Pensionsverpflichtungen
Betriebsrente: Dax-Konzerne müssen große Löcher stopfen

Auch deutsche Unternehmen werden nach den dramatischen Einbrüchen an den internationalen Aktien- und Anleihemärkten im vergangenen Jahr gezwungen sein, zusätzliche Geldbeträge für ihre Betriebsrenten-Verpflichtungen nachzuschießen. Allerdings wird der Aufwand für die Ausgleichszahlungen bei weitem nicht so hoch ausfallen wie beispielsweise in den USA, Großbritannien oder Japan.

DÜSSELDORF/FRANKFURT. Der Grund: Nach wie vor finanziert der gewichtigste Teil der Unternehmen hier zu Lande seine Rentenlasten intern über Pensionsrückstellungen. Für die führenden börsennotierten Unternehmen hierzulande ergibt sich freilich ein anderes Bild.

De facto hat inzwischen beispielsweise jeder der 30 Dax-Konzerne von Adidas bis Volkswagen zumindest einen Teil seiner Pensionsverpflichtungen in externe Pensionsfonds oder Treuhandgesellschaften, sogenannte Contractual Trust Arrangements (CTA), ausgelagert. Diese externen Vermögensverwalter legen das für die Altersvorsorge bestimmte Kapital auch in Aktien an.

Noch mehreren guten Jahren mit ansehnlichen Renditen sind diese Vermögen 2008 als Folge der Baisse an den Kapitalmärkten um zwölf Prozent auf 132 Mrd. Euro bei Dax-Konzernen und um 15 Prozent auf 15 Mrd. Euro bei MDax-Unternehmen geschrumpft, wie die Unternehmensberatung Rauser Towers Perrin (RTP) ermittelt hat.

Und nicht nur das: Infolge der Finanzkrise sind die ausgelagerten Rentenlasten der Dax-Firmen nun nur noch zu zwei Dritteln mit Vermögen gedeckt. Bei MDax-Firmen beträgt der Deckungsgrad nach Angaben von RTP sogar nur knapp die Hälfte.

Ausgerechnet diejenigen Unternehmen, die vor Jahren den Forderungen angelsächsischer Rating-Agenturen folgten und ihre Pensionsverpflichtungen auslagerten, müssen nun Milliarden-Lücken füllen. Beispiel Siemens: Zu Beginn des Geschäftsjahres 2007/08, das bereits am 30. September endete, rechnete der Münchener Technologiekonzern noch mit einer Rendite auf das Vermögen des Siemens Pension Trust von 6,5 Prozent oder – in absoluten Zahlen ausgedrückt – einem Vermögenszuwachs von fast 1,5 Mrd Euro. Tatsächlich aber weist Siemens zwölf Monate später in der Bilanz eine Rendite von minus 9,7 Prozent oder einen Fehlbetrag von knapp 2,2 Mrd. Euro aus.

In den nächsten Wochen dürften weitere Negativüberraschungen folgen. Denn auch Konzerne wie Allianz, BASF, Bayer, Daimler und Eon, deren Geschäftsjahr am 31. Dezember endet, haben Pensionsverpflichtungen in niedriger zweistelliger Milliardenhöhe ausgelagert und dürften von den heftigen Turbulenzen an den Aktienmärkten in einem ähnlichen Umfang betroffen wie Siemens.

Zumindest diejenigen Unternehmen, die Kapital in einen externen Pensionsfonds einzahlen, sind bei einer deutlichen Unterdeckung verpflichtet, unmittelbar Kapital nachzuschießen. Das kostet Liquidität. Die meisten großen Konzerne allerdings übertragen das Geld an Treuhandgesellschaften (CTA). Tritt dort eine Unterdeckung auf, müssen die betroffenen Unternehmen diese zunächst nur im Anhang zur Bilanz ausweisen. Kurios: Während die erwarteten Erträge auf das Pensionsvermögen in die Gewinn-und-Verlust-Rechnung (GuV) wandern, werden tatsächliche Verluste in den meisten Fällen gegen das Eigenkapital – also ergebnisneutral – verbucht, wie Marco Keßler vom Institut für Wirtschaftsprüfung an der Universität Saarbrücken erläutert. Dies führt zu einem regelkonformen, aber nur schwer verständlichen Gewinnausweis. Hätte die Siemens AG den tatsächlichen Verlust in der GuV gezeigt, wäre das Jahresergebnis von 2,9 Mrd. Euro nahezu aufgebraucht.

Eine unmittelbare Bedrohung für die Betriebsrenten deutscher Arbeitnehmer erkennen Berater wie Thomas Jasper, Vorstand bei RTP, aber nicht. Auch wenn Pensionsvermögen abschmölzen, blieben Unternehmen hierzulande verpflichtet, die Betriebsrenten zu bezahlen, sagt er. Im Falle einer Firmenpleite trete der Pensions-Sicherungsverein ein, dem Firmen mit Direktzusagen, CTA und Pensionsfonds angehörten. Der Pensions-Sicherungsverein sichere Renten bis zu einer Höhe von etwa 7 000 Euro im Monat, erläutert Jasper.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Redakteur
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%