Ostsee-Pipeline
Deutschland wird Drehscheibe für Erdgas

Deutschland wird durch die neue Ostseepipeline zu einem strategischen Transitland für Gaslieferungen nach Westeuropa. Die Konzerne BASF und Eon wollen in Deutschland über eine Mrd. Euro investieren, um die Leitung an ihre Gasnetze anzuschließen, und versprechen sich durch den Transport von russischem Gas ein lukratives Zusatzgeschäft.

ST. PETERSBURG. „Deutschland wird zur wichtigen Drehscheibe für den innereuropäischen Transit“, sagte BASF-Vorstandschef Jürgen Hambrecht beim offiziellen Start der Bauarbeiten im russischen Babajewo.

Die Nordeuropäische Gaspipeline (NEGP) soll ab 2010 bis zu 55 Mrd. Kubikmeter Gas aus Sibirien über die Ostsee transportieren und im ostdeutschen Greifswald anlanden. Am Freitag fiel der Startschuss für das Prestigeprojekt. Die ersten Rohre für den noch auf dem russischen Festland verlaufenden Teil wurden im Beisein der Chefs der beteiligten Unternehmen Gazprom, Eon und BASF, Alexej Miller, Wulf Bernotat und Jürgen Hambrecht, sowie von Russlands Ministerpräsidenten Michail Fradkow und Bundeswirtschaftsminister Michael Glos verlegt. Am Rande der Veranstaltung gab Gazprom bekannt, dass sich auch die norwegische Hydro für eine Beteiligung interessiert.

Die NEGP wird insgesamt voraussichtlich über 6,3 Mrd. Euro kosten. Für den 1200 Kilometer langen Abschnitt durch die Ostsee müssen die Partner über vier Mrd. Euro investieren. Gazprom schafft zudem auf dem russischen Festland für rund 1,3 Mrd. Euro eine 900 Kilometer lange Anbindung an die Gasfelder. Die Leitungen, Speicher und Verdichterstationen in Deutschland finanzieren wiederum Eon Ruhrgas und die BASF-Tochter Wingas, an der Gazprom aber mit 35 Prozent beteiligt ist. Zunächst wird in Deutschland für rund eine Mrd. Euro ein Weststrang gebaut, den beide Unternehmen gemeinsam bezahlen. Später wird Wingas alleine den Bau einer Ostroute übernehmen.

Über den Weststrang können Transporte in Richtung Großbritannien, die Benelux-Staaten oder Frankreich abfließen. Der Oststrang könnte Gas Richtung Österreich, aber auch Polen leiten. Energieexperten erwarten insbesondere eine Nachfrage aus Großbritannien nach russischem Gas, weil die Quellen in der britischen Nordsee zu Neige gehen. Eon und BASF können deshalb auf hohe Transporteinnahmen hoffen. „Ein Teil des Geschäfts wird sicherlich im Transit bestehen“, bestätigt Wingas-Chef Rainer Seele.

In den bisherigen Transitstaaten wie Polen oder der Ukraine ist die neue Pipeline dagegen umstritten, weil sie im Gegensatz zu Deutschland an Bedeutung für den Transit verlieren. Die Länder fühlen sich umgangen und fürchten um Einnahmen.

Eon und BASF versuchten zwar, die Bedenken zu zerstreuen: Die neue Pipeline werde benötigt, um einen zusätzlichen Gasbedarf zu decken. Die bisherigen Importrouten würden deshalb von zentraler Bedeutung bleiben und ausgebaut.

Nach den Worten von Wingas-Chef Seele ist es für Westeuropa aber durchaus von Vorteil, dass mit der NEGP eine direkte und verlässliche Verbindung nach Russland geschaffen wird. Er verwies auf aktuelle Streitigkeiten zwischen der Ukraine und Russland über Transitgebühren. „Es ist nicht akzeptabel, dass wir Europäer unter solchen Spannungen leiden und als Druckmittel eingesetzt werden.“

In den kommenden Monaten wollen die drei Partner nun die technischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen für die Verlegung der Rohre im Meer abklären. Die dafür gegründete Gemeinschaftsfirma nahm jetzt ihre Arbeit auf. Gazprom hält 51 Prozent, BASF und Eon halten jeweils 24,5 Prozent. Sollte Hydro dem Unternehmen beitreten, würde sich der Anteil der deutschen Partner verringern.

Profitieren dürften von dem Großprojekt noch andere deutsche Unternehmen. Einen Bauauftrag soll beispielsweise Siemens erhalten. Die Finanzierung wird unter anderem über die Dresdner Bank abgewickelt.

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