Opel
GM spuckt nach Abfuhr große Töne

Die Stimmung zwischen der deutschen Regierung und General Motors ist mit dem Wort „Eiszeit“ wohl treffend umschrieben. Im Hinblick auf Staatshilfe für Opel reagierte GM äußerst kühl auf die deutlichen Worte aus Berlin.
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FRANKFURT. Im Ringen um neue Staatshilfe für Opel hat der US-Mutterkonzern General Motors auf die vorläufige Abfuhr in Berlin kühl reagiert. „Ich glaube, dass wir gar keine Gelder der Bundesregierung für Opel brauchen“, sagte GM-Verwaltungsratschef Ed Whitacre in einem Zeitungsinterview. „Wenn Frau Merkel nichts zur Verfügung stellen will, dann bezahlen wir das eben selbst.“ GM war zuvor bei der Bundesregierung abgeblitzt. Die von den Amerikanern veranschlagten 3,3 Mrd Euro für die Sanierung des deutschen Autobauers müsse GM aus eigener Tasche bezahlen, hatte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle nach einem Treffen seines Staatssekretärs mit GM-Vertretern mitgeteilt.

GM zeigt sich damit unbeeindruckt von der harten Haltung der Regierung und will an seinen Plänen nicht rütteln. Ein GM-Sprecher schränkte allerdings ein, dass der Konzern weiterhin fest mit deutscher Staatshilfe für die Sanierung von Opel rechne. „Das Unternehmen geht davon aus, dass die Unterstützung, die von den Regierungen für den mit Magna erarbeiteten Plan zugesagt war, grundsätzlich auch in der neuen Konstellation verhandelbar ist, da auch das GM-Konzept einen ähnlichen Ansatz verfolgt“, sagte ein GM-Sprecher. GM-Boss Fritz Henderson hatte

Anfang der Woche noch konziliante Worte für die deutsche Politik gewählt und sich öffentlich für das Verhalten des Konzerns entschuldigt. Ein Schritt, der Whitacre zu weit geht. „Nein, ich stimme da ganz und gar nicht mit Henderson überein“, betonte er im Gespräch mit dem „Münchener Merkur“. Das Entscheidungsverfahren mag auf manche konfus gewirkt haben, aber wir haben uns da nichts vorzuwerfen.“ Die EU-Position zum Opel-Verkauf habe GM zum Umdenken gebracht. „Im übrigen muss unser allererstes Interesse immer den Anteilseignern von GM gelten, auch wenn das manchen nicht gefällt.“

Die deutsche Konkurrenz von Opel fordert eine harte Haltung gegen GM.

Daimler-Boss Dieter Zetsche rief Berlin auf, nunmehr die Finger von Opel zu lassen: „Es ist nicht Sache des Staates, wenn ein US-Hersteller ein Tochterunternehmen in Deutschland saniert“, betonte Zetsche vor Journalisten in New York.

GM will am Montag erstmals nach der Rückkehr aus der Insolvenz einen Blick in seine Bücher gewähren. Erwartet wird erneut ein Verlust. GM will den neuen Opel-Sanierungsplan laut Worten von GM-Boss Henderson den Regierungen erst in einigen Wochen vorstellen. Die Amerikaner wollten sich erst mit den Betriebsräten auf ein Konzept einigen. Den Finanzbedarf hat GM mit rund 3,3 Mrd. Euro beziffert.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland

Kommentare zu " Opel: GM spuckt nach Abfuhr große Töne"

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  • @ backermeisterbullerjahn

    "Mit welcher berechtigung rettet eigentlich ein Staat Unternehmen?"

    Das ist die zentrale Frage. Vor allem stellt sich dann unweigerlich die nächste Frage: Mit welcher berechtigung rettet er WELCHE Unternehmen? Arcandor mit fast doppelt so vielen Arbeitsplätzen ist für eine Rettung nicht ansatzweise in betracht gezogen worden. Warum nicht? Was ist mit den Zulieferern von Opel? Werden die auch gerettet? Direkt oder nur indirekt, indem Opel gerettet wird?

    Wer subventioniert die Küchenhersteller, denen jetzt die Kunden ausbleiben, weil diese ihr letztes Geld dank Abwrackprämie in ein neues Auto gesteckt haben?

    Fragen über Fragen, die kein Politiker uns beantwortet. Haben die sich überhaupt diese Fragen gestellt?

  • Na endlich hat man mal den Abzockern aus USA gezeigt, dass man für die Sanierung des eigenen Unternehmens selbst verantwortlich ist ( so leid es mir um die Opelaner tut )

  • Mit welcher berechtigung rettet eigentlich ein Staat Unternehmen? Warum standen eigentlich nicht die Mitarbeiter von Ford und VW, von Renault und Fiat und von Peugeot und Saab gegen die deutschen Maßnahmen auf.
    Und das deutsche Kartellamt, welches eigentlich keine Wettbewerbsverzerrungen dulden soll, schwieg hartnäckig. Selbst die EU gebärdete sich als Lachnummer. Der Mittelstand, das Rückgrat unserer Wirtschaft hat eh schon resigniert. Für die ist der Staat ein behinderer von Geschäften. Vielleicht sollten Politiker, bevor sie in die Politik gehen, erst ein paar Jahre in der Privatwirtschaft arbeiten. Und nicht nur als Jurist!!

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