Osteuropa
Autokonzerne bauen munter weiter

Osteuropa hat für die meisten großen Autohersteller nichts an Attraktivität verloren: Die Firmen planen unverändert Investitionen in Milliardenhöhe. Warum die Region immer noch gute Rahmenbedingungen für Unternehmen bietet.

PRAG. Gute Nachrichten klingen anders. Bei Volkswagen in der Slowakei ruht die Produktion im April zwei Wochen lang. Ebenfalls betroffen von der Krise in der Automobilindustrie: Das Audi-Werk im ungarischen Györ, das seine Produktion in diesem Jahr deutlich herunterfahren muss. Die Kia-Fabrik im nordslowakischen Zilina wird im Moment statt der ursprünglich geplanten drei nur zwei Schichten lang genutzt. Sollten die Absatzzahlen weiter heruntergehen, geht es notfalls auch im Einschichtbetrieb. „Wir können derzeit nur für einen Monat vorausplanen“, berichtet Kia-Sprecher Dusan Dvorak.

Trotz solcher aktuellen Nöte: In der gesamten osteuropäischen Region sollen immer noch neue Autofabriken entstehen. Milliarden zusätzlicher Investitionen sind dort geplant. Das hat einen einfachen Grund: Die Absatzkrise ist kurzfristig, bei der Fabrikplanung denken die Hersteller viel längerfristiger. Wenn der neue VW-Kleinwagen Up in der slowakischen Hauptstadt Bratislava in drei Jahren produziert wird, sollte die Krise eigentlich vorbei sein. Und ein neuer Kleinwagen ist genau das, was die Osteuropäer mit ihren vergleichsweise geringen Einkommen gut gebrauchen können.

Niedrige Löhne, längere Wochenarbeitszeiten, weniger Urlaub – all das lockt die großen Autokonzerne. Mögen diese Standortvorteile im Moment auch nicht sonderlich helfen, wie in den meisten Fabriken im Westen des Kontinents hat die schwache Autonachfrage auch fast überall in Osteuropa eingeschlagen. Die Produktionspläne für dieses Jahr mussten überall drastisch zusammengestrichen werden, in vielen Fabriken wird ein Minus von 25 Prozent erwartet.

Einen kurzfristigen Nachfrageschub haben immerhin die fast überall in Europa eingeführten Abwrackprämien ausgelöst, von denen auch einige Fabriken in Osteuropa profitieren. Gefragt sind Kleinwagen und günstige Autos. „Bei billigeren Fahrzeugen ist eine klare Belebung zu erkennen“, sagt Zdenek Lukas, Osteuropa-Experte beim Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW). So profitiert beispielsweise die rumänische Renault-Tochter Dacia vom aktuellen Nachfrageschub. Unerwartet musste das Management plötzlich Sonderschichten am Samstag ansetzen.

Doch viele in der Branche befürchten, dass die Abwrackprämien nur einen kurzfristigen Schub auslösen – und danach wieder die derzeit üblichen Auslastungsprobleme drohen. Für die Autobranche scheinen sich die milliardenschweren Investitionen in Osteuropa also nicht mehr unbedingt zu lohnen. Von Tschechien bis Weißrussland, von Polen bis Slowenien – überall in Osteuropa sind inzwischen große westliche Autokonzerne vertreten.

Doch trotz der aktuellen Schwierigkeiten werden tatsächlich noch weitere Werke in der Region dazukommen. Am weitesten fortgeschritten sind die Arbeiten im rumänischen Craiova, wo der amerikanische Ford-Konzern eine bestehende Fabrik übernommen hat und zusätzlich 600 Millionen Euro in das Werk hineinpumpen will. Motoren und Autos sollen dort unter amerikanischer Regie zusammengesetzt werden – Craiova wird wahrscheinlich der bedeutendste osteuropäische Produktionsstandort für Ford.

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