Partnerschaft mit Gaz
Daimler erobert russischen Transporter-Markt

Daimler und der russische Autobauer Gaz verbünden sich beim Bau von Transportern. Der Sprinter von Mercedes-Benz wird künftig bei Gaz vom Band rollen. Daimler will einen bisher nahezu weißen Fleck erobern.
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HB STUTTGART. Beide Unternehmen wollen künftig gemeinsam leichte Nutzfahrzeuge der Marke Mercedes-Benz in Russland bauen, wie Daimler am Donnerstag in Stuttgart mitteilte. Im Beisein von Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin war zuvor in der Gaz-Zentrale Nischni Nowgorod eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet worden. Daimler will mehr als 100 Millionen Euro in die Werksmodernisierung stecken und künftig bei Gaz in Russland bis rund 25 000 Mercedes-Benz Sprinter vom Band rollen lassen. Mit der Investition spart sich Daimler die von der russischen Regierung zum Schutz der heimischen Autoindustrie erhobenen Zölle auf importierte Fahrzeuge, die bis zu einem Drittel des Fahrzeugpreises betragen können.

"Russland war für Mercedes-Benz Vans immer noch ein unerschlossener Markt", sagte Daimler-Manager Volker Mornhinweg, der die Transporter-Sparte der Stuttgarter leitet. In diesem Jahr sei zwischen Moskau und Wladiwostok mit dem Verkauf von rund 2000 Importfahrzeugen zu rechnen. Die meisten Transporter verkauft Daimler unter den Marken Mercedes-Benz und Freightliner in Westeuropa, Lateinamerika und Nordamerika. Bis Ende September summierte sich der weltweite Absatz an Handwerker und Spediteure auf 180 000 Transporter, bis Jahresende sollen es mindestens 214 000 ausgelieferte Fahrzeuge sein. Russland berge großes Potenzial für leichte Nutzfahrzeuge, ist Daimler überzeugt: Der russische Absatzmarkt werde sich bis 2020 auf bis zu 275 000 Transporter mehr als verdoppeln, sagte Mornhinweg.

Russland sei ein "attraktiver" Investitionsstandort mit großen Wachstumschancen, begründete Daimler-Chef Dieter Zetsche den Schulterschluss mit Gaz. Mit der Produktion in Russland schafft Daimler das Problem der hohen Importzölle aus dem Weg und dürfte künftig sogar noch Steuervergünstigungen kassieren.

Außer mit Gaz hatte Daimler in den vergangenen Monaten auch mit seinem russischen Partner Kamaz verhandelt, mit dem sich die Stuttgarter bei schweren Lkw zusammengetan haben.

Die Mercedes-Benz-Transporter sollen ab dem kommenden Jahr bei Gaz vom Band rollen. Dazu werden die Fahrzeuge in Einzelteilen zu Gaz in das rund 400 Kilometer östlich von Moskau gelegene nach Nischni Nowgorod transportiert und dort zusammengebaut. Motoren, Getriebe, Achsen und weitere Komponenten sollen vor Ort gefertigt werden. Verkauf und Service erfolgt über das Gaz-Vertriebs- und Werkstatt-Netz.

Gaz hat seine nicht ausgelasteten Fertigungskapazitäten zuletzt mehreren westlichen Autobauern angeboten. Auch Volkswagen verhandelte zuletzt mit den Russen über die Fahrzeug-Montage. Das vom russischen Oligarchen Oleg Deripaska kontrollierte Unternehmen ist der einzige große russische Autobauer ohne westlichen Partner. Gaz sieht sich als Marktführer bei Nutzfahrzeugen mit einer Nutzlast von 2,8 bis 8,2 Tonnen. Gemeinsam mit der russischen Sberbank und dem kanadischen Zulieferer Magna hatte sich Gaz um die Übernahme von Opel beworben.

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