Panasonic
Absichtlich schwere Waschmaschinen

Panasonic ist in Europa bisher eher bekannt für Fernseher und Videokameras. Doch bald will der Hersteller auch mit energieeffizienten Kühlschränken und Waschmaschinen in den europäischen Markt der Haushaltsgeräte einsteigen. Darum versuchen die Asiaten den Geschmack der Europäer zu verstehen.

TOKIO. Der Befehl kam von ganz oben. Panasonic-Chef Fumio Ohtsubo will einen weißen Fleck auf der Landkarte seines Weltkonzerns füllen: den des EU-Markts für Haushaltsgeräte. Sein Unternehmen hat viel Erfahrung mit Waschmaschinen und Kühlschränken für die Welt. Zudem wissen die Europäer geringen Verbrauch zu schätzen – und kaum einer reicht an die Japaner heran, wenn es um strom- und wassersparende Geräte geht. Da passt doch alles zusammen. Oder?

Den Befehl ausführen muss Yuji Majima, Leiter der Hausgeräte-Sparte. Er gebietet über einen Industriekomplex am Rande des verschlafenen Städtchens Kusatsu bei Osaka. Vor einem Jahr und acht Monaten begann das Projekt – mit Problemen.

„Der europäische Markt ist sehr traditionell. Es ist schwer, sich an ihn anzupassen“, erzählt der Manager. Die kulturellen Probleme stellten sich als noch größer heraus als erwartet: „Europa ist ziemlich kompliziert.“ Panasonics Europazentrale in Wiesbaden wählte sieben Schlüsselmärkte aus, darunter Deutschland. Von der Wirtschaftskrise habe sich das Unternehmen erstmal nicht beirren lassen, sagt Majima. „Haushaltsgeräte brauchen die Leute immer.“

Die Zeit drängte. Als Starttermin war März 2009 vorgegeben. Die Umstellung der Produktionsstraßen in zwei Fabriken in China würde einige Monate dauern. Majima hatte ganze sechs Monate Zeit, die Geräte für den europäischen Geschmack entwerfen zu lassen. Während die Fußtruppen in Europa noch erforschten, was deutsche, spanische, polnische Haushalte wünschen, machten sich die Ingenieure in Kusatsu an die Arbeit. Diesen Teil des Projekts leitet Satoshi Saito, ein hemdsärmliger Manager im Blaumann über dem weißen Hemd. „Wir wissen, dass wir in Deutschland gegen Namen wie Miele und Bosch spielen“, sagt er.

Der EU-Markt sei mit starken Konkurrenten vollgestopft, sagt Majima. Für die Neuentwicklungen habe daher Ressourcen aus der gesamten Gruppe zusammengezogen. Panasonic ist der weltgrößte Hersteller von Haushaltselektronik – von der Videokamera bis zur Brennstoffzelle für den Heimgebrauch. Vom Konzernumsatz von 75 Mrd. Euro kommen zehn Mrd. aus der Hausgerätesparte mit 27 400 Mitarbeiter.

Die Ingenieure packten so viel patentierte Technik in die Geräte, wie sie in den weltweiten Produktfamilien finden konnten. Beispiel Kühlschrank: Statt Schaumstoff bauen sie hauchdünne Vakuum-Platten zur Isolierung ein. Das bringt mehr Platz bei weniger Energieverbrauch. Eine besondere Leuchte im Gemüsefach soll Salat und Brokkoli anregen, auch im Kühlschrank noch Vitamine zu produzieren. Der Luftfilter eliminiert Bakterien und Gerüche. Die Europäer beherrschen solche Tricks zwar auch. Doch die Japaner können auf jeden Fall mithalten.

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