Osteuropa
Tschechische Krone macht Skoda zu schaffen

Für Autohersteller ist Osteuropa attraktiv. Doch ausgerechnet Skoda, Marktführer der Region, geht beim Poker um neue Werke leer aus. Der Grund: Die tschechische Krone hängt an der Industrie wie ein Mühlstein - und schreckt potentielle Investoren ab.

PRAG. Ausgerechnet Osteuropas Marktführer geht beim Poker um neue Werke leer aus. Skoda, die vergleichsweise erfolgreiche tschechische Tochter des VW-Konzerns, bekommt keine neue Modell-Familie und keine außerordentlichen Investitionen. Das Unternehmen war einer der möglichen Kandidaten im Volkswagen-Reich für die Produktion der geplanten neuen Kleinwagen-Familie "Up". Doch jetzt wird das Projekt samt der Investitionen in Höhe von 300 Millionen Euro wahrscheinlich in das slowakische VW-Schwesterwerk Bratislava gehen.

Der Grund dafür ist einfach zu erklären. "Für zukünftige Investitionen wirkt die starke tschechische Krone wie ein Mühlstein", begründet Holger Kintscher, deutscher Finanzvorstand Skodas, mit klaren Worten die Entscheidung gegen die tschechische VW-Tochter. Das Problem: Die Politiker in Prag können sich nur schwer mit dem Gedanken anfreunden, dass der Euro eines Tages auch in der Tschechischen Republik allgemeines Zahlungsmittel werden soll. Robert Fico, Ministerpräsident der benachbarten Slowakei, wird hingegen wahrscheinlich vom Volkswagen-Konzern dafür belohnt, dass sein Land zu Jahresbeginn den Euro eingeführt hat.

Für die Deutschen in der Skoda-Führung steht unwiderruflich fest, was die tschechische Regierung machen müsste. "Ich richte noch einmal meine Bitte an die Verantwortlichen, die Einführung des Euro zu überdenken", sagt Finanzvorstand Kintscher. Skoda leide an der hohen Volatilität des Krone-Kurses. Im vergangenen Jahr habe sich die tschechische Landeswährung in einem Band zwischen 22 und 26 Kronen je Euro bewegt - eine Spanne von gut 15 Prozent. "Wir haben überhaupt keine Planungssicherheit, die Situation ist untragbar", schimpft der Deutsche. Die Wirtschaftskrise in Osteuropa habe den Druck auf Länder wie Tschechien - samt der damit verbundenen Wechselkursschwankungen - zusätzlich erhöht.

Der weltweite Absturz der Autonachfrage hat auch Skoda im letzten Quartal des vergangenen Jahres erreicht. Deshalb sind Umsatz und Gewinn für ganz 2008 hinter den Ergebnissen des vorangegangenen Jahres zurückgeblieben. Der Umsatz fiel um knapp zehn Prozent auf umgerechnet acht Milliarden Euro, der Nachsteuergewinn um ein Drittel auf 400 Millionen Euro. Für den obersten Skoda-Finanzmann besonders ärgerlich: Ohne Schwankungen der Krone hätte die VW-Tochter im vergangenen Jahr überhaupt keinen Umsatz verloren. Aktuell profitiert Skoda massiv von den europaweit eingeführten staatlichen Abwrackprämien. Die im Februar eingeführte Kurzarbeit konnte wieder aufgehoben werden.

Skoda-Modelle sind vergleichsweise günstig zu haben, außerdem deckt die VW-Tochter traditionell kleinere und mittelgroße Modellsegmente ab. Deshalb sollte das Unternehmen aus Mlada Boleslav in der Nähe von Prag auch schwierige Zeiten vergleichsweise gut überstehen. "Skoda ist in der Krise gut positioniert", sagt Richard Malzer, Automobilanalyst bei der Raiffeisen-Gruppe in Wien. Auch wenn der Lohnkostenvorteil gegenüber westeuropäischen Fabriken auf längere Sicht weiter abnehmen werde - ein gewisser Vorsprung bleibe immer noch.

Skoda hofft darauf, dass das Unternehmen mit dem unerwarteten Nachfragepolster aus den Abwrackprämien die nächsten Monate gut überstehen kann - und danach eine gewisse Normalisierung auf dem Automarkt einsetzt. Vertriebsvorstand Fred Kappler gibt die Devise aus, dass es bei Skoda nicht so schlimm kommen werde wie bei den meisten Konkurrenten. "Wir erwarten in diesem Jahr bei unseren Absatzzahlen keine zweistelligen Rückgänge wie der Rest der Branche", sagt er mit einer gewissen Spur von Optimismus. Auch ohne Euro.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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