Opel-Übernahme
Opelaner und Magna ringen um Antwerpen

Das Opel-Werk in Antwerpen steht mit der Übernahme des Autobauers durch Magna auf der Kippe - oder doch nicht? Für den Betriebsrat ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Und heute wollen Tausende von Opelanern aus ganz Europa vor den Werkstoren für Antwerpen Flagge zeigen.

FRANKFURT. Das Opel-Werk im belgischen Antwerpen wird möglicherweise doch nicht geschlossen. Der Vize-Vorsitzende des Betriebsrats von General Motors (GM) in Europa, Rudi Kennis, sagte dem Sender hr-info: "Seit gestern sitzen wir zusammen und Magna hat nicht gesagt, dass das Werk in Antwerpen schließt." Kennis bezog sich auf Verhandlungen des Betriebsrats mit dem österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna. Pläne für eine Änderung der Produktion in Antwerpen würden noch überarbeitet.

Magna hatte angekündigt, bei der Übernahme von Opel würden rund 11 000 Arbeitsplätze gestrichen. Dabei war bisher auch von einer Schließung des Werks in Antwerpen im kommenden Jahr die Rede . Betroffen wären mehr als 2.000 Beschäftigte. Im Werk Antwerpen wird derzeit noch der Opel Astra gebaut.or dem Werk wollen heute tausende Opel-Beschäftigte aus ganz Europa für den Erhalt von Arbeitsplätzen demonstrieren. Der Opel-Gesamtbetriebsrat verhandelt derzeit mit Magna über eine Sanierung des angeschlagenen Autobauers, lehnt dabei aber Werksschließungen ab.

Der Eisenacher Opel-Betriebsratschef Harald Lieske geht von einem geringeren Stellenabbau im Zuge der Übernahme durch den Zulieferer Magna aus als bislang angekündigt. Er sei sich absolut sicher, dass es nach der Magna-Übernahme nicht zur Streichung von 10.500 Arbeitsplätzen kommen werde, sagte Lieske am Mittwoch dem MDR. Die Zahl sei die Maximalforderung des kanadischen Zulieferers, am Ende werde man sich aber irgendwo in der Mitte treffen und damit unter der Marke von 10.000 Stellen landen. Er sei überzeugt, dass "diese Mitte nicht bei 10.000 Beschäftigten liegt", betonte Lieske.

EU-Industriekommissar Günter Verheugen hat eine strikte Prüfung der Übernahme des Automobilbauers Opel durch den Zulieferer Magna durch die EU-Kommission bekräftigt. Eine Lösung könne nur Bestand haben, wenn an die Hilfe des Staates keine politischen Bedingungen wie etwa der Erhalt bestimmter Standorte geknüpft werde, betonte Verheugen am Mittwoch im ZDF. Es könne nicht angehen, dass ein Land eine Lösung zulasten eines anderen finde. "Die Beschäftigten in Antwerpen haben denselben Anspruch auf ihren Arbeitsplatz wie die Beschäftigten an jedem anderen Standort auch", sagte der deutsche SPD-Politiker.

Konkret äußerte sich Verheugen nicht zu der Haltung der Kommission. Vor einer Prüfung der staatlichen Hilfen müsse es zunächst ein endgültiges Konzept geben. Allerdings hätten alle beteiligten europäischen Länder der von Deutschland finanzierten Brückenregelung zugestimmt, mit der ein Abgleiten des Autobauers in den Strudel der Pleite des Mutterkonzerns General Motors verhindert werden sollte. Nun müsse nachgewiesen werden, dass die Beihilfen aus rein wirtschaftlichen Gründen gewährt würden und das Unternehmen dauerhaft am Leben erhalten werden könne.

Der deutschen Politik warf der sozialdemokratische Politiker Augenwischerei vor. Es sei völlig zu unrecht der Eindruck erweckt worden, dass eine Regierung für die Rettung von Arbeitsplätzen zuständig sei, kritisierte Verheugen.

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