Pannenserie bei Vattenfall
Deutsche Atomlobby schimpft auf Schweden

Die deutschen Atomkraftwerks-Betreiber sind alles andere als glücklich mit dem, was sich die schwedische Vattenfall hierzulande leistet. Die technischen und informatorischen Pannen in den Meilern Krümmel und Brunsbüttel haben der Branche nach eigener Einschätzung erheblichen Schaden zugefügt. Ein Atomlobbyist spricht Tacheles.

HB FRANKFURT. „Das Thema Zukunft der Kernenergie hat dadurch politisch einen massiven Dämpfer bekommen“, sagte der Präsident des Deutschen Atomforums, Walter Hohlefelder, der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Dienstagsausgabe). „Der Eindruck, der durch die Informationspolitik von Vattenfall in der Öffentlichkeit hervorgerufen wurde, ist verheerend.“ Jetzt dürfe sich niemand darüber beklagen, dass Kernenergiegegner dies politisch ausnutzten, sagte Hohlefelder, der auch Vorstand von Eon Energie in München ist. Neben Vattenfall Europe, einer Tochter der staatlichen schwedischen Vattenfall AB, und Eon betreiben RWE und EnBW Kernkraftwerke in Deutschland.

Der Lobbyist wies jedoch die Forderung von Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) zurück, ältere Meiler vorzeitig abzuschalten. Das Deutsche Atomforum hatte vor kurzem eine Imagekampagne gestartet, in der Atomkraftwerke als „Klimaschützer“ angepriesen werden und zum Besuch der Anlagen eingeladen wird.

Pannen über Pannen

Deutschlands viertgrößter Energiekonzern Vattenfall Europe steht seit dem 28. Juni massiv in der Kritik, als kurz hintereinander die Kernkraftwerke Brunsbüttel und Krümmel wegen Störfällen vom Netz mussten. Das Unternehmen informierte erst nach und nach über Einzelheiten und verschwieg zunächst, dass in Krümmel auch der Reaktor betroffen war. Die für die Atomaufsicht zuständige Sozialministerin von Schleswig-Holstein, Gitta Trauernicht, drohte daraufhin sogar, Vattenfall Europe die Betriebserlaubnis zu entziehen. Druck kommt jetzt auch von der Konzermutter in Schweden.

Grünen-Chefin Claudia Roth kritisierte in einem Interview mit den Fernsehsender RTL die Haltung der Berliner Regierung zur Atomkraft. „Ich würde wirklich erwarten, dass diese Bundesregierung nicht rumlaviert, nicht rumeiert, dass endlich mal klar gestellt wird: Deutschland bleibt am Ausstiegskonzept fest dran. Es wird nicht sozusagen 2009 neu verhandelt, sondern der Atomausstieg ist richtig und wir gehen mit Volldampf in die Förderung erneuerbarer Energien.“

Der Deutschen Umwelthilfe (DUH) liegen nach eigenen Angaben Inhalte einer geheimen Mängelliste zum Atomkraftwerk Brunsbüttel vor. Sie sollen am Mittwoch der Öffentlichkeit präsentiert werden, teilte die DUH am Montagabend in Berlin mit. Seit Monaten verlangen die Atomgegner von Betreiber Vattenfall den Zugang zu einer Liste mit offenen Punkten zum AKW, die sich aus der so genannten Periodischen Sicherheitsüberprüfung ergeben hatten. Vattenfall wehrte sich bisher erfolgreich.

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