Pechiney weist Offerte als unfreundlich zurück
Alcan will Pechiney schlucken

Der kanadische Aluminiumhersteller Alcan Inc will den französischen Pechiney-Konzern für 3,4 Mrd. € übernehmen und mit dem Konkurrenten zum weltweiten Branchenführer nach Umsatz verschmelzen.

Reuters PARIS. Pechiney wies die Offerte am Montag als unfreundlich zurück. Dies ist bereits der zweite Kaufversuch der Kanadier, die mit mehreren Werken auch in Deutschland vertreten sind. Vor dreieinhalb Jahren war eine Fusion am Einspruch der EU-Wettbewerbshüter gescheitert.

Sollte Alcan diesmal Erfolg haben, entstünde ein Aluminiumproduzent mit einem Jahresumsatz auf Pro-Forma-Basis von 24 Mrd. Dollar. Der neue Konzern würde den bisherigen Branchenprimus Alcoa von der Spitze verdrängen; dieser hatte 2002 Erlöse von 20,3 Mrd. Dollar erwirtschaftet. Nach Marktkapitalisierung und Produktionsvolumen bliebe das US-Unternehmen jedoch die Nummer Eins.

Der französische Konzern sprach von einem „unfreundlichen“ Angebot, das Pechiney zudem zu niedrig bewerte. Alcan muss daher nun das Management und die Aktionäre von Pechiney davon überzeugen, dass die Offerte in deren Interesse ist. In Frankreich gab es bislang kein feindliches Übernahmeangebot von einem ausländischen Unternehmen in dieser Größenordnung. Branchenexperten sehen aber noch weitere Hürden für die Kanadier. So sei nun mit etwas höheren Kaufofferten von anderen Unternehmen zu rechnen. Analysten nannten als Interessenten den internationalen Bergbaukonzern Anglo American und den norwegischen Energie-, Metall- und Düngemittelerzeuger Norsk Hydro.

Ein weiteres Hindernis sind mögliche Wettbewerbsbedenken der EU-Kartellwächter. Diese hatten bereits im Jahr 2000 das Zusammengehen von Alcan, Pechiney und der Schweizer Algroup untersagt. Die EU-Kommission störte sich seinerzeit an der Dominanz, die der neue Konzern bei Getränkedosen und Nahrungsmittelkonserven sowie in einigen Märkten für Verpackungsmaterial gehabt hätte. Alcan hatte dann nur Algroup gekauft. Pechiney blieb seitdem ohne größeren Akquisitionen.

Nach den Worten von Firmenchef Travis Engen hat Alcan vor der neuerlichen Übernahmeofferte für Pechiney bereits die EU-Kommission konsultiert. Eine Kommissionssprecherin wollte sich zu der geplanten Transaktion allerdings nicht äußern. Analysten zufolge könnten Bedenken der Wettbewerbshüter mit dem Verkauf von Geschäftsbereichen ausgeräumt werden. Pechiney nannte es dagegen unsicher, ob die Kartellwächter das Geschäft billigen werden.

Einschließlich der Schulden von 1,4 Mrd. € bewertet die Alcan-Übernahmeofferte Pechiney mit 4,8 Mrd. €. Die Kanadier bieten dabei für je fünf Pechiney-Aktien 123 € in bar und drei eigene Aktien. Durch dieses Angebot werde eine Pechiney-Aktie mit 41 € bewertet. Das entspricht einem Aufpreis von mehr als 20 % zum Pechiney-Schlusskurs von Freitag.

Am Montag schlossen Pechiney-Aktien an der Pariser Börse 23,46 % höher bei 42,00 €. Alcan-Titel verloren dagegen in Toronto 0,70 Dollar auf 41,60 Kanadische Dollar.

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