Industrie
Paris gibt Alstom noch mehr frisches Geld

Der französische Staat lässt sich bei der Unterstützung für den angeschlagenen Konzern nicht lumpen. Die Hilfen werden fast verdoppelt.

BRÜSSEL. Der französische Staat will zur Rettung des angeschlagenen Energie- und Anlagenkonzerns Alstom viel mehr Geld fließen lassen, als bislang bekannt war. Die Regierung in Paris habe gegenüber EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti eine neue, kurzfristige Liquiditätshilfe von 900 Mill. Euro angekündigt, sagte ein Kommissionssprecher dem Handelsblatt (Mittwochausgabe) in Brüssel. Damit steigt die französische Unterstützung von ursprünglich 1,1 auf jetzt 2,0 Mrd. Euro. Weitere 6,3 Mrd. Euro steuern die Gläubigerbanken bei.

Die fast verdoppelte Finanzhilfe begründete Frankreichs Finanzminister Francis Mer in einem Schreiben an Monti mit der wochenlangen Auseinandersetzung zwischen Brüssel und Paris über eine Kapitalbeteiligung des Staates bei Alstom. Die „anhaltende Rechtsunsicherheit“ habe die Situation des Unternehmens „radikal verschlechtert“, schreibt Mer. Alstoms Auftragsvolumen sei rückläufig, es gebe kein Neugeschäft.

Nach Angaben aus Kommissionskreisen war die Wettbewerbsbehörde von der am vergangenen Freitag in Brüssel eingegangenen Ankündigung „überrascht“. Monti wolle wegen der Aufstockung der Beihilfen jedoch keinen neuen Streit mit der französischen Regierung, hieß es. Allerdings müsse sich die Regierung in Paris darüber im Klaren sein, dass zusätzliche Schulden die Sanierung des Energie- und Anlagenkonzerns erschwerten. Womöglich übersteige der Gesamtumfang der Beihilfen inzwischen schon den Unternehmenswert von Alstom. Das Verhältnis zwischen Eigenkapital und Schulden liege bereits bei 1:6.

„Unter diesen Umständen wird es für Alstom schwer, Vertrauen zu gewinnen und neue Aufträge zu akquirieren“, sagte ein Brüsseler Wettbewerbsexperte. Daher sei die neue französische Liquiditätshilfe letztlich ein „Pyrrhussieg“.

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