Paulaner-Chef Tobias
„Gibt in Deutschland keinen nationalen Markt“

Der Paulaner-Chef verrät, wie man zwei Wochen Oktoberfest übersteht und warum eine Maß fast zehn Euro kostet. Im Interview erklärt er außerdem, warum deutsches Bier viel gelobt, aber weltweit wenig erfolgreich ist.
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MünchenHandelsblatt: Herr Tobias, Hand aufs Herz: Gehen Sie gerne aufs Oktoberfest?

Roland Tobias: Natürlich. Allerdings muss ich gestehen: Wenn Sie jeden Tag dort sind, dann spüren Sie das nach einer Woche schon.

Sie sind wirklich jeden Abend in einem Ihrer Zelte?

Fast. Das ist die wichtigste Veranstaltung des Jahres, um unsere Geschäftspartner einzuladen.

Wie halten Sie das durch, zwei Wochen lang jeden Abend Bier und Schweinshaxe?

Erstens trinke ich nicht nur Oktoberfestbier, sondern oft auch unser alkoholfreies Bier. Und zweitens hat uns der Betriebsarzt schon mit einer Überlebenspackung an Vitaminen versorgt.

Wie bitte, Sie trinken alkoholfreies Bier auf der Wies'n? Wie passt das denn zusammen?

Wenn ich jeden Abend so richtig bei unserem Oktoberfestbier zulangen würde, dann ginge das vielleicht drei Tage. Dann müsste ich aufgeben. Aber ich versichere Ihnen: Unser alkoholfreies Bier schmeckt und ist inzwischen akzeptiert auf dem Oktoberfest.

Dieses Jahr kostet die Maß fast zehn Euro, ein enormer Preis. Im Supermarkt gibt's dafür einen ganzen Kasten.

Die Kosten für das Bier selbst sind ja nur ein Teil der Kalkulation. Der riesige Aufwand zum Beispiel für die Logistik und die Sicherheit muss da auch mitberücksichtigt werden. Und der Besucher bekommt Livemusik geboten.

Das Publikum scheint der Preis ohnehin nicht zu schrecken. Jedes Jahr kommen mehr Leute.

Stimmt, aber wir stoßen an Grenzen. Vor allem bei der Logistik. In den immer kürzeren Anlieferzeiten können Sie kaum mehr genug Bier an die Schänken schaffen. Deshalb haben wir in inzwischen drei Zelten jeweils eine Ringleitung mit einem zentralen Tank gelegt.

Wie wichtig ist denn das Oktoberfest für Ihr Unternehmen?

Es sorgt für unglaubliche Aufmerksamkeit und ist damit für die Münchener Brauer unbezahlbar. Vom Umsatz her hält sich die Bedeutung in Grenzen, es steht für etwa ein Prozent unserer Verkäufe.

Ist es eigentlich noch zeitgemäß, nur Münchener Biere auf dem Oktoberfest zuzulassen?

Das Oktoberfest ist seit jeher ein Münchener Bierfest. Wo wollen Sie denn sonst die Grenze ziehen? Alles andere wäre willkürlich.

Das Oktoberfest ist rund um die Erde bekannt, die deutschen Brauereien hingegen spielen auf dem Weltmarkt kaum eine Rolle. Komisch, oder?

Das liegt daran, dass die deutschen Brauer angesichts der zersplitterten Branche stets mit sich selbst und den benachbarten Konkurrenten beschäftigt waren. Sie haben lange viel zu wenig über den Tellerrand hinaus geblickt und versäumt, Allianzen zu bilden.

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Brauhäuser als Botschafter bayrischer Bierkultur

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  • "Der Normalverbraucher bekommt meistens schlechtere Ware im Vergleich zu heimischen Produkten, die mehr und mehr verschwinden."

    Aha...
    da es allerdings kaum ein rein deutsches Produkt mehr gibt, können sie aber wohl auch kein Beispiel anführen wo es wirklich so ist, oder wollen sie etwa den rein in Deutschland produzierten VW aus den 30ern mit dem aus internationalen Beständen produzierten VW von heute vergleichen?

    Die Qualität meines bestimmt 10 jahre alten Funkweckers aus International, ist auch nicht wirklich schlecht..eigentlich sogar sehr gut.
    Erst die dritte Batterie drin und trotz Schüsse mit einer Soft Air auf sein Display, immernoch voll funktionstüchtig und zuverlässig...
    Von schwindender Qualität durch Globalisierung merk ich herzlich wenig und ich bin Verbraucher.
    (Und dies ist jetzt nur ein Beispiel)

  • Fortschritt? Ist ein wirklich ein Fortschritt , wenn kleine Brauereien verschwinden und wir nur noch 1 Brauerei haben mit nur einem geschmackslosen Bier, aber 100.000 verschiedene Etiketten auf den Flaschen?

  • Ein interessantes Interview, zeigt es doch symptomatische Haltungen der Parteien. Hier der betriebswirtschaftlich denkende Fragesteller, dort der erstaunlich lokal denkende erfolgreiche Unternehmer.
    Das ganze ist auch eine Fragestunde, warum die Globalisierung bei den deutschen Brauereien nicht durchschlägt. Diese Tatsache ist vielleicht die schönste Nachricht, denn von der Globalisierung profitieren in erster Linie Aktionäre, Manager und Banken. Der Normalverbraucher bekommt meistens schlechtere Ware im Vergleich zu heimischen Produkten, die mehr und mehr verschwinden. Zusätzlich werden Arbeitsplätze bei uns vernichtet und Arbeits-Sklaven in anderen Ländern gehalten, der Verbraucher wird über die Herkunft der Waren teilweise noch betrogen - Ananas aus Hawaii kommen aus den Philippinen, Amerikanische, Finnische und koreanische Handys "made in China" werden in Wirklichkeit in Vietnam und den Philippinen hergestellt, weil es dort noch billger ist zu produzieren.
    Verkauf ist zum grossen Teil eine Sache der Reklame, gerade bei food und Getränken kann so viel kaschiert werden mit Chemikalien. Man wäre schlecht beraten das in Deutschland angebotene chinesische Bier zu trinken angesichts von Vorfällen des tödlichen chinesischen Babyfood, den mit x Chemikalien vollgepressetn chinesischen Backwaren einschliesslich unserer "frischen Brötchen" von Aldi und Lidl usw.
    Den Produzenten in Asien, die für die Verbraucher anonym sind, die ständig die Politiker unter Druck setzen mit Globalisierung = Fortschritt - diesen Leuten geht es zum Teil in verbrecherischer Art nur um Profit und nochmals Profit. Expansion, Effizienz, Eroberung der Märkte hat direkt nichts mit Qualität zu tun, sondern nur mit Geld.

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