Osteuropa
Sehnsucht nach Investitionen

Erfolgsmeldungen aus Osteuropa werden in Krisenzeiten selten. In fast allen Ländern der Region schrumpft die Wirtschaft in diesem Jahr; das Interesse ausländischer Investoren an der Region hat deutlich nachgelassen. Doch inzwischen gibt es wieder ein wenig Hoffnung.

WIEN. Die Goldgräberstimmung der Zeit, als manche Länder zweistellige Wachstumsraten im Jahr meldeten, ist verflogen. Doch es gibt Ausnahmen. "Ein Projekt, wie das neue Mercedes-Werk in Ungarn, ist derzeit in der Tat außergewöhnlich", sagt Gabor Hunya, Osteuropa-Experte vom Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW). Immerhin nimmt der Daimler-Konzern hier fast eine Milliarde Euro in die Hand, um eine Fabrik zu bauen.

Und das Geld aus Stuttgart wird nicht die einzige Investition an dem Standort bleiben. Denn wenn ein Hersteller ein neues Autowerk baut, zieht das in aller Regel auch neue Zulieferer an. Das zwei- bis dreifache der Daimler-Investitionen könnte noch einmal dazu kommen. Auch zu den 2 500 neuen Jobs im Mercedes-Werk Kecskemet werden durch die Zulieferer weitere Arbeitsplätze kommen. Der amerikanische Autoradio-Spezialist Harman International hat in der vergangenen Woche angekündigt, dass die Zahl der Beschäftigten in seinem Werk im westungarischen Szekesfehervar um gut 50 Prozent auf knapp 800 steigen wird.

Im krisengeschüttelten Land Ungarn ist das Balsam auf die Seelen. In einer Volkswirtschaft, die dieses Jahr um mehr als sechs Prozent schrumpfen wird, zählt jeder einzelne neue Arbeitsplatz. Nur die wenigsten Länder der Region haben das Glück, dass sie solch ein großes Investitionsprojekt wie das neue Mercedes-Werk an Land ziehen können. Rumänien beispielsweise trauert einem neuen Stahlwerk nach, das der österreichische Voestalpine-Konzern mit Milliarden-Aufwand bauen wollte, das aber Opfer der weltweiten Krise geworden ist.

WIIW-Forscher Hunya schätzt, dass sich die Summe aller ausländischen Investitionen in Osteuropa in diesem Jahr halbieren wird. Dies wären dann nur noch rund 20 Mrd. Euro - die Auslandsinvestitionen wären also wieder etwa auf dem Niveau der Jahre 2001 und 2002. Im ersten Quartal 2009 war der Rückgang besonders stark und schwankte im Jahresvergleich von Land zu Land zwischen 20 und 80 Prozent. Die Zahl neuer Projekte schrumpfte um ein Drittel.

Doch inzwischen gibt es wieder ein wenig Hoffnung. Die Weltbank schließt aus ihren jüngsten Statistiken, dass die Investitionen in Schwellenländern bereits im zweiten Quartal 2009 wieder etwas angezogen haben. Die Niveaus der Vergangenheit wird es allerdings definitiv nicht wieder so schnell geben. "Wir erwarten ein langsames, graduelles Wachstum", sagt Juraj Kotian, Osteuropa-Volkswirt bei der Ersten Bank in Wien. Vom Jahr 2011 an sollte es bei den ausländischen Direktinvestitionen wieder einen leichten Aufschwung geben.

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