Osram-Hauptversammlung
Siemens scheitert mit Putschversuch gegen Berlien

Siemens hat im Streit über die Ausrichtung von Osram die offene Konfrontation mit dem Chef gesucht. Der Versuch, Olaf Berlien auf der Hauptversammlung die Entlastung zu verweigern, scheiterte allerdings.

MünchenSiemens ist mit seinem Vorstoß zum Sturz von Osram -Chef Olaf Berlien vorerst gescheitert. Auf der Hauptversammlung am Dienstag sprachen sich gut 70,68 Prozent der Stimmen für eine Entlastung des seit rund einem Jahr amtierenden Managers aus.

Der Osram-Aufsichtsrat stellte sich nach der Versammlung demonstrativ hinter Berlien. „Die Umsetzung der Strategie ist im Sinne des Unternehmens, seiner Mitarbeiter und seiner Kunden. Sie ist aus Sicht des Aufsichtsrats alternativlos für eine nachhaltige Zukunft des Unternehmens“, sagte Aufsichtsratschef Peter Bauer.

Ein Siemens-Vertreter hatte zuvor angekündigt, wegen Meinungsverschiedenheiten über die Neuausrichtung des Leuchtmittel-Herstellers, Berlien die symbolisch wichtige Entlastung zu verweigern. Berlien habe mit seinem Strategiewechsel Börsenwert vernichtet und das Risikoprofil des Licht-Konzerns deutlich erhöht, sagte Siemens-Vertreter Christian Bleiweiß auf der Aktionärsversammlung in München. Der Bau einer weiteren LED-Fabrik in Malaysia ergebe ein beträchtliches Klumpenrisiko. Die strategische Hinführung der Investoren auf den Strategiewechsel und die Ankündigung seien mangelhaft gewesen.

Vorstandschef Berlien habe den Konzern nicht mit der notwendigen Vorsicht und Umsicht gelenkt. „Siemens wird gegen die Entlastung von Herrn Dr. Berlien stimmen“, kündigte Bleiweiß an. Siemens hält nach eigenen Angaben noch 17,5 Prozent an Osram, die Mehrheit an der Tochter hat Siemens 2013 an die eigenen Aktionäre verschenkt. Rund 60 Prozent der Stimmen waren auf der Hauptversammlung vertreten, Siemens alleine kam damit auf einen Anteil von knapp einem Drittel. Eine verweigerte Entlastung Berliens hätte rechtlich keine Folgen gehabt, wäre aber ein massiver Reputationsschaden gewesen.

Vor dem Siemens-Vertreter hatten mehrere Fonds und Aktionärsvereinigungen erklärt, sie wollten den Vorstand trotz des Kurssturzes vom Herbst und der umstrittenen neuen Strategie entlasten. Die Vertreterin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Daniela Bergdolt, kritisierte, Berlien habe einen „strategischen Salto mortale“ locker nebenbei verkündet und durch dieses „Kommunikationsdesaster“ die Aktie im November um ein Drittel abstürzen lassen. Aber: „Wir brauchen LED, wir brauchen diesen Bereich, aus meiner Sicht war das eine richtige Entscheidung.“

Deutsche-Bank-Fondsmanager Tim Albrecht lobte: „Heute befindet sich Osram in einer blendenden Verfassung.“ Die Halbleitersparte mache glänzende Profite, der Konzern sei schuldenfrei und der Aktienkurs habe sich besser entwickelt als der MDax. Ob der überraschende Gang aus der Nische richtig sei, „ob es sich um Mut oder Übermut handelt, wird die Zukunft zeigen“. Gut sei, dass Osram aus einer Position der Stärke handle.

Berlien hatte zuvor den Strategiewechsel des Lampenherstellers auf der Hauptversammlung verteidigt. Bei Autolampen sei Osram klar Weltmarktführer – aber sich darauf auszuruhen, hätte die Zukunft des Konzerns in Frage gestellt. Osram werde durch den Bau der LED-Fabrik neue Wachstumspotenziale erschließen. Osrams hochwertige LEDs für Autolampen und die Industrie würden immer schneller von den billigeren Massen-LEDs verdrängt, deshalb müsse das Unternehmen auch dort mitspielen. „Nur wer sich in der dramatisch wandelnden Lichtindustrie konsequent, mutig und schnell bewegt, kann unternehmerisch gewinnen“, sagte der Vorstandschef.

Die Abspaltung des traditionellen Lampen- und Leuchtröhrengeschäfts mit inzwischen nur noch 9500 Mitarbeitern laufe auf Hochtouren, sagte Berlien. Er will die Sparte demnächst verkaufen. Der Einstieg in die Fertigung von LEDs für den Massenmarkt war von Siemens und anderen Investoren hart kritisiert worden. Die Osram-Aktie war im November um ein Drittel eingebrochen, hat sich aber seither erholt.

Berlien hatte sich im Vorfeld der Hauptversammlung betont sorglos gegeben. „Heute ist ein schöner Tag, draußen scheint die Sonne“, sagte er vor Reportern. Die Wolkendecke über München ist seit dem Morgen lückenlos geschlossen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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