Optische Industrie
Der heimliche Motor der deutschen Wirtschaft

Die optische Industrie gehört zu den Hidden Champions der deutschen Wirtschaft. Geboren wurde sie vor 200 Jahren im ostdeutschen Jena. An Bedeutung hat die ostdeutsche Hochburg in all den Jahrzehnten kaum eingebüßt.

Jena/OberkochenAutos, Maschinen, Chemiegüter – sie gelten als Aushängeschilder der deutschen Wirtschaft. Die optische Industrie, die etwa 70 Prozent ihres Jahresumsatzes in Höhe von 31,5 Milliarden Euro auf dem Weltmarkt erzielt, fehlt oft bei der Aufzählung der Industriechampions.

Zu Unrecht, finden Vertreter der Branche, die ihr Geld mit Lasern für Industrie- und Medizintechnik, Messsystemen, Glasfasern für schnelles Internet, Mikroskopen, Sensoren oder LED-Leuchten verdient. Ihren Ursprung hat die optische Industrie in Jena – und genau dort wird am Sonntag an den 200. Geburtstag des Mechanikers und Unternehmers Carl Zeiss (1816-1888) erinnert.

Zeiss eröffnete Mitte des 19. Jahrhunderts in der Thüringer Universitätsstadt eine feinmechanisch-optische Werkstatt und baute die ersten Mikroskope. Er gehörte zusammen mit dem Physiker Ernst Abbe (1840-1905) und dem Chemiker und Glastechniker Otto Schott (1851-1935) zu Deutschlands Industriepionieren.

Sie schufen mit Optik- und Glaswerken in Jena eine Basis der heutigen Milliardenbranche, die nach Angaben des Industrieverbandes Spectaris bundesweit rund 130.000 Menschen beschäftigt. „Insbesondere bei optischen Systemlösungen in der Medizintechnik, Messtechnik und Produktionstechnik verfügen deutsche Unternehmen über mehr als 15 Prozent Weltmarktanteil“, sagt Spectaris-Fachverbandsleiter Wenko Süptitz.

In Jena ist die Bedeutung der Historie gewiss. „Das war eine geniale Konstellation in Jena mit dem Anspruch wissenschaftlich basierter Innovationen, dem wir verpflichtet sind“, sagt der Vorstandschef der Carl Zeiss AG, Michael Kaschke. Der Optik- und Elektronikkonzern mit 4,5 Milliarden Euro Jahresumsatz und 25.000 Beschäftigten hat nach den Wirren des Zweiten Weltkriegs seinen Hauptsitz nicht mehr am Gründungsort Jena, sondern im baden-württembergischen Oberkochen.

Das allerdings soll die Bedeutung der Stadt nicht weiter schmälern. „Jena ist aber der zweitgrößte Zeiss-Standort mit Verantwortung für weltweite Geschäfte“, betont Kaschke. Das gelte für die Mikroskopie, die optische Medizintechnik mit der börsennotierten Carl Zeiss Meditec AG sowie das Planetariumsgeschäft von Zeiss. Die Thüringer Töchter hätten mehr als 2000 Beschäftigte.

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