Ostdeutsche Chemieunternehmen brauchen noch einmal eine gewaltige Investitionssumme
Chemieindustrie: Mit fünf Milliarden aus dem Schneider

Nach Jahren des Niedergangs erreicht die Chemieindustrie in Ostdeutschland in diesem Jahr erstmals wieder das Umsatzvolumen aus der Zeit vor der Wende. Mit gewaltigem Aufwand haben die Unternehmen der Branche traditionelle Produktionsstandorte saniert.

BERLIN. Einmal tief Luft holen: Die (Umsatz-) Wende ist geschafft. Die ostdeutsche Chemieindustrie wird in diesem Jahr – fünfzehn Jahre nach dem Mauerfall und einem dramatischen Strukturwandel – wieder jenen Umsatz erreichen, den die volkseigene Chemie vor dem Zusammenbruch der DDR hatte. Die Chemieverbände Nordost, die Interessenvertretung der Branche in den fünf neuen Bundesländern und Berlin, haben nachgerechnet und die 1989 erstellte Menge (ohne West-Berlin) zu Westpreisen mit 10,3 Milliarden Euro bewertet. Der erwartete Umsatz für dieses Jahr: 10,5 bis 10,8 Mrd. Euro. Tiefpunkt der ostdeutschen Chemie war das Jahr 1993 mit einem Umsatz von 3,4 Mrd. Euro.

Diese positive Entwicklung – nur möglich mit öffentlichen Fördermitteln – bedurfte Investitionen von rund 15 Mrd. Euro (ohne West-Berlin). Zu den Ausgaben für die Beseitigung alter und maroder sowie dem Bau moderner Produktionsanlagen samt einer neuen Infrastruktur kommen die nicht in der amtlichen Chemiestatistik erfassten Investitionen für die ostdeutschen Raffinerien hinzu, für die seit der Wende zusätzlich 3,5 Mrd. Euro ausgegeben worden sind.

Mit einem Umsatzplus von 14,5 Prozent im ersten Halbjahr 2005 zeigt die ostdeutsche Chemie inzwischen, dass sie etwa doppelt so gut wächst wie das verarbeitende Gewerbe mit 7,2 Prozent. Die Jahresumsätze steigen seit 1997 kontinuierlich – womit sich die ostdeutsche Chemieindustrie selbst als Erfolgsbranche bezeichnet.

Aber es fehlt noch das glückliche Ende. „Wir haben noch nicht die kritische Masse erreicht, die zu einer sich selbst tragenden Entwicklung führt“, macht Rolf Siegert, Hauptgeschäftsführer der Chemieverbände Nordost, deutlich. „Nach unseren Schätzungen brauchen wir dazu noch einmal etwa fünf Milliarden Euro an Investitionen.“ Dann glaubt die Ostchemie, endgültig auf weitere Förderungen verzichten zu können. Damit könnte beispielsweise ein zweiter großer Cracker am Dow-Standort in Böhlen (Sachsen) gebaut werden, was eine bessere Rohstoffversorgung und weitere Folgeinvestitionen bedeuten würde. Ein Cracker verarbeitet Rohöl zu Vorprodukten für die Chemie.

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