Opel-Käufer in China
Warum PSA-Chef Tavares Zweckoptimismus braucht

Die designierte Opel-Mutter PSA aus Frankreich kommt in China nicht in die Gänge. Auch die Premiummarke DS enttäuscht. Um das zu ändern, plant Konzernchef Carlos Tavares eine SUV-Offensive – und einen Sparkurs.
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SchanghaiFür einen Strategen wie PSA-Chef Carlos Tavares gibt es kaum etwas Schlimmeres als einen Plan, der nicht aufgeht. Auf der Automesse in Schanghai ließ der Portugiese seinem Frust über die Entwicklung des China-Geschäfts freien Lauf. „Die Situation, mit der wir in China konfrontiert sind, ist eigentlich nicht akzeptabel”, erklärte Tavares vor Reportern. „Wir glauben, dass wir es besser machen müssen und besser machen können.“

Denn die Internationalisierung des Geschäfts ist für den französischen Konzern überlebenswichtig. PSA arbeitet nach der Sanierung zwar hochrentabel, ist aber immer noch in hohem Maße vom hart umkämpften europäischen Markt abhängig, wo ein Großteil des Umsatzes erwirtschaftet wird. Mit Hilfe des chinesischen Großinvestors Dongfeng hatte Tavares sich einen fulminanten Einstand auf dem chinesischen Markt erhofft.

Doch die vergangenen Monaten waren für die Franzosen eine einzige Enttäuschung. Während der Markt zweistellig zulegte, musste PSA einen Absatzeinbruch um 16 Prozent auf 615.000 verkaufte Fahrzeuge hinnehmen. Den Grund dafür hat Tavares schon ausgemacht: PSA habe im Vergleich zur Konkurrenz weniger SUV im Angebot. Die stadttauglichen Geländewagen erfreuen sich auch in China wachsender Beliebtheit, wachsen deutlich stärker als andere Marktsegmente und machen mittlerweile 44 Prozent an den Privatkäufen aus.

Schon im vergangenen Jahr hatte Tavares daher eine Offensive ausgerufen, die chinesische Medien „Product Blitz“ tauften. Bis 2020 wollen die Franzosen 34 neue Modelle lokal produzieren. Im November 2016 hatte PSA trotz sinkender Absätze ein neues Werk im zentralchinesischen Chengdu eröffnet – mit einer Kapazität von 300.000 Einheiten im Jahr. Hier läuft unter anderem der Peugeot 4008 vom Band.

Trotz dieser selbstbewussten Investitionen laufen die Franzosen den eigenen Erwartungen im chinesischen Markt hinterher. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass wir noch nicht die richtige Formel gefunden haben und weiter hart arbeiten müssen”, gab Tavares in Schanghai unumwunden zu. Das gelte nicht nur für die Produkte, sondern auch für Marketing und Vertrieb.

Besonders ärgerlich ist, dass die Premiummarke DS bislang nicht richtig in die Gänge kommt. Gerade für den chinesischen Markt hatte Tavares die einstige Produktlinie von Citroën zur eigenständigen Marke gemacht. Dabei hatte man gehofft, vom positiven Image französischer Luxusmarken wie Cartier, Chanel oder Louis Vuitton zu profitieren.

Auch in Schanghai bewirbt PSA den DS6 mit dem Slogan „So Paris“. Doch bislang ist man nicht nur meilenweit entfernt von den Marktführern im Premiumsegment Audi, BMW und Mercedes – auch andere Konkurrenten wie Volvo und Jaguar Land Rover schlagen sich auf dem chinesischen Markt besser.

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Wie sich das China-Geschäft auf Effizienz trimmen lässt

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