Ostsee-Pipeline
Osteuropäer sehen nur Nachteile

In Polen und in den baltischen Staaten Litauen, Lettland und Estland wird die geplante Ostseepipeline einhellig abgelehnt. „Das Projekt ist von großem Nachteil für uns“, sagte der polnische Premier Kazimierz Macinkiewicz. Wieder einmal fühlen sich diese Länder von den großen Nachbarn Deutschland und Russland übergangen, weil sie bei der Planung nicht konsultiert worden sind. Die Pipeline werde es Moskau erleichtern, Polen und die baltischen Staaten politisch und ökonomisch zu erpressen, heißt es unisono.

HB WARSCHAU/RIGA. Tatsächlich verschlechtert das Vorhaben die Position der östlichen Nachbarstaaten Deutschlands gegenüber Russland. Das gilt etwa für künftige Verhandlungen über Transitgebühren, die Russland beispielsweise an Polen zahlen muss. Denn bislang verlaufen alle Gasfernleitungen von Russland nach Westeuropa durch Belarus, Polen und die Ukraine. Nach Fertigstellung der Ostseepipeline sollen nur noch 60 Prozent der deutschen Gasimporte aus Russland über Land transportiert werden. Für Moskau wird es dann leichter sein, Gebührensenkungen durchzusetzen.

Da Polen und die baltischen Staaten stark von Energielieferungen aus Russland abhängig sind, befürchten diese Länder außerdem, Moskau könne ihnen bei politischen Konflikten den Gashahn abdrehen oder die Preise erhöhen. Gerade hat der russische Lieferant Gazprom angekündigt, er wolle mit Warschau über eine Preiserhöhung sprechen. Hinzu kommen handfeste Umweltsorgen. So fürchten die Schweden, dass durch das Verlegen der Rohre auf dem Boden der Ostsee abgelagerte Schadstoffe aufgewirbelt werden könnten. Das würde der ohnehin schon angeschlagenen Ostsee weiter zusetzen.

Im Übrigen, so heißt es gerade auch in Polen, wäre es billiger gewesen, die bestehenden Überlandleitungen zu verstärken und weitere zu bauen. Diese Meinung teilen auch einige deutsche Experten. „Eine Landleitung in gleicher Länge wie die Ostseepipeline wäre deutlich billiger“, sagt Roland Götz von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. Den auch von deutscher Seite vorgebrachten Vorschlag, von der Ostseepipeline einen Abzweig zu den polnischen Hafenstädten Stettin und Danzig zu bauen, sieht man in Warschau eher mit gemischten Gefühlen. Schon jetzt beziehe Polen 50 Prozent seines Erdgases aus Russland, sagte Vizewirtschaftsminister Piotr Naimski. „Diese Abhängigkeit wollen wir nicht noch verstärken.“

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