Opel
Koch wirft GM zögerliche Verhandlungen vor

Der US-Autobauer General Motors hat Vorbehalte für eine Übernahme von Opel durch den Autozulieferer Magna. Das stößt nicht nur bei deutschen Experten auf Kritik. Hessens Ministerpräsident Roland Koch geht nun mit GM hart ins Gericht - erhebt schwere Vorwürfe und spricht eine deutliche Warnung an die Opel-Mutter aus.

pm/HB BERLIN/FRANKFURT/DETROIT. Die Vorbehalte des US-Autobauers General Motors (GM) auch gegen ein verbessertes Angebot des kanadisch- österreichischen Zulieferers Magna stoßen in Deutschland auf Unverständnis - und zwar sowohl bei Experten als auch in der Politik. Hessens Regierungschef Roland Koch hat seine Kritik am Management von GM drastisch verschärft. Der CDU-Politiker wirft dem amerikanischen Opel-Mutterkonzern vor, den Abschluss mit dem von Deutschland bevorzugten Bieter Magna zum Schaden Opels mutwillig zu verzögern. "Ich habe den Eindruck, das Management von GM denkt, es habe Deutschland nach dem Board Meeting kommenden Montag nur seine Entscheidung mitzuteilen. Wir sind nicht die Vollstrecker von Wünschen aus Detroit", sagt Hessens Ministerpräsident dem "Handelsblatt".

GM-Verhandlungsführer John Smith hatte am Dienstag in einem Blog des Konzerns im Internet Vorbehalte für einen Einstieg Magnas bei Opel geäußert. Es gebe Teile in dem Angebot, die so nicht umsetzbar seien, schrieb Smith. Grundsätzlich sehe man die Entscheidung über einen Investor für die bisherige deutsche Tochter weiter als offen an. Zuvor hatte Magna im Übernahme-Poker nachgelegt und nach Berichten des "Wall Street Journals" sein Barangebot erhöht.

In der Summe wolle Magna im Konsortium mit der russischen Sberbank zwar unverändert 500 Mio. Euro Eigenkapital einbringen. Im Falle eines Zuschlags durch die einstige Opel-Mutter und die deutsche Politik sollen nun aber sofort 350 Mio. statt wie bisher geplant nur 100 Mio. Euro in bar in die neue Gesellschaft fließen, zitierte das Blatt am Dienstag in seiner Onlineausgabe Berliner Regierungskreise.

Koch fordert das Management von GM auf, die Geduld Deutschlands nicht überzustrapazieren. "Die zögerlichen Verhandlungen mit dem bevorzugten Bieter Magna führen zu einer für das Unternehmen Opel nicht akzeptablen Hängepartie." Koch wirft GM vor, eigene Interessen wichtiger zu nehmen als die Zukunftsfähigkeit von Opel Europa, etwa weil es selbst auf den russischen Markt strebe. Denn an sich sei die Angst GMs vor dem Einstieg eines russischen Anteilseigners, wie es das Magna-Konzept vorsieht, unbegründet. "Das Verhandlungsergebnis mit Magna sieht vor, dass GM ein Vetorecht bei jeder Ausweitung von Lizenzen in Russland hätte. Die Vorbehalte gegen einen russischen Investor scheinen mir eher daher zu rühren, dass GM den russischen Markt seinen eigenen Produkten, zum Beispiel Chevrolet, vorbehalten will", sagt Koch dem "Handelsblatt".

"Wenn GM jetzt behauptet, das Angebot von RJH International sei im Gegensatz zu dem Magnas unterschriftsreif, mag das für GM stimmen, für die Regierungen stimmt das nicht", so Hessens Regierungschef. "Bei Ripplewood fehlt die Sicherheit, dass GM Europa wirklich eigenständig bleiben kann und nicht in ein paar Jahren wieder an GM zurück verkauft wird. Überdies - wenn das Konzept von RHJ jährlich eine Mrd. Euro Lizenzgebühren mehr als Magna an den Mutterkonzern vorsieht, mag das gut für GM sein, nicht aber für den deutschen Steuerzahler."

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