Opel-Sanierung
GM-Chef Henderson ganz kleinlaut

GM-Chef Fritz Henderson hat seinen Deutschland-Besuch genutzt, um auf die Bundesregierung und die Arbeitnehmer zuzugehen. Er entschuldigte sich ausdrücklich für das chaotische Verfahren und nahm eine an die Arbeitnehmer gerichtete Drohung mit Insolvenz von Opel zurück. Zudem will er Regierungen und Arbeitnehmer in den Sanierungsplan einbeziehen.
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RÜSSELSHEIM. Um die Arbeitnehmer einzubeziehen, brauche General Motors für die Ausarbeitung eines eigenen Sanierungsplans länger als bisher gedacht. "Es wird noch Wochen dauern, bis wir ein Restrukturierungskonzept vorlegen werden", sagte GM-Boss Henderson in Rüsselsheim. Erst werde der Konzern mit den Mitarbeitern über seine Pläne sprechen, um anschließend mit den beteiligten europäischen Regierungen zu reden. Dies solle noch bis Jahresende passieren.

Auch bei der Suche nach einem neuen Opel-Chef erwarten die Amerikaner keine raschen Erfolge. Die Suche werde wohl eher mehrere Monate dauern statt Wochen, sagte Henderson. Der neue Manager solle aus Europa kommen und müsse einen Sinn für "Abenteuer" haben - aber nicht notwendigerweise aus der Autobranche kommen. Als Zwischenlösung hatte GM am Dienstag Nick Reilly als kommissarischen Leiter des Opel-Vauxhall-Geschäfts in Europa eingesetzt. Der bisherige Europachef Carl-Peter Forster wechselt zum indischen Autobauer Tata.

Merkel kritisiert GM

In einem Interview mit der ARD-Sendung "Tagesthemen" sagte Henderson über den Verlauf des Rettungsverfahrens: "Das bedauern wir zutiefst. Es war nicht die Absicht, jemanden zu überraschen, obwohl wir wissen, dass wir das doch getan haben." Zuvor hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer Regierungserklärung GM kritisiert: "General Motors war über Monate hinweg nicht in der Lage, seiner Verantwortung als Mutterkonzern von Opel auch nur annähernd gerecht zu werden", sagte die Kanzlerin. Der Konzern hatte einen geplanten Verkauf von Opel an den Zulieferer Magna und der russische Sberbank kurzfristig abgesagt. Merkel sagte, Bund und Länder seien zwar grundsätzlich bereit, alles Notwendige für die vier deutschen Opel-Werke zu tun, sagte Merkel. Eine Lösung könne aber nur gelingen, "wenn General Motors den Hauptanteil der Restrukturierung mit eigenen Mitteln trägt".

GM will sich um weitere Hilfen auch in anderen europäischen Ländern mit Opel-Standorten bemühen und bis Ende November auch die noch verbliebenen 600 Mio. Euro aus dem staatlichen Überbrückungskredit zurückzahlen. "Das Ziel ist jetzt nicht, Regierungen gegeneinander auszuspielen", versprach

Eine Insolvenz sei nicht notwendig und auch nicht wahrscheinlich. Henderson nannte jedoch keine Details des neuen Sanierungskonzepts. Er bekräftigte lediglich, dass die bisherigen Pläne die Streichung von annähernd 10 000 Stellen in Europa vorsähen und rund drei Mrd. Euro Finanzhilfen nötig machten. Die GM-Konzepte für Opel aus dem Sommer dieses Jahres, die eine Streichung von bis zu drei Werken vorgesehen hatten, nannte Henderson dagegen nicht mehr aktuell.

Opel soll selbstständiger werden

GM versprach Opel in Zukunft eine größere operative Unabhängigkeit von Detroit. "Wir brauchen ein starkes Managementteam für Opel", das mehr Verantwortung übernehmen werde, sagte Henderson.Einem Vorstoß des Betriebsrats zur Umwandlung in eine Aktiengesellschaft nahm der GM-Boss skeptisch auf. Offen zeigte sich Henderson dagegen dafür, die Marke Opel auch für Märkte außerhalb Europas zu öffnen.

Weiterer Ärger droht GM durch die gescheiterten Bieter Magna und Sberbank. Magna-Chef Siegfried Wolf fordert von den Amerikanern am Dienstag bereits investiertes Geld zurück. Dabei gehe es um rund 100 Mio. Euro, berichtete der ORF unter Berufung auf Kreise. Hintergrund sei, dass Magna für GM ein Opel-Rettungskonzept erarbeitet habe. Die russische Sberbank, die Teil des Magna-Konsortiums war, schließt Rechtsmittel nicht aus.

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