Opel-Verkauf an Peugeot Aufatmen bei den Opelanern

Der Opel-Verkauf hat bei vielen Mitarbeitern Ängste geweckt. Doch der Betriebsratschef beruhigt nun: Käufer Peugeot wolle Mitbestimmung, Tarifverträge und die Auslastungszusagen nicht antasten.
Update: 06.04.2017 - 16:51 Uhr Kommentieren
Die Beschäftigten wurden am Donnerstag darüber informiert, wie es nach der Übernahme weitergehen soll. Quelle: dpa
Opel-Standort Rüsselsheim

Die Beschäftigten wurden am Donnerstag darüber informiert, wie es nach der Übernahme weitergehen soll.

(Foto: dpa)

RüsselsheimDer Betriebsrat von Opel ist Ängsten in der Belegschaft vor einem Arbeitsplatzabbau im Zuge der Übernahme durch den französischen PSA-Konzern entgegengetreten. Die Beschäftigten könnten aufatmen, sagte Betriebsratsschef Wolfgang Schäfer-Klug am Donnerstag in Rüsselsheim. Bei zeitgleichen Betriebsversammlungen an allen deutschen Opel-Standorten wurden die Mitarbeiter über die geplante Neuorganisation des Traditionsunternehmens informiert.

Die Vereinbarungen zum Fortbestand von Mitbestimmung, Tarifverträgen und Auslastungszusagen garantieren ihm zufolge, dass die Franzosen diese beibehalten. Die Standorte in Deutschland wären damit bis weit nach 2020 ausgelastet. „Wir gehen mit viel Arbeit rüber, wir haben eine gute Verhandlungsposition“, sagte Schäfer-Klug.

Entscheidend dabei sei, dass es nicht nur einen bloßen Anteilsverkauf von der bisherigen Opel-Mutter General Motors an den Peugeot-Hersteller PSA gebe, sondern einen Betriebsübergang nach deutschem Recht. Dieser verschafft den aktuell Beschäftigten einen weitgehenden Bestandsschutz.

Opel trifft unterdessen Vorbereitungen für die Übernahme durch PSA. In einem ersten Schritt wird die Adam Opel AG in eine GmbH umgewandelt. Am Ende sollen alle Geschäftsaktivitäten von Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall in einer Gesellschaft zusammengefasst werden. Umgesetzt werden soll das im Laufe des zweiten Quartals des laufenden Jahres.

Der Autobauer bestätigte seine Zusagen für die deutschen Werke: In Eisenach soll von 2019 an der Nachfolger des Mokka X produziert werden. In Rüsselsheim soll in einigen Jahren ein großer SUV vom Band laufen. Auch alle weiteren Vereinbarungen sollen nach einer Integration von Opel/Vauxhall in den PSA-Konzern Bestand haben. Demnach sind betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2018 ausgeschlossen, Investitionszusagen gelten bis 2020.

Dass PSA diese Garantien einhalten wird, hatte PSA-Chef Carlos Tavares bereits am Mittwoch bei einem Treffen in Berlin der Bundesregierung und den Ministerpräsidenten der Bundesländer mit Opel-Werken (Hessen/Rüsselsheim, Rheinland-Pfalz/Kaiserslautern, Thüringen/Erfurt) zugesichert. Wie ist danach weitergeht, ist offen.

Diese Manager saßen bei Opel am Steuer
Michael Lohscheller
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Der bisherige Finanzchef Michael Lohscheller ist neuer Chef von Opel. Er gehört seit September 2012 dem Opel-Vorstand an und ist seit dem 1. Juli 2014 Finanzvorstand und Geschäftsführer Finanzen der Opel Group. Der Diplom-Kaufmann sammelte schon vor seiner Zeit bei Opel über viele Jahre Erfahrungen in der Automobilbranche: Lohscheller arbeitete bei Daimler, Mitsubishi und Volkswagen. Der 48-Jährige ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Karl-Thomas Neumann
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Lohscheller folgt auf Neumann, der überraschend zurückgetreten war. Der gebürtige Niedersachse (Jahrgang 1961) studierte Elektrotechnik in Dortmund und Duisburg. Zunächst arbeitete er bei Motorola, 1999 wechselte er dann zu VW. Von 2004 bis 2009 war er für den Automobilzulieferer Continental tätig. Danach ging Neumann 2009 zurück zu Volkswagen. Seit März 2013 war er Opel-Chef.

Neumann nimmt Abschied
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Im Juni 2017 trat Neumann ist von seinem Amt als Sprecher der Geschäftsführung zurück. Jetzt wird erneut über ein Comeback bei VW spekuliert.

Thomas Sedran
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Neumanns Vorgänger an der Opel-Spitze hieß Thomas Sedran. Er war von Juli 2012 bis Februar 2013 übergangsweise Opel-Chef. Später stand er der dem Mutterkonzern General Motors in Europa vor. 2015 verließ er GM. Im Zuge der VW-Abgasaffäre wurde er als neuer Chefstratege in Wolfsburg engagiert.

Karl-Friedrich Stracke
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Der Ingenieur war zunächst für die Opel-Werke in Bochum und Rüsselsheim zuständig. Ab 2004 leitete er den Europa-Bereich von General Motors. Von April 2011 bis Juli 2012 war er dann Opel-Vorstandsvorsitzender. Nachdem er den Autokonzern nicht zurück in die Gewinnzone führen konnte, trat er 2012 zurück.

„Nick“ Reilly
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David Nicholas „Nick“ Reilly heuerte 1975 bei General Motors an. Zum Jahreswechsel 2001/02 wurde er als Sanierer Vorsitzender des Übergangsvorstand bei Daewoo, das nach der Übernahme als GM Daewoo firmierte. Von 2006 bis 2009 war er Vizepräsident der GM-Gruppe und Präsident der General Motors Asia-Pacific-Group. Zwischen Januar 2010 und April 2011 übernahm er den Opel-Vorstandsvorsitz.

Hans Demant
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Der Maschinenbauer begann Mitte der 1970er-Jahre seine Karriere bei Opel. Zunächst war er in der Produktentwicklung tätig, 2001 wurde er Vize-Vorstandsvorsitzender bei General Motors in Europa. Von Juni 2004 bis zu seinem Rücktritt im Januar 2010 firmierte er als Opel-Chef. Seit Oktober 2010 verantwortet er die Koordination internationaler Projekte bei VW.

„Wir sind einigermaßen entspannt, was die Werke betrifft, weil wir gut ausgelastet sind“, sagte Schäfer-Klug nach der Betriebsversammlung in Rüsselsheim. Zu Befürchtungen, es könnten Werke geschlossen und Stellen abgebaut werden, sagte der Betriebsratschef: „2,2 Milliarden zu zahlen, um Opel abzuwickeln, wäre ein denkbar schlechtes Geschäft.“

Der Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) und PSA Peugeot Citroën hatten sich Anfang März auf den Verkauf der seit Jahren verlustreichen Europatochter geeinigt. Angestrebt ist, das Geschäft bis zum Jahresende abzuschließen. Die Franzosen sollen für das GM-Europageschäft inklusive Vauxhall und der Finanzsparte rund 2,2 Milliarden Euro zahlen. Opel/Vauxhall beschäftigt 38 000 Mitarbeiter in sieben europäischen Ländern, die Hälfte davon in Deutschland.

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