Osterloh-Vergütung
Staatsanwälte ermitteln gegen VW-Vorstände

Staatsanwälte ermitteln erneut gegen Volkswagen: Topmanager wie Personalvorstand Karlheinz Blessing sind wegen des Verdachts auf Untreue im Visier. Im Fokus steht die Vergütung von Betriebsratschef Bernd Osterloh.
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Düsseldorf, FrankfurtDie Staatsanwaltschaft Braunschweig hat ein weiteres Ermittlungsverfahren gegen Vorstände von Volkswagen eingeleitet. Gegen vier Top-Manager, darunter Personalvorstand Karlheinz Blessing und sein Vorgänger Horst Neumann, ermittelt die Behörde wegen des Verdachts auf Untreue, wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft dem Handelsblatt bestätigte. Die Beamten prüfen, ob die Manager Betriebsräten finanzielle Vorteile gewährt haben, die strafrechtlich als Veruntreuung von Unternehmensvermögen zu sehen sein könnten.

Im Fokus steht besonders die Vergütung von Betriebsratschef Bernd Osterloh, gegen den sich Ermittlungen nicht richten. Der oberste VW-Arbeitnehmervertreter erhält dem Vernehmen nach eine Grundvergütung von rund 200.000 Euro pro Jahr. Hinzu kommen noch Bonuszahlungen, die sich in guten Geschäftsjahren auf über eine halbe Millionen Euro summiert haben sollen. Dass auch Betriebsräte Boni erhalten, wird intern damit begründet, dass sich die Verträge für die Gewerkschafter an dem Vergütungssystem für Führungskräfte orientieren.

Betriebsratschef Bernd Osterloh sieht sich selbst durch die Ermittlungen gegen VW-Manager wegen angeblich zu hoher Zahlungen an ihn nicht unter Druck. Der „Braunschweiger Zeitung“ sagte er: „Ich bin da mit mir im Reinen.“ VW habe „klare interne Regelungen zur Betriebsratsvergütung“, die – im Einklang mit dem Betriebsverfassungsgesetz – auch bei ihm angewandt worden seien.

Die Entlohnung der Betriebsräte wird über das Betriebsverfassungsgesetz geregelt. Demnach sollen die Arbeitnehmervertreter eine Bezahlung gemäß ihrer Aufstiegschancen erhalten. Bernd Osterloh hatte in den vergangenen Jahren immer wieder Angebote, in das Management von VW zu wechseln. Zuletzt lehnte er den Posten des Personalvorstandes ab. Er hätte als solcher rund fünf Millionen Euro pro Jahr ausbezahlt bekommen.

Osterloh wollte nach eigenem Bekunden Betriebsratschef bleiben, um in der aktuellen Krise die Interessen der Belegschaft vertreten zu können. Das Unternehmen leidet unter den Milliardenstrafen, die für die Fälschung von Abgaswerten bei Dieselautos fällig werden, sowie den ausufernden Kosten bei seiner Kernmarke VW. Dort sollen über 20.000 Stellen abgebaut werden.

VW wies wie der Betriebsrat die Vorwürfe zurück: „Volkswagen hält sich bei der Vergütung von Betriebsratsmitgliedern an die Vorgaben des Betriebsverfassungsgesetzes“, sagte ein Konzernsprecher. Vor dem Hintergrund der laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Braunschweig sei die Entgeltfindung des Unternehmens für Osterloh auch durch einen externen juristischen Sachverständigen überprüft worden. Dieses Gutachten komme zu dem Schluss, dass die Eingruppierung von Osterloh den Vorgaben des Betriebsverfassungsgesetzes entspreche.

„Vor diesem Hintergrund geht das Unternehmen davon aus, im Rahmen des von der Staatsanwaltschaft Braunschweig aufgrund einer Anzeige eingeleiteten Ermittlungsverfahrens alle diesbezüglichen Fragen ausräumen zu können“, sagte der Sprecher. Über die Ermittlungen hatte zuerst der Branchendienst Juve berichtet.

Mit Material von dpa.

Kommentare zu " Osterloh-Vergütung: Staatsanwälte ermitteln gegen VW-Vorstände"

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  • @Herr Stefan Nold, 12.05.2017, 15:43 Uhr

    "Der Verbraucher ist ein schlafender Riese. Wenn nur für 1% der Käufer das ethische Verhalten des Managements ein Kaufkriterium ist, wird auch ein großer Konzern wie VW ganz schnell handeln."

    Aber hallo. Und genau deshalb braucht es mehr Transparenz -
    und gleichermaßen interessiertere wie besser informierte Verbraucher.

  • Jahres-Gehalt für Christine Hohmann-Dennhardt: 10 Millionen Euro.
    Ziemlich viel Geld für das bisschen Ethik.
    Volkswagen verdient pro PKW 395 € (Quelle: Focus 2016).
    Das heißt: Volkswagen muss rund 10 Mio/ 400 € = 25.000 Fahrzeuge verkaufen, bis es die Kohle nur für dieses eine Vorstandsmitglied wieder in der Tasche hat.
    Ich fahre seit über 30 Jahre Volkswagen. Aber mein nächstes Auto wird kein VW. Welches Auto ich kaufe, werde ich davon abhängig machen, was die Firmen ihren Spitzenmanagern zahlen. Was sie denen zahlen, müssen sie entweder bei der Qualität, bei den Zulieferern oder bei irgendwelchen Leiharbeitern einsparen. Da die Autos ja Qualitätsmäßig alle ähnlich geworden sind, ist das für mich jetzt wirklich ein Kaufkriterium. Beim Bier mache ich das schon lange. Wer sein Bier für viel Geld im Fernsehen bewirbt, dem kaufe ich nichts ab und kaufe ausschließlich von der kleinen Privatbrauerei um die Ecke. Ist auch viel ökologischer. Der Verbraucher ist ein schlafender Riese. Wenn nur für 1% der Käufer das ethische Verhalten des Managements ein Kaufkriterium ist, wird auch ein großer Konzern wie VW ganz schnell handeln.

  • Werde ja nie Topmanager sondern erfolgreicher Fußballer !

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