„Pasta Corner“ an deutschen Raststätten
Barilla erklärt Fast Food zum neuen Erfolgsrezept

Der italienische Nudelhersteller Barilla drängt in Deutschland ins Geschäft mit Fast Food. Reisende sollen bald in 250 deutschen Autobahnraststätten typisch italienische Pastagerichte bestellen können.

PARMA. Zu diesem Zweck hat Barilla bereits im Frühjahr eine Kooperation mit der Bonner Autobahn Tank & Rast GmbH & Co KG bis zum Jahr 2006 geschlossen, bestätigten beide Unternehmen übereinstimmend.

In den teilnehmenden Raststätten werden in einer „Pasta-Corner“ tiefgefrorene Nudelportionen zubereitet. Barilla und Tank & Rast setzen große Erwartungen ins Fast-Food-Geschäft: Erwartet wird ein Monatsumsatz von rund 15 000 Euro pro Verkaufsstätte und somit Erlöse von 45 Mill. Euro pro Jahr.

Sollte das Konzept erfolgreich sein, könnte es auch in den rund 2 000 Back-Shops der Düsseldorfer Kamps AG zum Einsatz kommen. „Falls der Kamps-Vorstand zustimmt“, schränkte Barillas Investor- Relations-Direktor Filippo Simioni ein. Allein als neuen Vertriebskanal wollen die Italiener Kamps in Zukunft nicht nutzen. „Dafür ist Kamps zu groß“, sagte Simioni. Die Parmenser haben ihren Anteil an Europas größtem Backwarenkonzern seit dem Beginn der Übernahme vor mehr als einem Jahr auf mehr als 97 % gesteigert.

„Vier bis fünf Jahre“, erläutert Simioni, habe der Aufbau des Geschäfts mit Pasta-Schnellgerichten in Anspruch genommen. Auch für die Integration von Kamps in das Kon- zern-Reich hat sich Barilla ein ausreichendes Zeitbudget zugestanden. Schließlich betrachtet das italienische Unternehmen den Düsseldorfer Großbäcker (Marke: Golden Toast) als langfristige Investition. Mit stabilen Resultaten rechnet die Barilla- Führung bei Kamps nach eingeplanter Konsolidierungsphase ohnehin erst in den nächsten Jahren.

Ausschlaggebend für den Kauf der Kamps-Gruppe war neben der geographischen Ergänzung des italienischen Pastaproduzenten „die große Gelegenheit, einen direkten Zugang zu einer Ladenkette zu bekommen“, erläuterte Barilla-Vizepräsident Paolo Barilla.

Das so genannte „Sqeeze-Out“- Verfahren, das die verbliebenen Kamps-Aktionäre gegen Abfindung aus dem Unternehmen drängen soll, läuft ganz nach Barillas Plänen. Man werde sich „streng an das deutsche Aktiengesetz halten“ und in wenigen Wochen eine außerordentliche Hauptversammlung abhalten, heißt es im Barilla-Management. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hat allerdings das Abfindungsangebot von Barilla in Höhe von 12,14 Euro pro Aktie bereits als „zu niedrig“ eingestuft. Barilla hatte bei der Übernahme 12,50 Euro pro Aktie bezahlt.

Barilla hat sich nach der Kamps- Akquisition komplett neu aufgestellt. Die einstige Finba Bakery ist in die Barilla Holding S.p.A. umgewandelt worden, unter deren Dach die drei Unternehmensteile Barilla, Gran Milano und Kamps weitgehend eigenständig operativ agieren.

Im vergangenen Geschäftsjahr steigerte die Barilla-Gruppe ihren Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 44 % auf 3,44 Mrd. Euro. Dabei flossen die Erlöse der Kamps AG aus der zweiten Jahreshälfte 2002 in Höhe von 765 Mill. Euro in die Erfolgsrechnung ein. Mit der Übernahme von Kamps stiegen auch die Schulden des italienischen Konzerns von 467 Mill. auf 1,59 Mrd. Euro. Barillas Nettogewinn sank gegenüber dem Vorjahr von 72 auf 55 Mill. Euro.

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