Pannenserie
BP muss Ölförderung in Alaska weiter drosseln

Die Störfälle in Prudhoe Bay in Alaska reißen nicht ab. Aufgrund eines wiederholten technischen Problems muss BP die Produktion drastisch zurückfahren – die Förderkapazitit beträgt nur noch 28 Prozent. Für den britischen Konzern kommt die Panne zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt.

DÜSSELDORF. Wie BP, der Betreiber des größten Ölfeldes der USA, bekannt gab, musste die Produktion von 200 000 auf 110 000 Barrel pro Tag zurückgefahren werden. Grund sei ein defekter Kompressor. Es werde voraussichtlich mehrere Tage dauern, bis das Problem behoben ist. Der Ausfall betrifft das westliche Feld von Prudhoe Bay. Der östliche Teil ist seit dem 6. August wegen verrosteter Leitungen geschlossen. Die normale Tagesproduktion des riesigen Ölfeldes in der Arktis liegt bei 400 000 Barrel. Dies entspricht acht Prozent der US-Förderung.

Anders als bei den bisherigen Problemen in Alaska gehen Experten beim aktuellen Fall nicht von mangelnder Wartung oder gar Fahrlässigkeit aus. Das Erdölgas, das jetzt zu dem Produktionsausfall führte, ist ein Nebenprodukt der Erdölförderung, das automatisch anfällt. „Für den Transport muss es in mehreren Stufen komprimiert und nach jeder Stufe wieder gekühlt werden“, sagt Rudolf Schulze, der Geschäftsführer der Nord-West Oelleitung GmbH in Wilhelmshaven. „Dazu braucht man den Erdölgaskompressor.“ Bei der Kühlung fällt Flüssigkeit aus, die zum Beispiel als Flüssiggas in Feuerzeugen verwendet wird. Schon kleinste Druck- und Temperaturveränderungen führen dazu, dass Teile des Gases zwischen dem flüssigen und dem gasförmigen Zustand hin und her wechseln. Und wenn Flüssigkeit in den Kompressor gelangt, wird das Gerät beschädigt.

Für BP kommt die neue Panne auch ohne eigenes Verschulden zum ungünstigsten Zeitpunkt. Das britische Unternehmen steht seit Wochen in der Kritik, obwohl es nur 26 Prozent an dem Ölfeld hält, also weniger als die beiden US-Konzerne Exxon-Mobil und Conoco-Phillips, die je 36 Prozent besitzen. Doch BP ist der Betreiber des Feldes und trägt deshalb die Verantwortung. Die amerikanische Öffentlichkeit ist extrem aufgebracht, seit sich herausstellte, dass BP trotz Rekordgewinnen in Milliardenhöhe offenbar bei der Wartung seiner Leitungen sparte. „Ich mache mir ernste Sorgen um die Verhaltensweisen, die zu dieser Lage geführt haben“, sagte etwa der Generalbundesanwalt von Alaska, David Marquez. „Entschuldigungen sind nicht genug.“

Marquez führt eine von mehreren Untersuchungen gegen BP und die anderen Anteilseigner von Prudhoe Bay. Die Konzerne wurden aufgefordert, den Ermittlern sämtlichen Schriftverkehr bezüglich der Wartungsarbeiten in Prudhoe Bay innerhalb der vergangenen zehn Jahre zugänglich zu machen. Die Unternehmen werden ausdrücklich davor gewarnt, Aufzeichnungen, E-Mails oder andere Computerdateien zu vernichten. Bei einer Anhörung vor einer Woche sprach Marquez von möglichen Strafgeldern bis zu 500 Mill. Dollar sowie Gefängnisstrafen für beteiligte Manager.

Bei den Untersuchungen soll festgestellt werden, ob die Konzerne die Wartung wider besseres Wissen vernachlässigt haben. Für solche Fälle sind laut Marquez sowohl Strafen als auch Schadenersatzforderungen möglich. Alaska bezieht 89 Prozent aller Steuereinnahmen aus der Erdölindustrie.

Die aktuellen Probleme in Prudhoe Bay haben viele Vorgänger. Im März liefen 800 000 Liter Öl in der Arktis aus. Vor einem Monat wurden 57 Bohrlöcher geschlossen, nachdem interne Kritiker vor Lecks gewarnt hatten. In den vergangenen zwei Jahren musste BP mehr als 100 Mill. Dollar Strafe wegen verschiedenen Mängel und Vergehen in US-Anlagen zahlen. Allein im jüngsten Quartal wies der Konzern allerdings einen Gewinn von 7,3 Mrd. Dollar aus.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
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