Pech für Bochumer Werk
Opels Astra-Cabrio kommt bald aus Polen

Das Opel-Werk in Bochum muss einen Rückschlag verkraften: Im Ringen um den Bau des geplanten Astra Cabrio wird sich der Konzern aller Voraussicht nach für den Standort in Gliwice in Polen entscheiden. Eine zweite Modellreihe wäre für das Bochumer Werk wichtig gewesen.
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FRANKFURT. Der Autohersteller Opel lässt den neuen Astra Cabrio voraussichtlich nicht in Deutschland fertigen. Nach Informationen aus Konzernkreisen zeichnet sich ab, dass das polnische Werk Gliwice den Zuschlag für die Fertigung des Modells bekommen wird. Der deutsche Standort Bochum geht damit leer aus und muss weiter um eine zweite Modellreihe kämpfen, die zur besseren Auslastung des Werks wichtig ist. Noch hat der Vorstand allerdings nicht über den Produktionsauftrag entschieden. Ein Opel-Sprecher wollte die Informationen nicht bestätigen.

Der neue Astra Cabrio soll bereits 2013 auf den Markt kommen und wird vom Zulieferkonzern Magna entwickelt. Der Astra Cabrio war bisher im Werk Antwerpen gebaut worden, dessen Tore der Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) vergangene Woche endgültig schloss. Bochum kann sich aber laut Konzernkreisen noch Hoffnungen machen, einen Teil der nächsten Generation des Geländewagens Antara zu produzieren, der erstmals auch in Europa gebaut werden soll.

Der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel sieht die Zukunft des Werks ohne eine zweite Modellreihe gefährdet. Bisher hat Bochum nur den Zuschlag für die Produktion des nächstes Jahr neu startenden Vans Zafira. Opel-Boss Nick Reilly treibt damit die Neuordnung der Produktion voran. Bereits im Sommer hatte Reilly entschieden, den geplanten Kleinstwagen Junior im deutschen Werk Eisenach zu bauen. Reilly hatte sich im Sommer dieses Jahres in den Verhandlungen mit den Arbeitnehmern auf die Einführung mehrerer neuer Produkte verständigt.

Calibra-Nachfolger geplant

Neben dem Cabrio sind demnach auch eine überarbeitete Version der Limousine Insignia, der Junior sowie ein Nachfolger des Kastenwagens Combo fest eingeplant, der vom Konkurrenten Fiat gebaut wird. Im internen Modellplan vorgesehen ist darüber hinaus laut Konzernkreisen auch ein Nachfolger für den eingestellten Coupé Calibra, der sich optisch an der bereits enthüllten Studie GTC Concept orientieren wird. Auf die Produktion des Wagens, der auf der Insignia-Plattform stehen wird, macht sich vor allem das Rüsselsheimer Stammwerk Hoffnung. Eine Entscheidung darüber ist allerdings noch nicht gefallen. Die Arbeitnehmer hatten sich im Gegenzug für die Produktzusagen des Managements verpflichtet, bis 2014 jährlich 265 Millionen Euro zur Restrukturierung beizusteuern. Das Geld ist allerdings an konkrete Fertigungsaufträge gebunden.

Das polnische Werk Gliwice gilt als einer der produktivsten im Europareich von GM und ist dank der geringeren Lohnkosten deutlich günstiger in der Fertigung als die deutschen Werke. Gliwice ist bereits Standort für den Zafira und den Kompaktwagen Astra. Die Cabriovariante des Golf-Rivalen soll nach internen Plänen statt des aufwendigen, dreiteiligen Blechdachs wieder eine Stoffhaube erhalten, erfuhr das Handelsblatt aus Konzernkreisen. Opel ist derzeit die größte Baustelle von General Motors, das erst jüngst die Rückkehr an die Börse in New York geschafft hatte. Der Verlust der Rüsselsheimer wird sich nach Schätzung des Managements 2010 auf insgesamt 1,4 Milliarden Euro summieren, wovon etwa eine Milliarde auf die Sanierung entfällt. Auch im kommenden Jahr werden Sonderaufwendungen für Abfindungen im Zuge des umfangreichen Arbeitsplatzabbaus das Ergebnis massiv belasten.

Wichtigster Markt lahmt

Im eigentlichen Kerngeschäft mit dem Bau und Verkauf von Autos will Reilly dagegen 2011 wieder ein ausgeglichenes Ergebnis erzielen. 2012 strebt Opel wieder deutliche Gewinne an. Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz warnte jüngst davor, dass das nächstes Jahr "brutal" für den Hersteller werde. Der Automarkt in Europa, vom dem Opel maßgeblich abhängt, werde zunehmend härter. So geht das Institut für Automobilwirtschaft in Nürtingen davon aus, dass der Markt in Westeuropa im kommenden Jahr auf niedrigem Niveau stagnieren wird. Die Konzernmutter in Detroit dringt jedoch auf rasche Erfolge. Reilly hat dem Hersteller deshalb ein hartes Sanierungsprogramm verordnet. Europaweit sollen rund 8000 der 48 000 Jobs wegfallen.

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  • Als Mitarbeiter von Opel, finde ich es bedauerlich, dass die Deutschen Werke (ausgenommen Rüsselsheim)
    ausbluten.
    bei uns im Werk Kaiserslautern, versucht man mit allen Mitteln Mitarbeiter billig los zu werden.
    Auch werden nach den Feiertagen bei GKN im Werk Kaiserslautern über 100 Kolleginnen und Kollegen ihren Arbeitsplatz verlieren.
    Dies sind alles ehemalige Opelaner die man billig losgeworden ist.
    Verraten und verkauft hat man uns und es geht weiter.
    Vielen Dank an alle Schwätzer und Hetzer der letzen Jahre die uns Arbeitnehmer nur dazu benutzt haben um ihren eigenen Arsch zu retten und den ihres gleichen.
    Wozu haben wir beiträge bezahlt, sind auf die Straße gegangen und haben schon seit Jahren auf Geld verzichtet?

    Aus AG mach GmbH und aus GmbH mach AG.
    Gerade so wie es dem Napoleon aus Rüsselsheim passt.

    ich wünsche allen die für die Misere (Scheiße;um es auf den Punkt zu bringen)bei Opel Verantwortung tragen
    keine schöne besinnliche Weihnacht und auch kein gutes Neues Jahr.

    Meine Wünsche richte ich an all die, die nächstes Jahr um ihren Arbeitsplatz bangen müssen oder ihr sogar verlieren werden.

    Liebe Kolleginnen und Kollegen kämpft weiter aber schaut genau hin und lauscht den Worten der Redner.

    Ein einfacher Mitarbeiter.

    Frohes Fest und auf bald.
    Jörg Juner

  • Guten Tag;.... ich habe gehoert,.... boese Zungen sagen " die Meisten kehren ja auch bei Nacht und Nebel dahin zurueck "....... Waere es dann nicht besser wir lassen sie gleich da. besten Dank

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