Parallel zu den Sanierungsbemühungen laufen Ermittlungen der Justiz
Parmalat-Sanierer will Konzern aufspalten

Der unter einem milliardenschweren Bilanzbetrug zusammengebrochene italienische Nahrungsmittelkonzern Parmalat soll aufgespalten werden. Wie das Handelsblatt aus Mailänder Bankenkreisen erfuhr, arbeitet die neue Führungsspitze um Enrico Bondi mit Hilfe der Investmentbanken Lazard und Mediobanca an einem Sanierungskonzept, das die Gründung eines neuen Unternehmens unter Federführung der Gläubigerbanken vorsieht.

MAILAND. In diese „NewCo“ sollen alle industriellen Aktivitäten von Parmalat eingebracht werden. Dazu gehört neben der weltweiten Verarbeitung und Vermarktung von Milch die Herstellung von Keksen und Fruchtsäften. In diesen Bereichen setzen 36 000 Mitarbeiter in 140 Werken rund 7,5 Mrd. Euro im Jahr um.

Die Finanztöchter in diversen Steuerparadiesen, die Löcher von mehr als zehn Mrd. Euro in die Bilanz gerissen haben, sollen abgespalten und aufgelöst werden. „Hierdurch wäre eine Fortführung des gesunden Konzernteils gewährleistet, woran die Gläubiger größtes Interesse haben“, sagte ein Banker dem Handelsblatt. Auch Parmatour soll abgetrennt werden. Nach Angaben von Ermittlern finden sich in der Bilanz des Reiseveranstalters weitaus größere Lasten als bislang angenommen. „Die Lücke liegt bei zwei bis 2,5 Mrd. Euro“, hieß es gestern Abend. Bisher war man von höchstens 750 Mill. Euro ausgegangen. Parmatour wies diese Angaben zurück.

Vorbild für die Parmalat-Sanierung sei die Rettung des 1993 zusammengebrochenen AgrochemieKonzerns Montedison der Familie Ferruzzi, die ebenfalls von Enrico Bondi gemanagt worden ist. In einem ersten Schritt hat Parmalat gestern 1,5 % der Investmentbank MCC an die römische Großbank Capitalia für 22 Mill. Euro abgegeben.

An der „neuen“ Parmalat sollen sich laut dem Konzept die Gläubigerbanken beteiligen. Dazu sollen sie auf Forderungen verzichten und zum Ausgleich Anteile an dem neuen Konzern erhalten. Ersatzweise sollen sie frische Mittel nachschießen. Außerdem stehen als strategische Investoren die Großmolkerei Granarolo aus Bologna – hinter Parmalat die Nummer zwei in Italien – und die staatliche Agentur Sviluppo Italia bereit. Granarolo hat bereits vor einer Woche Interesse angemeldet, allerdings auch auf mögliche Wettbewerbsbedenken seitens des Kartellamts in Rom hingewiesen. Ob eine Beteiligung von Sviluppo Italia von der EU-Kommission als Staatshilfe bewertet würde, ist offen. Nach Angaben aus Bankenkreisen stehen weitere Finanzinvestoren wie der Private-Equity-Fonds Clessidra des früheren Berlusconi-Managers Claudio Sposito bereit. Außerdem wird vom neuen Management geprüft, inwieweit Parmalat-Altaktionäre unter Ausschluss der Gründerfamilie Tanzi an der neuen Gesellschaft beteiligt werden können. Der seit Ende Dezember inhaftierte Ex-Unternehmenschef Calisto Tanzi hält noch formal 51 % des Stammkapitals.

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