Pernod Ricard als potenzieller Käufer
Taittinger-Champagner soll französisch bleiben

Nach dem Kauf der Hotel- und Champagnergruppe Taittinger will die Investmentfirma Starwood Capital die Getränkesparte weiterverkaufen.

tel FRANKFURT/M. Nachdem am vergangenen Freitag der amerikanische Investmentfond Starwood Capital die Übernahme der französischen Hotel- und Champagnergruppe Taittinger bekannt gegeben hat, wird in der Branche schon spekuliert, wer denn den sechstgrößten Champagner-Produzenten der Welt in naher Zukunft kaufen könnte.

Börsenkreise bringen den französischen Getränkekonzern Pernod Ricard als potenziellen Käufer ins Spiel. „Der Kauf von Taittinger könnte für Pernod von strategischem Interesse sein, ein Portfolio von Champagnermarken zu entwickeln und die Versorgung mit Trauben zu sichern“, meint beispielsweise Arnaud Besse, Analyst bei der Société Génerale gegenüber Dow Jones. Allerdings ist Pernod Ricard gerade mit der Übernahme des britischen Wettbewerbers Allied Domecq beschäftigt.

Starwood-Capital-Chef Barry Sternlicht selbst hatte bei der Bekanntgabe des Kaufs der Taittinger-Gruppe davon gesprochen, dass man mit Hilfe der Familie „ein geeignetes Zuhause“ für den Champagner finden wolle. Der Fonds Starwood Capital, der schon die Hotelketten Sheraton und Westin sowie seit April auch Le Méridien besitzt, ist vor allem an dem Hotelgeschäft der Taittinger-Gruppe interessiert. Dazu gehören neben Luxushotels wie „Le Crillon“ und „Lutétia“ in Paris sowie das „Martinez“ in Cannes auch preiswertere Anbieter wie Kyriad und Campanile.

Der künftige Besitzer von Taittinger-Champagner sollte vorzugsweise eine französische Gruppe sein, sagte eine Sprecherin von Starwood später. Eine absolute Bedingung sei das aber nicht. Die Taittinger-Familie wiederum will nach den Worten von Anne-Claire Taittinger, Präsidentin des Direktoriums der Gruppe, „alles dafür tun, dass das Unternehmen ein Familienbetrieb und französisch bleibt“.

Die Familie Taittinger hatte Ende Juni ihre Absicht bekannt gegeben, die Beteiligungen zu verkaufen. Starwood will für rund 2,1 Mrd. Euro in bar mehr als 65 Prozent der Taittinger-Gruppe übernehmen. Dazu gehört das Champagner- und Weingeschäft Taittinger CCVC zu 100 Prozent sowie 65,48 Prozent der Société du Louvre, die das Hotelgeschäft vereint. Die Taittinger-Gruppe kam 2004 auf 842 Mill. Euro Umsatz und rund 40,4 Mill. Euro Gewinn.

Starwood stach Mitbewerber wie Wendel-Carlyle und Eurazeo-Colyseo aus. Der US-Fonds wurde bei dem Deal übrigens von der Eurohypo AG beraten, erfuhr das Handelsblatt aus Branchenkreisen. Die auf Immobilien- und Staatsfinanzierung spezialisierte Bank ist 2002 aus der Fusion der drei Hypothekenbanktöchter von Deutsche Bank, Commerzbank und Dresdner Bank hervorgegangen. Die Bank, die bisher im M&A-Geschäft eigentlich keinen Namen hat, soll Starwood nicht nur bei der Bewertung des Hotelportfolios unterstützt haben. Nach Angaben aus Branchenkreisen hat Eurohypo hat auch gemeinsam mit der Citigroup die Finanzierung in Höhe von 2,1 Mrd. Euro zu gleichen Teilen bereit gestellt. Zwischen beiden Banken gibt es eine strategische Partnerschaft. Eurohypo-Vorstandschef Bernd Knobloch soll den Deal maßgeblich gemanagt haben: Pendeldiplomatie zwischen Frankreich und den USA.

Im Gegensatz zum Fall Danone und den Übernahmegerüchten um den US-Getränkehersteller Pepsico hat der Verkauf der Taittinger-Erben keinen größeren öffentlichen Wirbel in der Grande Nation verursacht. Bei Danone haben französische Politiker bereits zur Verteidigung des Konzerns aufgerufen.

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