Pariser Autosalon
Lotus – das minutiös geplante Comeback eines Mythos

Die Sportwagen-Marke Lotus ist in der Autobranche ein Mythos - nur kein finanziell erfolgreicher. Nun wagt der malaysische Eigentümer Proton unter der Ägide des Management-Wunderkinds Dany Bahar in Paris ein Comeback: mit fünf neuen Autos, zwei Stars aus dem Showbusiness und viel Pathos. Lotus setzt alles auf eine Karte.
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PARIS. Größer als Aston Martin oder Jaguar, pompöser als Porsche oder Ferrari. Gleich über zwei Ebenen erstreckt sich der vollverglaste Messeauftritt des Sportwagen-Herstellers Lotus. Im Erdgeschoss der Halle fünf auf dem Pariser Autosalon führt an Lotus kein Weg vorbei. Auf einer gigantischen Videowand laufen die Bilder einer ruhmreichen Vergangenheit auf den Rennstrecken dieser Welt ab: Jim Clark, Graham Hill, Mario Andretti - alles legendäre Rennfahrer, alle fuhren sie unter der Ägide des Firmengründers Colin Chapman für Lotus, sahen wieder und wieder vor Ferrari und der restlichen Konkurrenz die Zielflagge. Bilder, Erinnerungen an eine glorreiche Vergangenheit hängen überall.

Auf der langen Balustrade des Lotus-Stands werden nachher die Macher des wohl spektakulärsten und wagemutigsten Comebacks der Automobilbranche in diesem Jahr stehen - und in die Gesichter Hunderter Zuschauer und fast einem Dutzend Fernsehkameras blicken, um zu sehen, ob das Volk, potenzielle Käufer und Interessenten, ob die Automobilbranche die Message verstanden hat: Lotus ist zurück - und will gleich mit fünf neuen Autos bis zum Jahr 2015 wieder ganz nach oben in die erste Liga der etablierten Sportwagen-Hersteller.

Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Lotus reiht sich bislang nahtlos ein in die Phalanx kränkelnder Automarken mit viel Historie, aber wenig Fortüne. Alfa Romeo, Lancia, Saab, alle irgendwie noch da, aber trotz zahlreicher Versuche nicht wirklich erfolgreich. Das gilt auch für Lotus. Seinem malaysischen Eigentümer, dem Automobilhersteller Proton, der 80 Prozent der Anteile hält, hat Lotus seit der Übernahme im Oktober 1996 nur wenig Glück gebracht. Rote Zahlen bis heute - und das bei einem Investment in Höhe von 400 Millionen Dollar. Für Proton, einen Autohersteller mit einem Absatzziel fürs laufende Geschäftsjahr von 170.000 Autos und einem Nettogewinn im ersten Quartal von 84,7 Millionen Ringgit (19,58 Millionen Euro), keine Kleinigkeit. "Das ist eine Menge Geld", sagt Dato' Haji Syed Zainal Abidin Syed Mohamed Tahir, Geschäftsführer der Proton-Gruppe, im Gespräch mit Handelsblatt Online.

Ein Grund, warum das Schicksal von Lotus auf der Kippe stand. Gerüchte machten die Runde, die Proton-Gruppe, an der der malaysische Staat mit mehr als 42 Prozent beteiligt ist, wolle einen großen Anteil an dem britischen Hersteller verkaufen. "Wir haben darüber diskutiert, ob wir Lotus aufgeben sollten, nachdem wir bereits so viel Geld investiert haben, oder ob wir noch mal einen großen Sprung nach vorne wagen wollen", sagt Zainal. "Am Ende haben wir uns dagegen entschieden, Lotus aufzugeben." Deswegen der riesige Stand in Paris, deswegen stehen dort auf dem Showfloor fünf mit grünen Tüchern abgedeckte Autos, neue Autos, mit denen Lotus auf einen Schlag sein gesamtes Portfolio modernisieren wird.

Die Gründe, warum Proton an Lotus festhält sind die gleichen wie die, warum die Malaysier sich den damals schon angeschlagenen Hersteller überhaupt zugelegt haben. Es geht um Technologietransfer, wobei damit weniger Motoren oder neue Technologien gemeint sind als vielmehr die Feinheiten des Autobaus, Handling, Abstimmung eines Fahrzeugs. Da war Lotus immer spitze. Und dann natürlich die Marke - Clark, Hill, Andretti haben auch in Malaysia einen guten Klang. "Eine traditionsreiche Marke wie Lotus zu diesem frühen Zeitpunkt zu übernehmen, war für ein malaysisches Unternehmen wie Proton ein großes Zeichen", erklärt Zainal die Beweggründe von damals während hinter ihm an der Wand des Besprechungsraums gerahmte Bilder von einst hängen.

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  • Guten Tag..... Mach die bremsen ab,... das spart Gewicht. besten Dank

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