Opel-Initiative
Unser Diesel soll sauber werden

Nach dem VW-Skandal hat der Diesel seinen guten Ruf verloren. Auf der Straße stoßen fast alle Hersteller deutlich mehr Schadstoffe aus als auf dem Prüfstand. Nun will Opel ehrlicher mit den Abgaswerten umgehen.

Rüsselsheim/DüsseldorfEs ist Zeit für ein offenes Wort, findet Opel-Chef Karl-Thomas Neumann. Als einer der ersten Hersteller gehen die Rüsselsheimer bei der Diskussion um den Diesel in die Offensive. „Für mich ist klar, dass die derzeitige Diesel-Diskussion eine Zäsur bedeutet. Die Welt ist nicht mehr wie zuvor, und wir können das nicht ignorieren“, sagt Neumann. Das Vertrauen in den Diesel hat schwer gelitten, nachdem Volkswagen zugegeben hat, die Abgaswerte seiner Selbstverbrenner systematisch durch eine Schummel-Software manipuliert zu haben.

Seitdem stehen die Hersteller unter Generalverdacht – auch Opel. Seit Wochen streitet der Hersteller mit der Deutschen Umwelthilfe über eine Abgasuntersuchung beim Opel Zafira. Die Umweltschützer werfen dem Autobauer vor, dass der Familien-Van auf der Straße deutlich mehr giftige Stickoxide ausstößt als auf dem Prüfstand. Der implizite Vorwurf, dass Opel ebenfalls per Software geschummelt habe könnte, schwingt dabei mit, wird vom Hersteller aber vehement zurückgewiesen.

Doch alleine bei dieser defensiven Haltung wollen es die Opelaner offensichtlich nicht belassen. Künftig, so kündigt es Opel-Chef Neumann an, werde man neben den Werten des offiziellen Standardtests NEFZ auch die Verbrauchswerte nach einem realistischeren Prüfzyklus angeben. Der so genannte WLTP-Zyklus soll nach den Vorstellungen der EU-Kommission ab 2017 ohnehin der gesetzliche Standardzyklus werden. Flankiert wird er von Messungen auf der Straße.

Bisher hatte die Autoindustrie meist Bedenken angemeldet, die realistischen Messverfahren möglichst schnell einzuführen. Man fürchtete, die Grenzwerte, die noch nach dem alten Zyklus festgelegt wurden, in einem realistischeren Test nicht einhalten zu können. Die Offensive von Opel ist darum bemerkenswert: Sie ist nämlich auch das implizite Eingeständnis, dass die Diesel-Fahrzeuge auf der Straße derzeit nicht so sauber sind, wie sie sein könnten. Das gilt nicht nur für Opel, sondern für nahezu alle Hersteller.

Weil die Autobauer zu stark darauf fokussiert waren, ihre Modelle im Standardtest auf dem Prüfstand gut aussehen zu lassen, wurde auch die Motorensoftware auf dieses Szenario hin optimiert. Ob am Ende mehr Schadstoffe auf der Straße ausgestoßen wurden, schien nebensächlich.

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