Optimistisch in der Krise
Diehl hält an Rüstungssparte fest

Zunächst hilft die zivile Luftfahrt über Härten hinweg, doch auch langfristig will der Rüstungskonzern Diehl nicht umsteuern. Das Geschäft mit Waffen hat für das Unternehmen immer noch eine Zukuft.
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NürnbergDer Technologie- und Rüstungskonzern Diehl will sich trotz mauer Umsätze nicht von seiner umfangreichen Verteidigungssparte verabschieden. „Wir stehen zur Wehrtechnik in Deutschland“, bekräftigte Firmenchef Thomas Diehl am Dienstag auf der Bilanzpressekonferenz in Nürnberg. Der Anteil an den Einnahmen des Verkaufs von Panzerketten, Geschützmunition oder Lenkraketen werde jedoch von zuletzt einem Sechstel weiter abnehmen, räumte der Miteigentümer ein. Früher stammte jeder dritte Euro aus der Verteidigungssparte. „Ein bisschen Auf und Ab sind wir ja gewöhnt“, sagte Diehl.

Derzeit ist das Wehklagen der Rüstungsbranche über ausbleibende Bundeswehraufträge und schlechte Exportchancen groß. Airbus-Chef Tom Enders hatte sich zuletzt über die rigiden Exportregelungen für Kriegsgerät beschwert und der Bundesregierung öffentlich mit dem Abbau von Arbeitsplätzen in Deutschland gedroht. Der 63-jährige Branchenveteran Diehl gab sich dagegen zuversichtlich: Die Bundesregierung werde aufgrund ihrer Bündnisverpflichtung die Industrie in Deutschland halten wollen.

Das fränkische Familienunternehmen kompensiert das schwache Rüstungsgeschäft mit Aufträgen aus der zivilen Luftfahrt: Diehl liefert die Innenausstattung der Airbus Großflieger A380 und A350 bis hin zur Bordtoilette. Auch Konkurrent Boeing bezieht Ausrüstung für seine Langstreckenmodelle aus Nürnberg. Dank des Auftragsbooms des Großkunden Airbus kletterte der Umsatz im vergangenen Jahr leicht auf 2,08 Milliarden Euro. Der Gewinn sprang um fast 60 Prozent auf gut 48 Millionen Euro. Dennoch zeigte sich der Firmenchef mit der Ertragskraft seines Hauses nicht zufrieden: „Wir müssen besser werden, das ist ganz klar“, sagte er. „Das Ergebnis nach Zinsen und vor Steuern muss deutlich über fünf Prozent betragen“, sagte Diehl und will dieses Ziel innerhalb der nächsten zwei Jahre erreichen. Zuletzt hatte der Wert bei 3,6 Prozent gelegen.

Als Fehlschlag erwies sich der Verkauf des Wechselrichtergeschäfts an den Finanzinvestor Mutares, in dessen Eigentum der Diehl-Ableger im Allgäu pleite ging. „Im Moment haben wir wenig Freude damit“, räumte Diehl ein. Auf der Suche nach Übernahmezielen sei er nicht.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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