Ostdeutsche Weltmarktführer
Was die Ausnahmefirmen auszeichnet

Für das Entstehen von umsatzstarken Weltmarktführern in Ostdeutschland mussten bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, sagt Bernd Venohr. Im Interview spricht der Wirtschaftsprofessor und Unternehmensberater über Erfolgsrezepte, Fehler der Politik und die Achillesferse der ostdeutschen Wirtschaft.
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Handelsblatt Online: Herr Venohr, was sind die Kennzeichen der ostdeutschen Unternehmen, die in der Weltspitze mithalten können?

Bernd Venohr: Meist sind das Unternehmen, die sich auf Marktnischen konzentrieren und diese global mit qualitativ hochwertigen und sehr innovativen Produkten bedienen, so wie auch in Westdeutschland.

Warum stammen vergleichsweise so wenige Weltmarktführer aus den neuen Bundesländern?

Der Aufbau eines Unternehmens, das in der Weltspitze mitmischt, ist in vielen Branchen eine Generationenaufgabe. Die Unternehmen aus den neuen Bundesländern, die es geschafft haben, sind Ausnahmeerscheinungen. Der riesige historische Rückstand im Vergleich zu Westdeutschland war innerhalb von 20 Jahren nicht aufzuholen. Man sollte aber fairerweise die zahlreichen Mittelständler in den neuen Bundesländern nicht vergessen, die es noch nicht an die Weltspitze geschafft haben oder die nur lokale Märkte bedienen, dies aber sehr erfolgreich tun. Nicht zuletzt gibt es auch zahlreiche Weltklasse-Werke westdeutscher Unternehmen und ausländischer Investoren in den neuen Bundesländern.

Es gibt aber auch Unternehmen, die Umsätze im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich machen, etwa Q-Cells oder Roth&Rau.

Unternehmen dieser Größenordnung konnten meist nur in Branchen entstehen, die von starker staatlicher Förderung profitiert haben, wie etwa die Solarbranche. Zahlreiche Photovoltaik-Hersteller sind aber jetzt in Turbulenzen. Das liegt vor allem auch an aggressiven Wettbewerbern aus China, die oft mit enormer staatlicher Unterstützung deutsche Rivalen in Bedrängnis bringen. Jetzt haben wir einen interessanten Testfall für das ostdeutsche Erfolgsmodell Photovoltaik. Notwendig ist das Schaffen nachhaltiger Strukturen für Innovationsführerschaft. Nur so ist die nächste Entwicklungsstufe zu erreichen.

Gibt es andere Bereiche, in denen der weltweite Subventionswettlauf ein ähnliches Stadium erreicht hat?

Auch der Mikroelektronik-Standort Dresden kämpft mit derartigen Problemen. Das zeigt die Risiken, Geld auf Boombranchen zu setzen. Der Subventionswettbewerb um Großinvestitionen lässt sich langfristig kaum gewinnen. Sinnvoller ist es, sich auf vorhandene Stärken und lokale Wirtschaftsstrukturen zu konzentrieren.

Sind also Fehler der Politik dafür verantwortlich, dass es nicht noch mehr ostdeutsche Unternehmen an die Weltspitze geschafft haben?

Es gab sicherlich Fehler in der Wirtschaftspolitik. Man hat viel zu große Erwartungen geweckt. Auch die Umsetzung erfolgte bisweilen mangelhaft. Die Politik ist aber nicht für alles verantwortlich. Die Initiative muss letztlich von den Unternehmern ausgehen.

Kann der Osten in puncto Weltmarktführer irgendwann zum Westen aufschließen?

Wir werden nicht ansatzweise auf solche Verdichtungen von Weltmarktführern kommen wie in vielen Teilen der alten Bundesrepublik. Dimensionen wie in Bayern oder Baden-Württemberg werden wohl nie erreicht werden. Entscheidend wird es darauf ankommen, funktionierende Kerne zu stärken: Da passiert schon einiges, beispielsweise durch die Spitzencluster-Inititiative des Bundesforschungsministeriums. Eine weitere Herausforderung ist die demografische Entwicklung. Der zu erwartende Mangel an Facharbeitern und Ingenieuren könnte sich als Achillesferse erweisen.

Tino Andresen
Tino Andresen
Handelsblatt.com / Reporter

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