Opel-Umbau
Potz-Blitz!

Opel-Chef Karl-Thomas Neumann hat bei der Marke mit dem Blitz den Konflikt mit der Belegschaft entschärft und auch die Muttergesellschaft milde gestimmt. Was ist das Geheimnis von Opels oberstem Diplomaten?
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DüsseldorfZuversicht und Optimismus wollte Karl-Thomas Neumann verbreiten, als er im März seinen Job als Opel-Chef antrat. „Opel ist ein Teil der deutschen Automobil-DNA, und wir werden wieder zu alter Stärke zurückfinden, daran gibt es für mich keinen Zweifel“, schrieb er in einem Brief an die Mitarbeiter. Dabei wären Zweifel bei seinem Amtsantritt durchaus berechtigt gewesen.

Denn gleich zum Start fand sich Karl-Thomas Neumann zwischen den Fronten wieder. Nach einem Verlust von 1,8 Milliarden Dollar (1,3 Milliarden Euro) in Europa war die Geduld des Mutterkonzern General Motors aufgebraucht. Werkschließungen wurden durch die geringen Auslastung von 50 Prozent immer wahrscheinlicher, und drohten das Verhältnis zur eigenen Belegschaft endgültig zu zerstören. Als Neumanns Vorgänger Thomas Sedran das Ende der Zafira-Produktion in Bochum verkündete, konnte er die Betriebsversammlung nur durch die Hintertür verlassen - unter dem Schutz des Sicherheitsdienstes.

In den ersten Monaten glich Neumanns Job daher eher dem eines Diplomaten als dem eines Automanagers. Seine Mission: Die Gewerkschaften hinter den Sanierungskurs bringen, ohne die US-Mutter zu verärgern und das angeschlagene Image der Marke bei den Kunden weiter zu ramponieren. Bisher ist ihm dieser Spagat gelungen.

Gemeinsam mit Aufsichtsratschef Steve Girsky, dem Statthalter von General Motors in Europa, hat Neumann in Detroit um Geduld geworden. Mit einem Plan, der Opel zurück in die schwarzen Zahlen führen soll. Der Automanager arbeitet hinter den Kulissen akribisch, um GM zu demonstrieren, dass er Opel wieder rentabel machen kann. Das beginnt bei der Entwicklung.

23 neue Automodelle will Opel in den fünf Jahren auf den Markt bringen. Mit komplett neu entwickelten Motoren will Opel die Konkurrenz auch technisch wieder überholen. Ein 1,6-Liter-Benzin- und ein 1,6-Liter-Dieselmotor, die derzeit im ungarischen Szentgottard produziert werden, sollen die Vorboten einer neuen Motorengeneration sein. Bis 2016 sollen drei komplett neue Motorenfamilien und drei neue Getriebe folgen.  

Auch bei der Modellentwicklung baut Neumann um. Der erfolgreiche Kleinwagen Adam soll zur Modellfamilie ausgebaut werden, sagte er zuletzt der WirtschaftsWoche. Die Entwicklung des Familienvans Zafira stellte Neumann kurz nach seinem Antritt komplett auf den Kopf. Er will das Auto nur rentabel bauen. Trotzdem verliert er dabei das Interesse der Gewerkschaft nicht aus dem Blick. Gerüchte, dass der Van künftig von Kooperationspartner Peugeot gebaut werden könnte, erteilte der Opel-Chef aber zuletzt eine Absage. Der Zafira werde weiterhin in Deutschland entwickelt.

Eine Ansage, die als weiteres Friedensangebot an die Gewerkschaften verstanden werden kann. Auch die Produktion des SUVs Mokka, der bisher in Südkorea gebaut wird, hat Neumann zurück nach Europa geholt – wie es die Gewerkschaften gefordert hatten. Ab 2014 soll der Mokka im spanischen Saragossa produziert werden. Davon könnten auch die Kunden profitieren. Nicht wenige mussten zuletzt Monate auf den Mokka warten, weil er so beliebt war.

Das neue Selbstbewusstsein der Opelaner will Neumann auch auf der wichtigsten Automesse des Jahres, der IAA in Frankfurt, zur Schau tragen. Dort soll der Monza Concept seine Premiere feiern. Der Sportwagen mit Hinterradantrieb ist eine Referenz an das legendäre Opel-Modell, das zwischen 1978 und 1986 gebaut wurde.

Kommentare zu " Opel-Umbau: Potz-Blitz!"

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  • Das Herr Neumann so viel Energie in Opel reinsteckt und hoffentlich damit erfolg hat, find ich toll. Nur eines bekommt man so nicht aus den Köpfen der Leute. So blöd wie es klingt, mit GM im Rücken hat Opel sein Image eines qualitativ hochwertig deutschen Autos ein wenig verloren. Besonders wenn man die Sachen sieht wo mit anderen Autoherstellern versucht wird ein Auto auf die Beine zu Stellen. (Dreiergruppe: Opel-Renault-Nissan und dann ist ja wieder was mit Peugeot oder so im Gespräch). Ich mein es gib Automodelle die bei diesen Herstellern ein und die selben sind, da bleibt es doch gleich wo ich mein Auto kaufe.

  • Dieser feine Herr Neumann sollte lieber dafür Sorge tragen das er Kunden ,auch mit Sozialer Gerechtigkeit zurück gewinnt.
    Tausende von Betriebsrentnern haben seit Jahren keine Betriebsrentenerhöhung bekommen,ein kleiner erlauchter Kreis aber doch !!!

  • Als Bochumer frage ich mich grade, wo dieser Mann Konflikte zwischen der Belegschaft und der Konzernleitung gelöst hat. Bis jetzt steht immer noch die Entscheidung,das Bochum geschlossen wird und die Belegschaft hängt im Moment total in der Luft.

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