Pannen
Wie Rückrufe die Autobauer belasten

Nicht nur der aktuelle Fall bei den TSI-Motoren von Volkswagen zeigt es: Die Autohersteller weltweit haben ein Qualitätsproblem. Doch die liegen nicht unbedingt bei den Autobauern selbst - und sind dennoch hausgemacht.
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DüsseldorfAls Volkswagen im Januar weltweit 300.000 Fahrzeuge mit dem weit verbreiteten 2-Liter-Dieselmotor zurückrufen musste, war der Schuldige schnell gefunden. Durch eine fehlerhafte Charge eines Zulieferers bestand die Möglichkeit, dass bei den Einspritzleitungen Kraftstoff austreten konnte.

Und jetzt diese Nachricht: Viele der Motorschäden bei dem 1,4 Liter großen Benzindirekteinspritzer lassen sich auf qualitativ mangelhafte Steuerketten eines Lieferanten zurückführen. Laut VW seien Fertigungswerkzeuge über ihre Verschleißgrenze hinaus verwendet worden. Der Haken an diesem Fall ist, dass sich die fehlerhaften Teile nicht auf eine bestimmte Charge oder einen Produktionszeitraum eingrenzen lässt.

VW ist nicht der einzige Hersteller mit Qualitätsproblemen in letzter Zeit, aber die hohen Stückzahlen des Konzerns können auch zu einer Schwäche werden. "Da Volkswagen durch ihr Baukasten-Prinzip sehr hohe Volumina nachfragt, sind die Preise und damit der Kostendruck für die Zulieferer natürlich enorm", Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive an der FHDW Bergisch-Gladbach. "Auf der anderen Seite ist das eine Sache des Qualitätsmanagements." Es sieht so aus, als ob der Kostendruck auf die Zulieferer so hoch ist, dass die bei den geforderten Produktionskosten nicht die Qualität halten können.

Der Auto-Experte rät den Herstellern darum, ihr werksübergreifendes Qualitätsmanagement auszubauen: „Qualitätsmanagement beginnt nicht am Werkstor, sondern bei den Zulieferern.“ Nicht nur die produzierten Teile, auch die Produktionsanlagen der Partner müssten darum von den Herstellern geprüft werden.

Dabei ist in den vergangenen Jahren die Abhängigkeit der Autobauer von ihren Zulieferern gestiegen. Inzwischen findet 75 Prozent der Wertschöpfung bei den Zulieferern statt. Mit all seinen positiven und negativen Folgen.

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  • Schade ist nur, dass man nicht mehr ausweichen kann. Möchte man ein neues Auto kaufen, kann man bei den Herstellern das geringste Übel wählen, mehr nicht. Eine entscheidende Frage ist auch der Umgang mit solchen Fehlern. Dass VW/Audi/Skoda/Seat keine Rückrufe bzgl. der möglichen Motorschäden starten und stattdessen in der Regel nur mit einer Beteilung behilflich zeigen, ist schon harter Tobak.

    Andere Hersteller (Mercedes) tauscht solch relevanten Teile komplett auf eigene Kosten (Injektoren der Diesel-Motoren).

    Die Kunden erwarten im Übrigen keinen neuen Golf nach 3 oder 4 Jahren, sie hätten auch 7 oder 8 Jahre gewartet. Sie erwarten vielmehr ein dauerhaft (Stichwort Steuerkette hält ein Autoleben lang) funktionierendes Fahrzeug und kulante Reglungen, sollte ein Baufehler vorliegen, egal ob vom Zulieferer oder vom Hersteller selbst.

    Die Zulieferer werden geknebelt und dann wird top Qualität erwartet. Mein Vater ist seit vielen Jahren in höherer Position bei einem Zulieferer, der Audi nicht mehr beliefert, weil zu den vorgegebenen Preisen schlicht keine gute Qualität geliefert werden kann. Andere Zulieferer steigen leider darauf ein.

    Und das alles, damit VW mit Rekordgewinnen und 2-stelligen Millionengeähltern für die Führungsebene protzen kann.

    Aber was bleibt einem übrig, wenn man ein modernes Auto fahren möchte? Nichts. Jeder Hersteller hat irgendwelche Probleme.

  • Den "Schwarzen Peter" herumreichen bringt nichts,dies macht eher unglaubwürdig.
    Aber dies ist das Problem .
    Wenn Herr Winterkorn und Herr Piech Mitarbeitern Vertrauen die scheinbar der Meinung sind das man wie Hiob dann kaltgestellt wird ,wenn man schlechte Nachrichten überbringt,so sollen die Vorstandsvorsitzenden handeln und die Herren mal einnorden.
    Beispiel ,wahr und aktuell!!!
    Am 16 März 2012 wurden ein Leitender VW Angehöriger von mir auf massive Diebstähle(ca. zzt. 10 000 Euro),eines VW Mitarbeiters hingewiesen.Dies ist übrigens ein großes Problem,was die gesamte Automobilwirtschaft hat,jedoch für keinen tragbar ist.Bis zum heutigen Tage hat sich überhaupt nichts getan.Die Waren werden noch,öffentlich, angeboten.Nachdem ich mir die Zeit nahm weitere Recherchen zu tätigen habe ich mindestens 10 weitere VW Angehörige feststellen können die ebenso Waren verkaufen deren Herkunft sehr wahrscheinlich von Ihrem Arbeitsplatz stammen.
    Und es interessiert dort keinen das der Arbeitgeber VW bestohlen wird.

  • "Teilweise hausgemacht von den OEMs": Vor der Vergabe von Zulifergeschäft wird viel zu lange um den günstigsten Preis gepokert. Die OEMs treffen ihre eignen Meilensteine für die Auftrags-Vergabe nicht mehr, was zu Lasten der verbleibenden Entwicklungszeit geht.

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