Opel
Magna setzt auf die russische Karte

Die Hoffnung für Opel liegt im Osten - in Russland. Der Markt bietet großes Potential, auch wenn das Autogeschäft in den ersten vier Monaten des Jahres stark eingebrochen ist. Mit Opel will Magna nun weiter in Russland vorstoßen - und in Zukunft dort jährlich eine Million Kraftfahrzeuge verkaufen.

MOSKAU/WIEN. "Lichtstrahl" - so heißt das Konzept, mit dem Magna-Gründer Frank Stronach den Zuschlag bei Opel bekommen hat. Auch wenn es noch viele Fragezeichen gibt, ob die Idee Erfolg haben wird: Das Licht für Opel soll aus dem Osten kommen - aus Russland.

Dort ist der Automarkt in Folge der Wirtschaftskrise zwar in den ersten vier Monaten um 44 Prozent eingebrochen und das Volumen der in Russland produzierten ausländischen PKWs dürfte in diesem Jahr um rund ein Drittel absacken. Es lockt aber nach wie vor ein erhebliches Potenzial: Während in Westeuropa auf 1 000 Einwohner bis zu 600 Autos kommen, sind es in Russland 190. Martin Jahn, Vertriebs- und Marketingvorstand bei Volkswagen in Russland, ist sich deshalb sicher, dass die Nachfrage mittel- und langfristig wieder aufwärts gehen wird. "Doch vor 2015 werden wir nicht das Niveau vom vorigen Jahr erreichen", schätzt er.

Als Folge der gedämpften Aussichten hat eine Reihe ausländischer Autohersteller die Investitionen in Russland heruntergeschraubt oder verschoben: Suzuki und Mitsubishi haben Projekte auf Eis gelegt, Great Wall aus China hat sich von einem Vorhaben in Tartastan zurückgezogen. Doch Magna-Europachef Siegfried Wolf hat den Glauben an den russischen Automarkt nicht verloren: Magna baut im Moment selbst zwei eigene Zulieferwerke in Russland und hält trotz Krise an den Investitionen fest.

Mit Opel will Magna nun weiter in Russland vorstoßen - und in Zukunft dort jährlich eine Million Kraftfahrzeuge verkaufen. Bereit stehen zwei russische Partner: Die Autoschmiede Gaz, die zum Firmenimperium des Alu-Tycoons Oleg Deripaska gehört, sowie das größte Finanzhaus des Landes, die staatlich kontrollierte Sberbank. Beide umgibt derzeit aber keinesfalls ein "Lichtstrahl". Der Autohersteller Gaz steht sogar eher im Schatten. Das Unternehmen mit 70 000 Mitarbeitern hat in diesem Jahr gerade mal 3 000 Autos verkauft, die Bänder stehen still. Noch vor kurzem wollte Gaz die alte russische Marke "Wolga" wiederbeleben. Doch viel ist dabei bisher nicht herausgekommen, obwohl Magna zur Seite stand. Jetzt sollen Opel-Modelle dort von den Bändern laufen, vielleicht sogar schon Anfang 2010. "Magna wird freie Produktionskapazitäten bei Gaz nutzen, um dort Opel-Ableger zu produzieren", ist auch Tim Urquhart überzeugt, Automobil-Experte bei IHS Global Insight.

Doch selbst das wird nicht leicht. Gaz, 1932 mit der Hilfe von Ford gegründet, gilt als bankrott und steht mit rund 1,4 Mrd. Dollar bei den Banken in der Kreide. Gaz-Eigentümer Oleg Deripaska steckt zudem selbst in der Klemme. Er muss derzeit einen Schuldenberg von mehr als 20 Mrd. Dollar umschichten. Dabei, so heißt es in Finanzkreisen, macht er immerhin gute Fortschritte. Seine Holding Basic Element sorgt für zwei Prozent des russischen Bruttoinlandsproduktes, eine Pleite will sich Russland nicht leisten. Deripaska hat enge Kontakte zu Magna. Wegen der Finanznöte musste Deripaska seine Magna-Anteile (20 Prozent) im Herbst 2008 abgeben.

Seite 1:

Magna setzt auf die russische Karte

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%