Passagierflugzeug
Russland rollt seine Jet-Hoffnung aus dem Hangar

Russland ist zurück auf dem internationalen Parkett der Luftfahrtindustrie: Zum ersten Mal seit dem Ende der Sowjetunion wird ein Flugzeug nach internationalen Standards hergestellt. Mit dem nun vorgestellten „Superjet 100“ will Russland seine Luftfahrtbranche wiederbeleben und an alte Zeiten anknüpfen – noch mit ausländischer Hilfe.

HB MOSKAU. Anders als der Name vielleicht vermuten lässt, handelt es sich beim „Superjet 100“ nicht um eine Konkurrenz zu den Großraumflugzeugen von Airbus und Boeing. Der „Superjet“ ist vielmehr ein Regionalflugzeug und bietet Platz für 78 bis 98 Passagiere. Das Passagierflugzeug wurde von der russischen Firma Suchoi in Kooperation mit einstigen Feinden aus dem Kalten Krieg gebaut, etwa dem US-Konzern Boeing.

Am Mittwoch wurde die Maschine im fernen Osten des Landes vorgestellt. Das erste neue Flugzeug seiner Art seit dem Ende der Sowjetunion wurde zunächst den 1 000 geladenen russischen Gästen sowie ausländischen Investoren in Komsomolsk am Amur präsentiert – einst ein abgeriegeltes Zentrum der sowjetischen Waffenproduktion. Flankiert von Werksarbeitern und Models rollte der in den russischen Nationalfarben lackierte „Superjet 100“ am Mittwoch bei strahlendem Sonnenschein aus der riesigen Flugzeugfabrik. Der Erstflug wird noch für dieses Jahr erwartet, die Zulassung durch europäische und US-Behörden im nächsten Jahr.

„Ich habe keine Zweifel, dass der Jungfernflug noch in diesem Jahr stattfindet und die ersten sechs Maschinen 2008 an Aeroflot ausgeliefert werden“, sagte Vizeregierungschef Sergej Iwanow. Auch Frankreich und Italien hätten die Entwicklung des Kurz- und Mittelstreckenflugzeugs unterstützt, sagte der Chef der Herstellerfirma Suchoi, Michail Pogossjan, bei der Zeremonie.

Die wegen ihrer Kampfjets international erfolgreiche Firma hatte eigens eine Zivilsparte für die Entwicklung des Jets gegründet und Der bemüht sich seit knapp zehn Jahren, in den Markt für zivile Flugzeuge einzudringen. Suchoi gehört zur neuen staatlichen Flugzeugbauholding UAC, mit der Russland wieder konkurrenzfähig werden will auf dem internationalen Markt.

„Das Industriedesign ist auf Weltniveau“, lobte Iwanow. Bisher gebe es 73 feste Bestellungen und 39 Optionen. Langfristig sollen mehr als 1 000 Maschinen des Typs abgesetzt werden. Russland hatte in den vergangenen Jahren immer nur einzelne Passagierflugzeuge verkauft. Das Flugzeug – mit je nach Ausstattung bis zu 100 Sitzen – soll den Herstellern Embraer (Brasilien) und Bombardier (Kanada) Konkurrenz machen. „Russland hat bisher keine modernen Passagierflugzeuge produziert, die internationale Standards erfüllen“, sagte Iwanow. Der Jet erfülle alle Sicherheitsanforderungen. Bis 2015 will das Land mit zur Weltelite der Flugzeugbauer gehören.

Der mit modernster Computertechnik ausgestattete Jet soll bis Ende 2007 erstmals abheben und von November 2008 an ausgeliefert werden. Der Preis für eine Maschine wurde mit rund 28 Millionen Dollar (20 Mio Euro) angegeben. Zur Vermarktung und für Serviceleistungen hatten Suchoi und das italienische Unternehmen Alenia Aeronautica ein gemeinsames Unternehmen gegründet. Bislang hat Suhhoi 73 „Superjets“ für 28 Millionen Dollar pro Stück hauptsächlich an russische Fluggesellschaften verkauft. Insgesamt will Sukhoi mindestens 1000 „Superjets“ an den Mann bringen, 70 Prozent davon im Ausland.

Es ist eine Herzensangelegenheit von Präsident Wladimir Putin, Russlands zivile Luftfahrt wieder aus der Versenkung herauszuholen. So will er auch die Abhängigkeit des Landes vom Gas- und Ölgeschäft verringern. Die Flugzeuge der Weltmarktführer Airbus oder Boeing haben mindestens 100 Sitzplätze. Den Markt mit Regional-Jets beherrschen die brasilianische Embraer und die kanadische Bombardier. Auch China und Japan machen sich auf, hier mitzumischen. Analysten zweifeln jedoch, ob neben Embraer und Bombardier Platz für weitere Anbieter ist.

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