Pannenreaktoren
Eon verliert in Krümmel die Geduld

Ein Kurzschluss im Stromnetz, zwei Brände im Transformatorhaus, mehrere Schnellabschaltungen - die Liste der Pleiten und Pannen in den beiden norddeutschen Kernkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel ist lang. Nun will Eon von Vattenfall die Betriebsführung der Pannenreaktoren übernehmen.
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DÜSSELDORF. Dreieinhalb Jahre Stillstand sind genug: Der Energiekonzern Eon ist mit dem Management seines Partners Vattenfall bei den Pannenreaktoren Krümmel und Brunsbüttel unzufrieden. Eon mischt sich jetzt in die Maßnahmen zur Wiederinbetriebnahme der Kernkraftwerke, die beiden Unternehmen gemeinsam gehören, ein. Bislang hat Vattenfall die Betriebsführung inne. Letztlich will Eon selbst die Betriebsführung übernehmen.

Krümmel gehört beiden Unternehmen zu gleichen Teilen, an Brunsbüttel hält Eon bislang ein Drittel. Sollte Eon die Betriebsführung übernehmen, dürfte der Konzern auch hier zumindest die Parität anstreben. Im Rahmen der anstehenden Prüfung sei es möglich, dass sich die Anteilsstruktur verändere, bestätigt ein Eon-Sprecher. Denkbar ist aber auch, dass Brunsbüttel aus wirtschaftlichen Gründen gar nicht mehr ans Netz geht.

Peinliche Pannenserie

Die beiden Kernkraftwerke in Norddeutschland stehen seit Sommer 2007 still. Damals wurde zunächst in Brunsbüttel nach einem Kurzschluss im Stromnetz eine Reaktorschnellabschaltung ausgelöst. Am selben Tag brannte nach einem Kurzschluss ein Transformator in Krümmel. Krümmel ging im Sommer 2009 kurzzeitig wieder ans Netz, wenig später wurde wieder eine Schnellabschaltung ausgelöst - erneut nach einem Kurzschluss in einem Transformator. Brunsbüttel war gar nicht mehr in Betrieb. Auch während der Reparaturarbeiten sorgte Vattenfall mit Pannen für negative Schlagzeilen. Zuletzt fiel die für Krümmel vorgesehene Leiterin bei der Atomaufsicht durch.

Für Vattenfall war der Imageschaden durch die Pannenserie groß. Aber auch für Miteigentümer Eon wurde der Stillstand immer peinlicher. Jeder Monat, den die Anlage nicht am Netz ist, kostet die beiden Unternehmen zudem einen zweistelligen Millionenbetrag, weil kein Strom produziert wird. Hinzu kommen die Kosten für die Reparaturarbeiten. Alles in allem dürften sich die entgangenen Einnahmen und die Kosten mittlerweile auf rund zwei Milliarden Euro summiert haben, heißt es aus Kreisen der beiden Unternehmen.

Offiziell gibt sich Eon diplomatisch. Die beiden Unternehmen hätten vereinbart, "gemeinsam alle Möglichkeiten zur baldigen Wiederinbetriebnahme und zur weiteren betrieblichen Optimierung der Kernkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel zu prüfen", heißt es in einer gemeinsamen Presseerklärung. In den kommenden Monaten werde man gemeinsam "die technischen Rahmenbedingungen und die betrieblichen Abläufe" erkunden sowie den Investitionsbedarf ermitteln. Weiter heißt es aber auch: "Die Überprüfungen haben auch zum Ziel festzustellen, ob Eon die Betriebsführung beider Anlagen übernimmt." Und wie es in Kreisen der beiden Unternehmen heißt, ist die Entscheidung dafür faktisch schon gefallen.

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  • Wenn die beide Energiekonzerne schon Probleme mit der Peripherie eines Atomkraftwerkes haben, was soll dann erst werden, wenn es einmal zu Störungen am Reaktor oder am Kühlsystem kommt?

    Es zeigt sich wieder einmal ganz deutlich, auch deutsche Atomkraftwerke entsprechen nicht mehr dem Sicherheitsstandard der Zeit!

    Es mag wohl sein, dass sie noch wesentlich sicherer sind, als die Atomkraftwerke in Russland und Co aber um es einmal etwas bildlich darzustellen, ein alter VW Käfer ist auch wesentlich sicherer als seinerzeit ein Trabant. Trotzdem würde heute keiner mehr auf die idee kommen, den Käfer als eine Auto auf dem Stand der Technik von heute zu verkaufen.

    Aber wie der Artikel ja ein wenig durchblicken lässt, es geht hier nicht um die Sicherheit sondern es geht hier um den Profit! Und für diesen sind die Atomkraftbetreiber als auch unsere korrupte Regierung bereit, das Wohl des deutschen Volkes aufs Spiel zu setzen!

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