Opel
Frostige Freude über Opel in Russland

Die Opel-Entscheidung bringt in Moskau keine Sektkorken zum Knallen. Der Chef der russischen Sberbank, die zukünftig mit bei Opel im Boot sitzen soll, ist ausgesprochen schmallippig. Und auch beim russischen Autohersteller GAZ dürfte sich die Begeisterung in Grenzen halten. GMs Mitgift fällt ausgesprochen dürftig aus.

tom/HB MOSKAU. Er war noch nie ein großer Freund der Opel-Beteiligung: German Gref, der telegene Chef der staatlich kontrollierten russischen Sberbank, die nun 27 Prozent am Rüsselsheimer Autobauer halten wird. Und so blieb er auch gestern wieder sehr zurückhaltend. Er nehme noch keine Gratulationen entgegen, sagte der Chef der größten russischen Bank. Schließlich müsse man sich jetzt erst einmal genau die Bedingungen angucken, die GM für den Opel-Verkauf stellt.

Die Sberbank betrachtet die GM-Entscheidung zum Verkauf von Opel noch nicht als endgültig. Das Votum sei ein wichtiger Zwischenschritt, sagte Sberbank-Chef German Gref. Die Gespräche seien sehr schwierig und die Struktur des Geschäfts sei ohnegleichen kompliziert gewesen. Die Absichtserklärung allein sei ein Dokument von mehr als 1000 Seiten.

Der russische Autobauer und Magna-Partner GAZ wird Kreisen zufolge wahrscheinlich nur bestimmte Opel-Modelle in Russland nach Vorgaben von General Motors (GM) montieren dürfen. Die Opel-Mutter GM werde Gaz Beschränkungen auferlegen, verlautete am Donnerstag aus Branchenkreisen aus dem Gaz-Umfeld. Die Opel - Treuhandgesellschaft und GM hatten sich zuvor für einen Verkauf von Opel an den kanadischen Autozulieferer Magna ausgesprochen. Magna bot zusammen mit der russischen Sberbank, die vermutlich eine Kooperation mit dem heimischen Hersteller Gaz anstrebt.

Wie viel Unabhängigkeit sich Gref gegenüber der russischen Regierung in Sachen Opel bewahren kann, ist unklar. Man habe den Bankchef "zum Jagen tragen" müssen, kolportierten Finanzkreise. Die Bank wolle bei Opel nur vorübergehend einsteigen. Er habe nicht die Absicht, langfristig ein "strategischer Investor" bei Opel zu bleiben, hatte Gref einmal gesagt. Mit Industriebeteiligungen hat die Sberbank kaum Erfahrungen - ihr Chef will sie lieber zu einem führenden internationalen Finanzhaus formen. Staatlich verordnete Firmenkäufe passen da nicht zum Image.

Ein anderer Grund für seine Schmallippigkeit dürfte die eigene heikle Lage sein. Für die Sberbank ist das Engagement ein hohes Risiko. Die Bank hat immer noch mit den Folgen der Finanzkrise zu kämpfen: Zwar konnte sie trotz höherer Rückstellungen für Problemkredite im jüngsten Quartal überraschend gut abschneiden und dank besserer Renditen im Kreditgeschäft einen Gewinn von rund 120 Mio. Euro erzielen. Der Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum offenbart aber die Dramatik der Krise in Russland: Das Nettoeinkommen der ehemaligen russischen Sparkasse liegt heute um 85 Prozent niedriger.

Zwar geben Analysten inzwischen Entwarnung für den russischen Bankensektor. Aber solange der langfristige Kapitalmarkt für die Institute weitgehend geschlossen bleibt, ergeben sich kaum Wachstumsperspektiven - die kurzfristigen Finanzspritzen des Staates reichen da nicht aus. Solange Gref solche Sorgen drücken, wird er wohl auch kein großer Opel-Freund werden.

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