Opel-Mutter GM
Toyota auf amerikanisch

Der Rückruf von 2,6 Millionen Fahrzeugen lastet schwer auf General Motors, auch 4.000 Opel-GT-Fahrzeuge müssen in die Werkstatt: GM bricht der Gewinn weg. Erinnerungen an das Rückruf-Debakel von Toyota werden wach.
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Düsseldorf/DetroitZwei Monate hat es gedauert: Mitte Februar rief General Motors die ersten Autos wegen eines Problems mit dem Zündschloss zurück – zunächst „nur“ 800.000 Fahrzeuge, doch nach und nach stieg deren Zahl auf 2,6 Millionen. Am Mittwoch begann nun die Reparatur der problematischen Zündschlösser, die in voller Fahrt zurückspringen können, was nicht nur den Motor abschaltet, sondern auch Airbags, Servolenkung und Bremskraftverstärker. Mindestens 13 Menschen sollen nach Unfällen wegen dieses Defekts gestorben sein. US-Verbraucherschützer kommen sogar auf weit höhere Zahlen, von rund 300 ist die Rede.

Die Zündschloss-Affäre vermasselt nicht nur der neuen GM-Chefin Mary Barra, die den US-Autobauer seit nunmehr 99 Tagen führt, den Start, sondern frisst auch beinahe den gesamten Quartalsgewinn auf: Wegen der Reparatur-Kosten von rund 1,3 Milliarden Dollar blieb im ersten Quartal unterm Strich nur noch ein Mini-Gewinn von 108 Millionen Dollar (78 Millionen Euro) übrig, wie GM am Donnerstag in Detroit mitteilte. Damit fiel das Ergebnis um rund 800 Millionen Dollar geringer aus als im Vorjahresquartal, obwohl der Umsatz von 36,9 auf 37,4 Milliarden Dollar gestiegen ist. Ohne dieses Umsatzwachstum wäre der größte US-Autobauer womöglich in die roten Zahlen gerutscht. Es sei noch zu früh, um weitere Rückstellungen auszuschließen, erklärte Finanzchef Chuck Stevens.

Auch das Europa-Geschäft lastet auch auf dem Ergebnis, hier erzielte GM ein operatives Minus von 284 Millionen Dollar, wovon allerdings 200 Millionen Dollar auf Restrukturierungskosten vor allem für das Aus der Autofertigung zum Jahresende in Bochum zurückzuführen sind. Rechnet man diesen Betrag heraus, steht die Europa-Sparte mit Opel an der Spitze besser da als im Vorjahreszeitraum – damals stand noch ein Verlust von 152 Millionen Dollar in den Büchern.

Das eigentliche Geschäft sei gut gelaufen, versicherte Firmenchefin Barra. Branchenexperten hatten im Vorfeld wegen der Rückrufkosten selbst einen Verlust nicht ausgeschlossen. Entsprechend stieg die Aktie am Donnerstag vorbörslich um 2 Prozent.

Nach wie vor steht der Vorwurf im Raum, Verantwortliche bei GM hätten bereits vor Jahren von dem Zündschloss-Problem gewusst und es seitdem systematisch verschwiegen. „Ich denke, dass es zu lange gedauert hat“, sagte Barra kürzlich bei einem Auftritt am Rande der Automesse von New York. „Aber als wir es bemerkt haben, haben wir es angepackt.“ Anpacken hieß in diesem Fall nicht nur den Rückruf der 2,6 Millionen Autos, sondern auch eine personelle Neuaufstellung einzuleiten: Zwei Ingenieure wurden beurlaubt und mehrere Posten von Topmanagern neu besetzt. Auch der langjährige Chef der Konstruktionssparte, John Calabrese, musste seinen Hut nehmen, seine Abteilung wird in zwei neue aufgespalten. „Ich bin überzeugt, dass das Team von dem Rückruf lernen und GM ein besseres Unternehmen werden wird“, sagte Barra.

Droht GM ein Debakel wie Toyota?

Bei einem Rückruf dieser Größenordnung werden Erinnerungen an Toyota wach: Die Japaner mussten zwischen 2009 und 2011 rund zwölf Millionen Autos weltweit zurückrufen, nachdem Probleme mit klemmenden Gaspedalen mehrere tödliche Unfällen verursacht hatten. Toyota erklärte damals nach einer längeren Ursachenforschung, dass sich rutschende Fußmatten mit den Pedalen verhaken könnten und der Fehler behoben sei. Dabei verschwieg der Autobauer der Öffentlichkeit und den Behörden aber, dass auch bei den Gaspedalen selbst ein Produktionsfehler festgestellt wurde.

Erst nach und nach räumte Toyota das ganze Ausmaß der Probleme ein. Im Februar 2014 einigte sich der japanische Autobauer mit der US-Justiz auf einen Vergleich und die Zahlung von 1,2 Milliarden Dollar (860 Millionen Euro), um Strafverfahren zu entgehen.

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  • ja bei der Qualitätssicherung der Industrie, da könnte sich die Medizin mal ein Beispiel nehmen.
    19000 unnötige Todesfälle pro Jahr nur in Deutschland!!! wo ist da die Berichterstattung, liebes Handelsblatt?

  • Eigentlich ist die Aussage von Mary Barra doch ein Witz. Man habe sofort Massnahmen ergriffen, als das Problem im Januar bekannt wurde. Mary Barra war jahrelang, bis zur Ernennung im Januar 2014 zum CEO von GM, verantwortlich für die gesamte Produktentwicklung. Und John Calabrese, der jetzt deshalb gehen musste, berichtete direkt an Mary Barra. Und sie wusste nichts?? Das ist einfach nicht zu glauben. Was qualifiziert sie dann für den jetzigen Job? Sie ist wohl nicht der neue Star in GM Topmanagement, sondern eher eine verglühende Sternschnuppe.

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