Opel
Opel: Magna legt mehr Bargeld drauf

Der Autozulieferer Magna erhöht seinen Einsatz beim Poker um die Übernahme von Opel - und zwar mit Bargeld. Sollte Magna bei Opel zum Zuge kommen, will der Zulieferer 350 Millionen Euro springen lassen. Das ist offenbar eine Reaktion auf Kritik der Regierung. GM sagte am Abend, es gebe keine Präferenz für einen der beiden Bieter.

HB BERLIN. Der kanadische Zulieferer Magna hat sein Übernahmeangebot für den Autobauer Opel nachgebessert. Das von der Bundesregierung in dem Zweikampf um Opel favorisierte Unternehmen will nach einem Einstieg von Beginn an mehr eigenes Geld als bisher geplant investieren. "Magna bietet nun sofort 350 Mio. Euro Eigenkapital", sagte eine mit den Verhandlungen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag. Zudem sei von Magna eine Anleihe von 150 Mio. Euro geplant, die in der Folge in Eigenkapital bei Opel gewandelt werden soll. Zunächst hatte der Autozulieferer ein deutlich geringeres finanzielles Eigenrisiko von 100 Mio. Euro geplant.

Offenbar reagiert Magna nun auf die Kritik der Politik an zu geringem Eigenrisiko bei allen Bietern. Neben Magna ist noch der Finanzinvestor RHJ im Rennen. Die Bundesregierung hatte von Anfang an den Umfang der Eigenmittel, mit denen die Bieter ins Risiko gehen wollten, als ein Kriterium für ihr Vertrauen in die Zukunft des Autobauers gewertet. "Das war ein wesentlicher Punkt in den Gesprächen mit der Politik", sagte eine zweite mit der Situation vertraute Person. "Mit 350 Mio. Euro Eigenkapital sieht die Welt schon anders aus."

Am Gesamtumfang des Magna-Angebots von rund 500 Mio. Euro Eigenkapital ändert sich mit der Aufbesserung nichts. Ursprünglich sollte diese Eigenmittel-Summe aber erst im Laufe der Zeit nach und nach durch den Wandel von Kreditmitteln in Eigenkapital erreicht werden. Von daher stellt der Schritt des kanadischen Konzerns vor allem ein Signal dar, um Vertrauen in das Projekt Opel zu demonstrieren. Zugleich will er damit vermutlich seine Position gegenüber dem Konkurrenten RHJ verbessern, der mit rund 275 Mio. Euro Eigenkapital plant. Dieser sieht sich Finanzkreisen zufolge aber nicht unter Zugzwang, sein Angebot ebenfalls nachzubessern.

Der Bieterwettlauf um Opel zwischen Magna und RHJ bleibt unterdessen weiterhin offen. Während die frühere Opel-Mutter GM Verhandlungskreisen zufolge weiterhin RHJ bevorzugt, setzt die Bundesregierung und mit ihr die Bundesländer mit Opel-Standorten unverändert auf Magna. GM und die Regierung müssen aber einen Konsens herstellen.

Der US-Konzern hat sich aber noch nicht für einen der beiden Interessenten festgelegt, wie GM-Verhandlungsführer John Smith in einem Weblog betonte. Allerdings enthalte das Gebot von Magna einige Punkte zum Thema geistiges Eigentum und dem russischen Markt, die nicht umgesetzt werden könnten. Das RHJ-Gebot wäre dagegen einfacher zu implementieren und würde auch eine geringere finanzielle Beteiligung der Regierung erfordern. Daher sei das Gebot des Finanzinvestors eine "vernünftige und gangbare Option", die in Betracht gezogen werde, während weiter an den Verhandlungen mit Magna gearbeitet werde. GM ist der Verkäufer von Opel, während vom deutschen Staat Milliardenhilfen kommen sollen, um Opel unter der Regie eines neuen Großaktionärs den Weg in eine sichere Zukunft zu ebnen.

Gespräche laufen derzeit auf allen Ebenen, wobei die Bundesregierung bestrebt ist, auch über kurzfristige Kontakte zur US-Regierung, die bei GM derzeit die Rolle des Hauptaktionärs spielt, die aktuelle Patt-Situation aufzulösen. Der Chef der russischen Sberbank, mit der Magna zusammen das Opel-Engagement eingehen will, German Gref, sagte, er rechne mit einer Entscheidung über den Investor in dieser oder der nächsten Woche. In Verhandlungskreisen wird aber inzwischen durchaus für möglich gehalten, dass die Gespräche noch bis Mitte August andauern könnten.

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