Patente laufen aus
Boehringer Ingelheim will kräftig sparen

Starke Medizin für Boehringer Ingelheim: Der Pharmakonzern will deutlich sparen. Die Kosten sollen bis zu 15 Prozent gesenkt werden. Auch für die Mitarbeiter bedeutet das nichts Gutes.
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BerlinDeutschlands zweitgrößter Arzneimittelhersteller Boehringer Ingelheim setzt den Rotstift an. „Wir haben uns selbst das Ziel gesetzt, insgesamt 15 Prozent einzusparen in Deutschland“, sagte eine Konzernsprecherin am Montag. Boehringer machen momentan Patentabläufe bei wichtigen Medikamenten zu schaffen. Daneben stehen eine Reihe von Arzneien vor dem Marktstart. Mit dem Sparkurs will sich das Familienunternehmen Spielraum schaffen für die anstehenden Investitionen.

Ansetzen will Boehringer in Deutschland unter anderem bei den Personalkosten. Zwar gebe es weiter Bereiche, wo Personal aufgebaut werde, sagte die Sprecherin. Es würden aber auch Stellen umgeschichtet und Positionen etwa nach Pensionierungen nicht mehr neu besetzt. „Wir sehen uns die Kostenstruktur in jeder Funktion genau an“, sagte die Sprecherin. Sie bestätigte damit einen entsprechenden Bericht der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Montagausgabe).

Das Familienunternehmen aus Ingelheim bei Mainz hat aktuell in Deutschland rund 14.000 Beschäftigte. Nach Angaben der Sprecherin stieg hier zu Lande die Zahl der Mitarbeiter innerhalb von zwölf Monaten bis Ende Juni um 950. Nun werde der Konzern „in eine Konsolidierungsphase eintreten“ und den Zuwachs beschränken, erklärte die Sprecherin. Weltweit hatte der Konzern 2013 etwa 47.500 Beschäftigte.

Boehringer bekommt aktuell den zunehmenden Wettbewerb bei Medikamenten gegen Raucherlunge (COPD) zu spüren - einem der zentralen Therapiefelder des Unternehmens. Das COPD-Präparat Spiriva ist derzeit umsatzstärkstes Medikament des Konzerns mit Jahreserlösen 2013 von 3,55 Milliarden Euro. Der Umsatz stagnierte aber zuletzt. Spiriva gehört mit dem Präparat Advair von Glaxo-Smithkline (GSK) zu den weltweit führenden COPD-Medikamenten. Es ist jedoch bereits seit zwölf Jahren auf dem Markt – Advair ist noch älter und kämpft bereits mit Generika-Konkurrenz.

Auch bei Spiriva laufen in den nächsten Jahren je nach Land die Patente aus. Dann dürfte der Umsatz mit dem Mittel deutlich nach unten gehen. Zudem büßte bereits Ende 2013 das umsatzstarke Herzmittel Micardis in vielen europäischen Ländern den Patentschutz ein - das drückt schon jetzt kräftig auf die Umsätze. Auch Micardis stand immerhin zuletzt für einen Jahresumsatz von 1,37 Milliarden Euro.

Boehringer rechnet zwar damit, dass Spiriva noch weitere Zulassungen erhält - etwa gegen Asthma - und setzt auf neue Kombinationspräparate mit dem Wirkstoff. Dies wird aber den Umsatzrückgang nicht wettmachen können. Neue Präparate, die die Delle ausbügeln, stehen erst in den Startlöchern oder sind erst seit kurzem auf dem Markt. „Wir rechnen derzeit mit zehn Neu-Einführungen in den kommenden zwei Jahren“, sagte die Sprecherin. Neueinführungen erfordern aber hohe Investitionen in Vertrieb und Marketing.

Mit dem Sparkurs will Boehringer somit erreichen, dass die Kosten nicht davonlaufen. Deutschlands zweitgrößter Arzneimittelhersteller nach Bayer will sich aber auch insgesamt schlagkräftiger aufstellen. Um sich als Pharmaunternehmen zu behaupten, brauche das Unternehmen eine flexiblere und weniger komplexe Organisation, erklärte die Sprecherin. Konkrete Umbauschritte nannte sie allerdings zunächst nicht.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Tobias Döring, Redakteur Unternehmen, Handelsblatt Online
Tobias Döring
Handelsblatt / Chef vom Dienst

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