Opel
Polen kämpft für Werk in Gliwice

Polens Regierung kämpft um den Erhalt der Opel-Standorte im Land. Dazu will Wirtschaftsminister Waldemar Pawlak heute in St. Petersburg am Rande des Russland-Wirtschaftsforums bei German Gref, dem Chef der staatlich kontrollierten Sberbank, eine Zusage über den Erhalt der drei polnischen Opel-Produktionsstätten erhalten.

BERLIN. Die Sberbank war mit dem österreichisch-kanadischen Kfz-Zulieferer Magna und dem russischen Autohersteller Gaz bei Opel eingestiegen. Dabei hieß es aus russischen und deutschen Regierungskreisen und im Russland-Geschäft engagierten Firmen, weder Gaz noch Sberbank seien an einer Opel-Beteiligung interessiert gewesen, aber auf Druck von Premierminister Wladimir Putin auf den Deal eingegangen.

In Polen wird ebenfalls Russland als treibende Kraft hinter dem Opel-Magna-Deal gesehen. Neben einem Montagewerk in Gliwice (Gleiwitz) hat General Motors (GM) in Polen zwei Motorenwerke (unter anderem ein Joint Venture von GM und Fiat sowie eine Dieselmotoren-Fabrik von GM/Isuzu), die für die Marke mit dem Blitz arbeiten. Im vorigen Jahr sind in Polen nach GM-Angaben 171 523 Opel-Wagen vom Band gelaufen, zumeist Modelle des Familien-Vans Zafira.

Vor der Reise von Wirtschaftsminister Pawlak nach Russland war in Warschau ein heftiger politischer Streit um die Zukunft der Opel-Fertigung im Land entbrannt: Die national-konservative Opposition von Präsident Lech Kaczynski hatte dem bürgerlichen Premier Donald Tusk vorgeworfen, als einziger Regierungschef aus einem Land mit Opel-Standorten nichts für den Erhalt dieser Werke zu tun. Tusk hatte direkt nach der Einigung in Berlin die Parole "keine Panik" ausgegeben. Allerdings sieht Warschau im neuen Opel-Verbund nicht GM oder Magna am Ruder, sondern die russischen Investoren: Polnische Medien hatten den Magna-Opel-Deal zuvor als "Russen-Expansion mit deutschem Staatsgeld" kritisiert.

Deshalb wächst die Sorge, dass die polnischen Arbeitskräfte, die bereits um rund zwei Drittel niedrigere Löhne als ihre deutschen Kollegen erhalten, durch eine Weiterverlagerung der Werke ins noch billigere Russland ihre Jobs verlieren könnten. Zudem wird befürchtet, dass die unlängst beschlossene Entscheidung, künftig auch die vierte Generation des Opel Astra im erst 1998 gebauten Werk in Gliwice zu montieren, zugunsten deutscher Jobs kassiert werden könnte.

Laut GM Polska arbeitet die Gliwiceraner Fabrik derzeit "alles andere als normal: mal den ganzen Tag, mal nur einen halben", sagte ein Sprecher. Die Werksleitung habe bei der Regierung schon nach erleichterten Kündigungsmöglichkeiten gefragt. Auch in anderen osteuropäischen Staaten - wie Ungarn mit einem Opel-Getriebewerk - wächst die Sorge vor Arbeitsplatzabbau zu Gunsten deutscher Standorte.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
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