Ostsee-Pipeline
Das Rohr zur Welt

Heute nehmen Kanzlerin Merkel und der russische Präsident Medwedjew die Nord-Stream-Pipeline in Betrieb. Doch ob die milliardenteure und äußerst umstrittene Gasleitung sich wirtschaftlich lohnt, ist noch nicht klar.
  • 4

Es ist das derzeit größte Energieprojekt Europas: Die Nord Stream Gasleitung verbindet erstmals Deutschland direkt mit Russland. Die Strecke entspricht ungefähr der Distanz von München nach Barcelona und sie verläuft fast komplett unter Wasser. 7,4 Milliarden Euro hat der Bau gekostet – Geld, das nun wieder erwirtschaftet werden muss. 

Dazu hat das Betreiber-Konsortium die Leitungen für die nächsten 50 Jahre exklusiv an den russischen Energieriesen Gazprom vermietet. An Nord Stream ist der russische Gasmonopolist mit 51 Prozent beteiligt. Die BASF-Tochter Wintershall und die Eon Ruhrgas AG halten je 15,5 Prozent. Jeweils neun Prozent sind im Besitz der niederländischen Gasunie und der französischen GdF Suez.  

Um den Vertrieb kümmert sich Gazprom selbst. Das dürfte nun nicht mehr so leicht wie noch vor ein paar Jahren sein, als das Projekt angestoßen wurde. „Als man die Leitung begann zu planen, sah die Lage auf dem internationalen Markt anders aus, man befürchtete sogar Knappheiten“, sagt Claudia Kemfert, Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

Heute besteht eher ein Überangebot an Gas, auch durch neue Methoden zur Ausbeutung schwer zugänglicher Gasvorkommen, wie etwa das so genannte Fracking. Infolge dessen sank auch der Preis für den Energieträger. Über ihre Renditevorstellungen und wann sich das Projekt amortisiert haben soll, geben die Betreiber keine Auskunft. Energieexpertin Kemfert hält das Projekt jedoch für vielversprechend: „Ich denke, dass es sich nicht um eine Fehlinvestition handelt.“

Denn Experten erwarten, dass die Nachfrage nach Gas in nächster Zeit anziehen wird. Gaskraftwerke gelten als ideale Ergänzung zu alternativen Energien, weil sie die mit ihnen verbundenen Schwankungen besonders gut ausgleichen können. Zudem sind sie klimafreundlicher als etwa Kohlekraftwerke. „Ich glaube, dass der Anteil unkonventioneller Gasquellen auch in Europa zunehmen wird, aus Umweltschutzgründen aber nicht die steigende Nachfrage wird decken können“, sagt Kemfert. 

Kommentare zu " Ostsee-Pipeline: Das Rohr zur Welt"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Man kann vieles bei Schröder kritisieren aber ich glaube die Nordstream war eine richtige Entscheidung.Dass man sich in Europa, von Russland abkoppeln kann is ein Märchen-40% des Erdgases auf der Welt ist in Russland und daran kommt man nicht vorbei.Die Alternative sind Iran(2.beim Reserven),Qatar und Algerien.Deutschland fährt sehr gut mit Russland und Norwegen.Das Fracking ist viel umweltbelastender(toxische Chemickalien zur herauswashen des Gases,Beimischung von Methan und Chemikalien in das Grundwasser) als die Pipelines.Ich wäre froh wenn wir das Gas von Großbritanien oder Holland importieren könnten aber das ist unwahrscheinlich,da ihre Reserven ausgeschöpft sind.Nordstream ist Realpolitik bei der Energieversorgung.

  • Und dass auf der Schutzbrille des Mitarbeiters "Hassen" steht is ja auch der Knaller :)

  • Dem kann ich nur zustimmen. Eine sehr unprofessionelle Äußerung. Die Überschrift passt auch nicht zum Projekt: "Das Rohr für Deutschland" müsste es doch heissen, oder ?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%