Personal-Spekulationen um Hans-Jürgen Cramer
Vattenfall will Deutschland-Tochter umstrukturieren

Der schwedische Energieriese Vattenfall will seine Deutschland-Tochter Vattenfall Europe umstrukturieren, wie es in einem bislang nicht veröffentlichten Arbeitspapier heißt. Für den erst vor vier Monaten ernannten Chefs von Vattenfall Europe, Hans-Jürgen Cramer, wird es eng.

STOCKHOLM. Wie das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen erfuhr, soll die Struktur von Vattenfall Europe "den europaübergreifenden Aktivitäten des Konzerns“ angepasst werden. Mögliche Veränderungen der Unternehmensstruktur sollen auf der turnusmäßigen Aufsichtsratssitzung von Vattenfall Europe am 7. Derzember diskutiert werden. Ziel sei es, "eine Lösung in großer Übereinstimmung ohne Zeitdruck“ zu erzielen, heißt es in dem Schreiben, das dem Handelsblatt vorliegt.

Mit ihm wollte der Mutterkonzern die Spekulationen über eine eventuelle Absetzung des erst vor vier Monaten ernannten Chefs von Vattenfall Europe, Hans-Jürgen Cramer, kommentieren. Die "Welt“ hatte unter Berufung auf Konzernkreise am Freitag berichtet, dass Vattenfall -Chef Lars Göran Josefsson den Einfluss des schwedischen Staatskonzerns auf die Deutschland-Tochter stärken wolle. Außerdem soll er Cramers Zurückhaltung in der energiepolitischen Debatte in Deutschland kritisiert haben.

Dem Zeitungsbericht zufolge ist mit dem jetzigen Polen-Chef von Vattenfall, dem Finnen Tuomo Hatakka, bereits ein Cramer-Nachfolger gefunden. Der 57-jährige Cramer war erst vor vier Monaten an die Spitze von Vattenfall Europe gerückt. Er löste Klaus Rauscher ab, der nach Informationspannen im Zusammenhang mit den Störfällen in den Atomkraftwerken Brunsbüttel und Krümmel seinen Hut nehmen musste.

Eine Vattenfall -Sprecherin wollte zu den Personal-Spekulationen gegenüber dem Handelsblatt keine Stellung beziehen. "Cramer ist im Amt“, sagte sie und fügte hinazu, dass man derzeit wegen der Störfälle in den Vattenfall -Atomkraftwerken Brunsbüttel und Krümmel "unter starker Beobachtung“ stünde.

Der schwedische Staatskonzern steht auch in seinem Heimatland schwer in der Kritik: Mehrere ernste Zwischenfälle in Kernkraftwerken haben das Vertrauen in die Sicherheitsstrategie des Unternehmens schwer beschädigt. Vattenfall -Chef Josefsson ernannte erst vor Kurzem einen ihm direkt unterstellten Beauftragten für Nuklearsicherheit.

Die Deutschland-Tochter steht mittlerweile für mehr als die Hälfte des Konzerngewinns von 25,5 Mrd. Kronen (2,7 Mrd. Euro) und ist Deutschlands drittgrößter Energiekonzern.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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