Optimistische Führung
Opel schrumpft nach Plan

Die Marke Opel bleibt im Sinkflug, doch der Chef gibt sich weiterhin tapfer. "Opel wird dieses Jahr insgesamt 1,2 bis 1,3 Millionen Autos verkaufen", sagte Opel-Chef Nick Reilly vor Journalisten in Bochum. Dann kam der bittere Teil.
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BOCHUM/MÜNCHEN. "In Deutschland werden wir im Jahr 2010 voraussichtlich einen knappen Prozentpunkt Marktanteil verlieren", klagte Reilly. "Das geht zum Großteil darauf zurück, dass die Kunden nicht wussten, wie es mit uns weitergeht."

Mit der Unsicherheit sollte eigentlich längst Schluss sein. Denn im November 2009 entschied General Motors, die angeschlagene deutsche Tochter selbst weiterzuführen. Seitdem läuft die Sanierung unter der Federführung des Briten Reilly, der neben Opel auch die Marken Chevrolet und Vauxhall für General Motors in Europa führt.

Doch vor allem der Sinkflug von Opel in Deutschland bereitet General Motors weiter Kopfzerbrechen. Das monatelange Hickhack um Staatshilfen hat dem Ansehen der Marke schwer geschadet. Hatte Ende der Siebziger Jahre noch jedes fünfte Auto in Deutschland einen Blitz auf der Haube, so ist der Marktanteil 2010 auf weniger als neun Prozent gesunken. Und das in einem Markt, der im Jahr Eins nach der Abwrackprämie aktuell mit 27 Prozent im Minus liegt. Rückenwind ist nicht in Sicht. "2011 wird der Markt in Europa immer noch schwach sein", glaubt Reilly.

Da hilft nur Sparen. "Die Restrukturierung läuft besser als gedacht, wir sind unserem Plan voraus", sagt der General-Motors-Manager. Europaweit streicht Opel seine Kapazitäten radikal zusammen. Während die Werke in Bochum, Rüsselsheim, Kaiserlsautern und Eisenach mehrere tausend Arbeitsplätze verlieren, wird der Standort im belgischen Antwerpen ganz geschlossen.

Dennoch ist zur Zeit völlig unklar, wann das Traditionsunternehmen wieder schwarze Zahlen schreibt. Für die kommenden zwei Jahre verhageln die Sanierungskosten das Ergebnis. In diesem Jahr rechnet General Motors in Europa mit Verlusten in Höhe von rund 1,4 Milliarden Euro, von denen rund eine Milliarde Sanierungskosten sind. Im kommenden Jahr muss General Motors noch einmal Sanierungskosten von 500 Millionen Euro aufwenden, sodass frühestens 2012 schwarze Zahlen erzielt werden können - wenn der Markt sich wieder erholt.

Opel hofft auf neue Modelle, wie den Minivan Meriva, der gerade in Europa eingeführt wird. Zudem setzt Opel auf die Kleinwagenplattform "Junior", die aber erst 2013 auf den Markt kommt. Auch das Elektroauto Ampera soll Opel ein innovatives und umweltfreundliches Image verleihen. Der Ampera soll bereits 2011 in Europa verkauft werden, doch geht General Motors vorerst von recht bescheidenen Stückzahlen aus. Die ersten Autos kommen aus den USA, später könnte das Auto auch in Europa produziert werden. Für den Imagewandel ist die Gewinnerin des Eurovision Song Contest, Lena Meyer-Landrut, engagiert, die für Opel vor allem jüngere Zielgruppen erschließen soll.

Um langfristig überleben zu können, braucht Opel aber auch Zugang zu Märkten außerhalb Europas. Während Volkswagen das schwache Europageschäft mit hohen Verkäufen in China und Südamerika kompensiert, muss Opel meist anderen Marken im Reich von General Motors den Vortritt lassen.

Dennoch will Reilly Opel diese neuen Absatzmärkte erschließen. "Mein Ziel ist es, 2014 außerhalb von Europa 100 000 Autos zu verkaufen", sagte Reilly. Der Markteintritt in Südamerika, China, Australien und dem Nahen Osten werde derzeit geprüft.

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  • Das Problem, dass Opel hat, ist ein deutsches.

    Europaweit sind die Absatzzahlen deutlich zurückgegangen, aber nur in Deutschland sinkt der Marktanteil. Europaweit ist er konstant, sogar leicht gestiegen.
    Der Absatz von insignia, Astra und Meriva liegt darüberhinaus weit über Soll, Meriva waren 50.000, Astra 180.000 Fahrzeuge für 2010 veranschlagt, iST Astra sind 230.000, Meriva iST 80.000, Stand September.

  • Opel ist tot, es hat ihnen nur noch keiner gesagt. Ständige imageveränderungen, stümperhaftes Marketing sowie jegliches Versäumnis einer Markenpflege rächen sich nun. Selbst wenn GM nun eine Konstanz bei der Markenentwicklung an den Tag legen sollte wird es Jahre dauern, bis erste Erfolge zu sehen sein werden.
    Das Haupt KO Kriterium wird aber sein, daß Opel zu sehr Wert daraf gelegt hat, eine amerikanische Marke zu sein. Der Schritt hat ihnen das Genick gebrochen

  • Und ist der Ruf erst ruiniert...und auch der Verkaufspreis...mal ganz ehrlich; OPEL wird noch ziemlich lange das alte hausbackene image anhaften. Mit Respekt muss ich zwar feststellen, das zwischenzeitlich die Modelle erheblich dynamischer des Weges daher kommen...an OPEL bleibt aber trotzdem das image des " Klorollending auf der Hutablage " heften. Und wer will das schon?

    ich werd auch in den nächsten zehn Jahren keinen OPEL vor der Tür stehen haben.

    GM war in den letzten Jahren einfach zu dämlich für den europäischen Markt und wie wir jetzt auf der Autoshow in den Staaten sehen, haben die auch nicht viel dazugelernt.
    Riesige blechkisten auf Gummibereifung mit V8 und mehr; aber gut....wenn die Amis so weitermachen, passt die Hälfte der bevölkerung auch nicht mehr in einen Mitteklassenwagen rein; man hätte sonst eine durchgehende menschliche Rückenlehne kreiert.

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