Es bestehe die Möglichkeit, dass am Ende der Woche ein Verhandlungsteam unter seiner Federführung in die USA reise.

Die Bundesregierung verhandelt derzeit mit der Opel-Mutter GM und der US-Regierung über die Auslagerung von Opel an einen Treuhänder, damit der Rüsselsheimer Autobauer von einer immer wahrscheinlicher werdenden Insolvenz der Mutter nicht mitgezogen wird. Bislang stößt die Idee in den USA jedoch auf Widerstand. Dennoch äußerte sich Guttenberg zuversichtlich, eine Lösung hinzubekommen. Er sei bei den Verhandlungen zu dem Treuhandkonzept "grundsätzlich optimistisch", sagte er. Es sei nicht unüblich "dass Positionen auch mal härter ausgetauscht werden".

Im Ringen um Opel bläst indes der italienische Autobauer Fiat kurz vor Ablauf der Bieterfrist laut Informationen des Handelsblatts zur Schlussoffensive. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und Fiat-Chef Sergio Marchionne haben sich am Sonntag in Köln getroffen. Das Gespräch in einem Kölner Hotel habe etwa anderthalb Stunden gedauert, wie Regierungssprecher Hans-Dieter Wichter auf AP-Anfrage sagte. Bei dem Treffen in Köln habe der Fiat-Chef erklärt, alle Opel-Standorte in Deutschland halten zu wollen. Regierungssprecher Wichter verwies auf die vereinbarte Vertraulichkeit und äußerte sich nicht zu den Inhalten. Und weitere Spitzentreffen etwa mit dem Regierungschef von Thüringen stehen laut Informationen des Handelsblatts noch auf dem Programm.

Bis Mittwoch sollen die Opel-Interessenten ihre Konzepte in Berlin präsentieren. Verbindliche Angebote erwarte er von Fiat und Magna, sagte Guttenberg. Ob es weitere ernstzunehmende Interessenten gebe, ließ er offen. "Wir müssen warten, was am Mittwoch passiert.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hält indes an einem Treuhandkonzept für den angeschlagenen Autobauer Opel fest. Es gehe jetzt in die "entscheidende Phase" der Verhandlungen, sagte sie in einer RTL-Sendung auf die Frage eines Bürgers. Deutschland werde seine Interessen dabei wahren. Das Konzept sieht vor, Opel - Anteile befristet von einem Treuhänder verwalten zu lassen, um dem Autobauer mehr Zeit für die Verhandlungen mit potenziellen Investoren geben. Diese müssen dem Bundeswirtschaftsministerium in Berlin ihre Ideen vorlegen. Die Konzepte würden umgehend geprüft, sagte Merkel. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg verwies auf eine möglichen Insolvenz von Opel als Ausweg, wenn andere Rettungsversuche scheiterten. "Sollten die Konzepte nicht taugen und stünde Opel vor der Illiquidität, sähe ich kaum eine andere Option als eine geordnete Insolvenz", sagte er der "Welt am Sonntag".

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