Patent
Imclone verliert Streit um Krebsmittel Erbitux

Der Streit zwischen zwei Koryphäen der Pharmabranche könnte die US-Biotechnologiefirma Imclone teuer zu stehen kommen. Wie das Unternehmen mitteilte, unterlag es in einer gerichtlichen Auseinandersetzung um das Patent für ihr einziges marktreifes Produkt, das umsatzstarke Krebsmittel Erbitux.

lee FRANKFURT. Nach Einschätzung von Analysten muss Imclone nun möglicherweise bis zu einem Fünftel seines Gewinns als Gebühren an die israelische Firma Yeda abführen, die die Forschungsergebnisse des Weizmann Instituts in Rehovot vermarktet, das die Forschungsergebnisse für sich beansprucht.

Imclone kündigte an, das Urteil anzufechten. Das Unternehmen geht den Angaben zufolge nicht davon aus, dass sich das Urteil negativ auf die Erbitux-Umsätze auswirken werde. Im Zuge des Rechtsstreits hat die Aktie etwa ein Drittel an Wert eingebüßt. Am gestrigen Dienstag gab die an der Technologiebörse Nasdaq notierte Aktie noch einmal knapp ein Prozent auf 30,52 Dollar nach. Ob Patentinhaber Sanofi-Aventis ebenfalls gegen das Urteil vorgehen wird, blieb unklar.

Der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck, der die Vermarktungsrechte für Erbitux außerhalb der USA von Imclone einlizenziert hat, fürchtet nach Angaben einer Sprecherin keine Konsequenzen für das eigene Geschäft. „Als Yeda seine Ansprüche geltend macht, haben wir eine Vereinbarung getroffen“, sagte sie, wollte aber auf finanzielle Details nicht eingehen.

Der Patentstreit bezieht sich auf zwanzig Jahre alte Forschungsergebnisse, die Imclone bereits 1994, also lange vor der Zulassung von Erbitux, einlizenzierte. Das Patent, auf dem eine Forschergruppe um den Yale-Professor Joseph Schlessinger als Erfinder genannt sind, gehört dem französischen Pharmakonzern Sanofi-Aventis. Yeda hatte Imclone und Sanofi-Aventis verklagt, weil Schlessingers Lehrer Michael Sela vom Weizmann Institute den Forschungserfolg für sich beansprucht.

Nach Darstellung Yedas forschte Sela bereits an der Wirkstoffkombination, als Schlessinger während eines beiläufigen Gesprächs mit einem Kollegen anbot, eine Substanz beizusteuern. Anschließend habe der damals junge Wissenschaftler ein Sabbatjahr Selas genutzt, um die Forschungsergebnisse der pharmazeutischen Industrie anzubieten. „Es war ein Schock, als ich das Patent im Jahr 2002 erstmals sah“, zitiert die Tageszeitung „USA Today“ den 82-jährigen Sela. Er habe Schlessinger bis zu diesem Moment immer als Freund und Protegé gesehen.

Imclone setzte nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr 413 Mill. Dollar mit dem Krebsmedikament um. Yaron Werber, Pharma-Analyst bei der Citigroup, ging vor der Gerichtsentscheidung davon aus, dass Yeda nur zum Mitinhaber des Patents gemacht werde. In diesem Fall hätte Imclone seinen Berechnungen zufolge zwischen acht und 24 Prozent es Nettogewinns an die Israelis abtreten müssen. In dem jetzt eingetretenen Fall hätte Yeda aber zumindest theoretisch die Möglichkeit, Imclone den Vertrieb des Mittels zu untersagen. Bei Yeda war am Dienstag niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

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