Pariser Autosalon
Daimler dringt auf Einigung mit BMW

Der Autokonzern Daimler verliert offenbar allmählich die Geduld mit den seit einem Jahr laufenden Gesprächen über eine Kooperation mit BMW. „Ich kann nur sagen, dass wir im Grundsatz konstruktive Gespräche führen“, sagte Daimler-Boss Dieter Zetsche am Rande des Autosalons in Paris. „Aber die müssen möglicherweise auch zu Ergebnissen führen, sonst muss man sie einstellen.“ Mit dieser Aussage deutet Zetsche erstmals ein Scheitern der Gespräche an.



PARIS. BMW wollte sich zu Details der Gespräche mit Daimler nicht äußern. „Wir sind in guten Gesprächen mit Daimler. Aber wir sind Wettbewerber – und wollen das auch bleiben“, sagte BMW-Chef Norbert Reithofer dem Handelsblatt. Die Gespräche über eine Kooperation stehen damit offensichtlich vor einem Scheideweg. Medien hatten in den vergangenen Wochen bereits eine Einigung auf eine Einkaufskooperation verkündet. Ein Vollzug blieb bislang aber aus.



Ein gemeinsamer Einkauf von nicht markenrelevanten Teilen wie Gurtaufrollern oder Klimaanlagen könnte den beiden größten deutschen Premiumherstellern nach Angaben aus Konzernkreisen rund 350 Mill. Euro allein im ersten Jahr sparen. Die Gespräche über einen engeren Schulterschluss sind damit auch eine Reaktion auf den heranziehenden neuen Großkonzern VW-Audi und Porsche, der insbesondere dem Ingolstädter Konkurrenten wesentlich höhere Synergieeffekte mit dem Mutterkonzern beschert, als sie die Rivalen aus München und Stuttgart vorweisen können. Doch offenbar fällt den Konzernen eine Zusammenarbeit schwerer als gedacht.

Daimler-Chef Zetsche hatte bereits im Herbst vergangenen Jahres bestätigt, dass Daimler mit BMW und anderen Autobauern über kostensparende Kooperationen verhandelt. Eine weitreichende Zusammenarbeit in Form eines gemeinsamen Plattformkonzeptes mit den Bayern ist jedoch bereits vom Tisch. BMW hatte Daimler auch angeboten, sich an seinem Motoren-Bündnis mit dem französischen Hersteller Peugeot zu beteiligen. Doch die Stuttgarter neigen dazu, für die nächste Kompaktwagen-Generation der A- und B-Klasse statt dessen abermals auf eigene Motoren zu setzen. Erste konkrete Ergebnisse der seit Herbst 2007 laufenden Gespräche der Erzrivalen stehen damit weiter aus.

BMW und der Mercedes-Mutterkonzern Daimler kooperieren bisher lediglich in einzelnen technischen Bereichen wie der Entwicklung des Hybridmotors, einer Kombination aus Elektro- und Verbrennungsmotor. Beide Hersteller wollen jedoch angesichts der Klimadebatte in Zukunft eine führende Rolle bei emissionsarmen und umweltfreundlichen Fahrzeugen einnehmen. Insbesondere im margenschwachen Kleinwagen-Segment lassen sich durch Kooperationen deutliche Kostenvorteile erzielen: Ohne Partner fehlen häufig die nötigen Stückzahlen, um die Komponenten günstig herstellen zu können. Neben Daimler spricht BMW auch mit dem italienischen Hersteller Fiat über eine Zusammenarbeit, die in eine Zusammenarbeit zwischen Mini und Alfa Romeo münden könnte.

Der Trend zu Allianzen in der Branche beschleunigt sich damit weiter. Denn BMW und Daimler sind nicht die einzigen Hersteller, die sich nach Partnern umschauen.So bauen Peugeot, Toyota und Citroen bereits gemeinsam im tschechischen Kolin Kleinwagen für den europäischen Markt. Auch die Autohersteller Fiat und Ford schmiedeten bereits ein Kleinwagen-Bündnis. Mercedes baut mit VW leichte Transporter, VW wiederum baut die Karosserie für den Porsche-Geländewagen Cayenne auf Basis des VW Touareg sowie künftig für den geplanten Porsche-Viersitzer Panamera. Stefan Bratzlel, Professor an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach schätzt das Sparpotenzial von Kooperationen zwischen Herstellern je nach Fertigungstiefe auf bis zu 40 Prozent.

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